Trainer setzen vorrangig auf Übungen mit dem Ball

Schweißtreibend und anstrengend - Ausdauerläufe im Wald galten in der Vergangenheit als wesentliches Element der Saisonvorbereitung im Amateurfußball. Doch die Methoden sind differenzierter geworden. Auch bei den heimischen Teams setzen die Trainer bevorzugt auf Übungen mit dem Ball.

Castrop-rauxel.. Der Übungsleiter des VfB Habinghorst, Helmut Schulz, ist ein sehr erfahrener Trainer. Mit seinem Team steht er derzeit auf dem siebten Tabellenrang in der Kreisliga A. Warum es nicht ganz für die Spitze reicht? "An der körperlichen Fitness liegt es jedenfalls nicht", weiß der Coach. Die nötige Ausdauer holt sich sein Team auf dem Fußballplatz. "Von Ausdauerläufen im Wald halte ich wenig. Ich finde, das geht am eigentlichen Ziel der Einheit vorbei", sagt Schulz.

Zwei bis drei Mal pro Woche bittet der VfB-Trainer seine Mannen zum Training. Er sagt: "Ich versuche dann in den wenigen Einheiten, taktische und technische Übungen mit läuferischen Elementen zu ergänzen. Laufen können die Jungs alle, oft hapert es an anderen Stellen."

Gute Ergänzung

Aus sportmedizinischer Sicht sei gegen Waldläufe nichts einzuwenden, sagt der aus Castrop-Rauxel stammende Orthopäde Mirko Kuhn. "Das ist oftmals eine gute Ergänzung. Außerdem kann man ja auch mittellange Läufe und Sprints trainieren."

Thomas Faust, Trainer des Bezirksligisten Spvg Schwerin, ist allerdings ebenfalls kein großer Freund von Laufeinheiten. "Das ist sicherlich nicht schädlich", erklärt er, "ich denke aber, dass man alle wesentlichen Trainingsinhalte auch in Übungen mit dem Ball vermitteln kann."

"Nicht veraltet"

Um vor dem Beginn der Vorbereitung die Grundlagen zu legen, empfehle er aber allen Spielern in Eigenregie zwei oder drei 45-minütige Läufe durchzuführen.

Ähnlich handhabt es Stefan Hoffmann, der beim FC Frohlinde (Bezirksliga) mit Michael Wurst das neue Trainergespann bildet. Das Duo setze darauf, möglichst alle Trainingseinheiten mit dem Ball durchzuführen. Damit wolle er keineswegs sagen, dass Laufeinheiten nicht mehr zeitgemäß seien, betont Hoffmann.

"Das hat nichts mit veraltet zu tun, sondern ist eine Frage der Philosophie", führt er aus. Die Übungen mit dem Ball seien für die Spieler attraktiver, führt der Frohlinder Spielertrainer aus, allerdings müssten die Trainer auch stärker im Blick haben, ob alle Spieler mitzögen. "Beim Waldlauf ist es leichter nachzuvollziehen, welches Pensum jeder absolviert."

Ausdauer und Schnelligkeit

Ebenso wie Hoffmann sieht auch Thomas Faust eine hohe Akzeptanz bei den Spielern für die auf Ballübungen ausgerichtete Trainingsarbeit. "Meiner Beobachtung nach ist jeder Spieler froh, wenn es nicht in den Wald geht", erklärt der Schweriner Trainer.

Andreas Köhler, der neue Trainer des Fußball-Bezirksligisten SV Wacker Obercastrop, findet es sinnvoll, verschiedene Elemente in der Vorbereitung zu kombinieren. "Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Spieler eine gewisse Grundausdauer haben", sagt Köhler. "Die kann man sich im Wald erarbeiten, aber größtenteils auch auf dem Platz." Übungen zur Schulung von Ausdauer und Schnelligkeit könne man auch mit dem Ball durchführen. "Dann sind die Jungs auch ein bisschen mehr von der anstrengenden Trainingsarbeit abgelenkt", schmunzelt Köhler.

"Gute Mischung macht's"

Für Jörg Nowaczyk, Übungsleiter des SuS Merklinde (Kreisliga A), gehört eine klassische Laufeinheit zur Vorbereitung dazu. "Der Schwerpunkt liegt allerdings auf dem Platz", so Nowaczyk, "denn es hat sich noch niemand ins Team gelaufen." Der Coach erkennt einen allgemeinen Wandel in den Trainingsmethoden.

"Im Vergleich zu früher wird heute viel mehr auf dem Platz trainiert", sagt Nowaczyk, "der Fußball ist deutlich attraktiver, deutlich technischer geworden." Doch welches Training ist letztlich effektiver und gesünder? Eine Frage die der SuS-Trainer ähnlich wie sein Obercastroper Kollegen beantwortet: "Eine gute Mischung macht’s."