Opfer eines Pokerspiels
15.08.2010 | 13:31 Uhr 2010-08-15T13:31:00+0200Am vorletzten Renntag der Ruder-Bundesliga schipperten die Achter des RV Rauxel hinterher. Nur je drei Punkte ergatterten die Frauen und Männer auf dem Maschsee in Hannover: Die schwächsten Resultate der Saison.
„Es war von vornherein klar, dass es ein ungemütlicher Samstag werden würde“, sagte RVR-Sprecherin Inga Döhring, „beide Schiffe mussten ja mit dünnen Kadern klar kommen“. Eine Erklärung, die schlüssig ist. Denn dadurch mussten auch die Rollen in den Booten neu verteilt werden. Und obwohl im Training verschiedene Positionen ausprobiert worden waren, zeigte sich in Hannover: Wettkampf ist ein anderer Schnack.
Bei den Frauen wurde sogar „Altmeisterin“ Anja Schäfer-Bongwald reaktiviert. Die Olympia-Ruderin von 1988 in Soul, extra aus ihrer neuen Heimat Wien angereist, wurde ab den zweiten Rennen eingesetzt. Doch auch sie konnte nicht verhindern, dass der Rauxeler Frauenachter am Ende mit dem drittletzten Platz Vorlieb nehmen musste.
Duell der beiden „Kanal-Clubs“
Nachdem die RVR-Ladies im Achtelfinale vom späteren neuen Spitzenreiter Crefelder RC und den beiden Hamburger Booten in die untere Hälfte des Tableaus geschickt worden waren, schafften sie im Halbfinale mit den Sieg gegen Heartlight Marburg immerhin noch den Sprung in den Endlauf um Platz neun. Dort jedoch hatten die Red White Roses aus Wanne-Eickel im Duell der beiden „Kanal-Clubs“ die Bugspitze vorn. In der Tabelle änderte sich trotz der mageren Ausbeute jedoch nichts. Die RVR-Frauen bleiben Achter, nur der Rückstand auf Düsseldorf ist auf drei Punkte angewachsen. „Es wird zwar schwer, aber am letzten Renntag Anfang September in Münster wollen wir versuchen, das noch aufzuholen“, so Inga Döhring.
Vaterfreuden
Einen ähnlich schweren Stand hatten auch die Rauxeler Männer. Auch sie waren gezwungen, die Bootsbesatzung kräftig durchzumixen. Auch Sebastian Polus musste passen – freilich aus einem guten Grund: Der Zahnarzt wurde am Samstag Vater eines Stammhalters.
Trotz der Umbesetzungen war die Crew von der Wartburginsel selbstbewusst nach Hannover gereist: Nach zuletzt zwei zwölften Plätzen sollte der Kurs zurück in die „Top Ten“ führen. Das hätte sicherlich auch klappen können, wenn der RVR-Achter nicht Opfer des taktischen Geplänkels der beiden rivalisierenden Top-Boote vom Crefelder RC und vom Hamburger RC Germania geworden wären.
„Krebs gefangen“
Co-Trainer Kai Sporea erklärt: „Die Krefelder ließen es im Zeitlauf gemächlich angehen, um schon im Achtelfinale auf die Hamburger zu treffen und ihren Erzrivalen dort mit einem Sieg in die unteren Ränge zu befördern“. Genau das passierte dann auch – mit der Folge, dass die Rauxeler im Viertelfinale gegen Hamburg fahren mussten. „Eine kaum lösbare Aufgabe“, quittierte Kai Sporea die Niederlage gegen die Hanseaten mit einer halben Bootslänge. „Das Pokern der Spitzenboote ist zwar regelkonform“, so Sporea weiter, „doch dass die schwächeren Boote darunter leiden, sollte eigentlich nicht sein.“
Ohnehin hatten die RVR-Recken in Hannover wenig Glück. Im Achtelfinale gegen Osnabrück musste nach einem Bojen-Rammer eine Kurskorrektur her, und im Finalrennen um Platz 13 gegen Bremen fing sich die RVR-Crew einen „Krebs“, musste das Tempo drosseln und neue Fahrt aufnehmen.
Das alles tat der guten Stimmung im RVR-Lager jedoch keinen Abbruch. „Beim Bundesliga-Finale in Münster greifen wir noch mal an“, versprach Kai Sporea.
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