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Korfball

Korfball ist kein Kuschel-Ball

21.02.2012 | 13:12 Uhr
Korfball ist kein Kuschel-Ball

Ich schnaufe laut. Eine Schweißperle bildet sich auf meiner Stirn und tropft auf meine schwarzen Handballschuhe. Gekränkt stehe ich in der Hallenecke, schüttel den hängenden Kopf und frage mich, was hier los ist. Kann dieser Sport wirklich so hart sein?

Es ist Donnerstagabend. Die erste und zweite Korfball-Mannschaft des Henrichenburger KC Albatros haben Training in der Sporthalle der Fridtjof-Nansen Realschule. Ich kenne Korfball nur vom zuschauen, aktiv gespielt habe ich noch nie. Deswegen der Selbstversuch: Wie funktioniert dieser Sport, den viele meiner Bekannten nur als „Exot“ bezeichnen? In einem Training mit dem HKC will ich mehr herausfinden.

Vorurteile habe ich im Vorfeld auch: Der Sport, den Männer und Frauen gemeinsam ausüben, in dem kein Körperkontakt erlaubt ist und man nicht mit dem Ball laufen darf, nannte ich schon häufiger „Kuschel-Ball“ als Korfball.

Meine Voreingenommenheit soll sich jedoch bald in Luft auflösen. Als ich nach dem Umziehen endlich die Halle betrete und das Spielgerät zum ersten Mal in den Händen halte, mache ich sofort einen Fehler: „Du musst den Ball fester mit beiden Händen umklammern“, erklärt Trainer Jan van der Heide und zeigt, wie es richtig geht.

„Und jetzt versuche, den Korb zu treffen!“ Ich blicke nach oben, der Korb steht viel höher, als ich es vom Zuschauen in Erinnerung habe. Ich ziehe die Arme nach oben und werfe den Ball wie beim Basketball – wieder mache ich einen Fehler: „Streck dich mehr und werfe aus dem Schwung des Sprunges“, versucht es mir van der Heide beizubringen. Aber seine Bemühungen sind hoffnungslos: Ich bekomme den Ball nicht ins begehrte Runde. Die anderen Spieler amüsieren sich über meine Leistung.

Ok, die machen das jede Woche, ich zum ersten Mal. Richtig angestrengt habe ich mich auch noch nicht. Doch als ob der Trainer Gedanken lesen könnte, erklärt er die nächste Übung: „Wir machen jetzt Strafwürfe, nach jedem verworfenen Korb sprintet das ganze Team eine Runde.“ Danke – ich verwerfe natürlich wieder fast jeden Ball.

Es folgen verschiedene Spielsituationen, ich trainiere mit Christina Melis, Rene Melis und Meik Casimir und muss dabei ständig meinen Gegenspieler decken. Doch was ich auch mache, Melis und Casimir bewegen sich viel besser als ich und bekommen den Ball immer vor mir. Auch Tipps dieser erfahrenen Spieler bringen mich nicht weiter: Ich renne, schnaufe, arbeite – doch ohne Erfolg. Mitleiderregend gucke ich zu Trainer van der Heide. Doch der lacht nur und ruft: „Stephan, weiter, schneller!“

Nach weiteren zehn Minuten wird das Training langsam zur Qual. Als dann die Trainingspartie mit einigen Spielern aus der zweiten Mannschaft beginnt, fühle ich mich ausgelaugt, versuche mir aber nichts anmerken zu lassen und mache weiter. Doch auch im Trainingsspiel habe ich keine Chance – mir geht die Luft aus. Van der Heide scheint es mir anzumerken und streut noch Salz in die Wunde: „Komm, ich bin noch nicht mit dir fertig, Stephan!“

Militärton beim vermeintlichen Kuschel-Sport. Ich kann nicht mehr. Wirklich nicht. 20 Minuten später beendet Jan van der Heide das Training, formiert die Mannschaft um sich und fragt mich, wie es mir geht. Zum Glück. Christina Melis lacht, sagt: „Du schwitzt ja viel mehr als ich.“ Ich wundere mich, dass sie nach diesem Martyrium überhaupt noch lachen kann. Dann japse ich nach Luft, sage, dass ich mich kaputt fühle. Der Trainer entlässt mich. Zum Glück. Er möchte mit der Mannschaft jetzt das kommende Spiel vorbereiten.

Es folgt die beste Übung des Abends: Das Duschen. Als ich aus der Umkleidekabine komme, sehe ich, wie die Mannschaft schon wieder läuft. Respekt.

Stephan Rathgeber

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