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Knallhart, aber fair

20.02.2010 | 09:30 Uhr

Castrop-Rauxel. Er spielt in der Defensivabteilung des Fußball-Landesligisten BG Schwerin eine wichtige Rolle. Doch bald bleibt Steve Kozole nicht mehr so viel Zeit fürs Training.

Der Job von Abwehrspieler Steve Kozole beim Fußball-Landesligisten SpVg. BG Schwerin ist klar: Die Angriffsspieler zur Verzweiflung bringen, sie auf Schritt und Tritt verfolgen, sie nicht zur Entfaltung kommen lassen.

Wer den 29-Jährigen als Gegenspieler hat, der spürt ständig seinen Atem, der wird Steve Kozole nicht los. Ein knallharter, aber fairer Manndecker – mit allen Wassern gewaschen.

Doch im Moment ist der gelernte Bankkaufmann unzufrieden: „Ich bin nicht mehr so fit, mir fehlen Kondition und Kraft, die für mein Spiel unverzichtbar sind”, übt Steve Kozole ein wenig Selbstkritik. „Das mache ich aber mit meiner Erfahrung wieder wett”, lacht der BG-Kicker im gleichen Atemzug.

Doch seinen eigenen Ansprüchen wird er damit nicht immer gerecht. Für die Landesliga reiche es noch, aber der Entschluss stehe fest: Im Sommer werde er seine Schuhe an den Nagel hängen. Kozole: „Mit dem Training wird es immer schwieriger, jetzt erwarten wir Nachwuchs und mein Job ist sehr zeitintensiv – das passt alles nicht mehr.” Der Kozole-Nachwuchs soll während der WM in Südafrika zur Welt kommen – ein Fußballkind, irgendwie passend.

Solcherlei „Punktlandungen” schaffte er schon öfter. Eine davon mit 19 Jahren, als er mit Borussia Dortmund Deutscher B-Jugend-Meister wurde. Der Trainer hieß damals Peter Wongrowitz, der Jahre später selbst mal mit Karsten Gowik Trainer in Schwerin war. „Wegen Peter bin ich aber nicht zum Berg gekommen, das hatte ganz andere Gründe”, erklärt Steve Kozole. „Schuld” daran war vielmehr sein Fußballfreund Dennis Hasecke, der Steve Kozole die Blau-Gelben empfahl.

In seinen Dortmunder Zeiten war auch „Profifußball” mal ein Thema. Doch dieses Kapitel hatte der Ickerner dann irgendwann zugeschlagen. „Die Gedanken daran hatte ich schon, aber in Dortmund gab es halt keine Möglichkeiten”. Die Reservistenrolle beim BVB war für ihn keine wirkliche Perspektive. Dann kam sogar ein Angebot vom 1. FC Köln, aber Mutter Ute Kozole bestand auf die Banklehre. „Heute bin ich ihr dafür dankbar”, gesteht Steve Kozole ein. Also entschied er sich für die Amateure des VfL Bochum. Es folgten der Lüner SV, der VfL Schwerte und nun BG Schwerin.

Wer den „Wegputzer” auf dem Platz beobachtet, dem fällt sofort der eigenwillige Laufstil auf. Kozole: „Ja, das stimmt. Sieht wirklich nicht gerade rund aus. Ich hatte bei der B-Jugend mal einen Kreuzbandriss, bin aber nie operiert worden – die kräftige Muskellatur hat das vordere Kreuzband ersetzt.”

Vier bis fünfmal in der Woche musste der Ickerner seinerzeit zum Training chauffiert werden. Eine ziemliche Belasung für die Familie. „Sehr viel habe ich meinem Großvater Heinrich Thome zu verdanken,” erinnert sich Steve Kozole. Den Fahrdienst hatte „Opa Thome” gerne übernommen, denn er war selbst fußballbegeistert und konnte so die Entwicklung seines Enkels immer mitverfolgen.

Die Familie spielte in der Fußballkarriere immer eine große Rolle. „Meine Mutter hat auf alles ein strenges Auge geworfen und mein Vater hatte stets darauf geachtet, dass ich auf dem Teppich geblieben bin.” Das hat den ehemaligen Ickerner Jugendspieler geprägt.

Jetzt, nach 25 Jahren „Pölerei”, neigt sich die Karriere von Steve Kozole dem Ende entgegen. Irgendwie schade.

Jörg Bollenbach

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