Soel Kartsev: "Müssen uns auf Amateursport beschränken"

Nach vier Niederlagen an den ersten vier Spieltagen stehen die Schachspieler des SV Castrop-Rauxel 1923 in der NRW-Klasse auf dem letzten Platz. Soel Kartsev, der in dieser Spielzeit an Brett 1 für den SV spielt, spricht im Interview über einen möglichen Abstieg und warum es schwierig ist den Nachwuchs für Schach zu begeistern.

Castrop-rauxel.. Herr Kartsev, der SV 1923 hat bislang alle Siele verloren. Überrascht Sie diese Bilanz?
Soel Kartsev:
Uns allen war bewusst, dass nach dem Abstieg aus der Oberliga eine schwere Saison auf uns zukommen würde. Uns fehlen Sponsorengelder. Insgesamt haben uns vier Akteure verlassen, darunter unsere niederländischen Spitzenspieler Jan Willem de Jong und Sander van Eijk.


Sie selbst spielen erstmals an Brett 1. Wie sind Ihre bisherigen Eindrücke?
Zuletzt bei unserem 1,5:6,5 gegen den SK Münster hatte ich einen Gegner auf Augenhöhe. Ich hätte ein Remis erreichen können, habe aber auf Sieg gespielt und die Partie dann verloren. Bei meinen beiden weiteren Einsätzen habe ich jeweils Remis gespielt. Insgesamt finde ich, dass sich unsere Mannschaft recht gut schlägt. Am dritten Spieltag in Iserlohn haben wir nur knapp verloren.


Kann es dem SV 1923 noch gelingen, den Abstieg zu verhindern?
Das ist kaum noch möglich. Am nächsten Spieltag treten wir zwar beim Gütersloher SV an, der in der Tabelle unmittelbar vor uns steht. Selbst, wenn wir diese Partie gewinnen sollten, wären wir aber erst einmal nur Vorletzter. Die letzten drei Mannschaften steigen ab.

Wie geht es nach einem möglichen Abstieg weiter?
Wir werden dann in der Regionalliga antreten, die ja immerhin noch die fünfthöchste Schach-Spielklasse in Deutschland ist. Ich denke, dass unsere Mannschaft in der jetzigen Form zusammenbleiben wird. Dann sollten wir mithalten können.


Bis 2002 war der SV 1923 sogar Bundesligist. Wird im Verein manchmal wehmütig auf diese Zeit zurückgeblickt?
Man sollte realistisch bleiben. Mit unserer heutigen finanziellen Ausstattung kann die Bundesliga kein Thema mehr sein. Wir müssen uns auf reinen Amateursport beschränken.


Kann die erste Mannschaft in Zukunft auch auf eigenen Nachwuchs bauen?
Wir haben den einen oder anderen interessanten jungen Spieler im Verein. Es braucht aber seine Zeit, bis aus einem talentierten Jugendlichen ein reifer Schachspieler wird.


Ist es grundsätzlich schwierig, junge Menschen heute noch für Schach zu begeistern?
Die Konkurrenz durch andere Sportarten, vor allem Fußball, ist natürlich groß. Umso wichtiger finde ich es, Schach in die Schulen zu bringen. In Dortmund, wo ich als Schachlehrer tätig bin, gibt es fast in jeder Grundschule Schach-AGs. Ich hatte auch schon versucht, Kontakt zu Castrop-Rauxeler Grundschulen aufzunehmen. Es gab jedoch keine Resonanz.

Noch vier SpieltageDie nächste Partie in der NRW-Klasse steht für die Castrop-Rauxeler am Sonntag, 11. Januar 2015, um 11 Uhr beim Gütersloher SV auf dem Plan. Danach stehen noch vier Spieltage aus.