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Rudern - Wintertraining...

Eis-Brecher

15.02.2010 | 16:59 Uhr
Eis-Brecher

Castrop-Rauxel. Schnee, soweit das Auge reicht. Dazu noch dieser Frost nachts. Der setzt auch den Binnenschiffern zu und sorgt für Stillstand auf vielen Teilen der Wasserstraßen. Kann der kälteste und längste Winter seit Jahrzehnten einen Ruderer aus der Ruhe bringen? Wohl kaum.

Rudern kann man immer – sagen die Hartgesottenen. Außenstehende reiben sich verwundert die Augen, wenn sie auf den Rhein-Herne-Kanal schauen. Ruderboote fahren auf und ab. Fast schon mehr als im Sommer. Denn der Ruderverein Rauxel genießt eine Luxus-Situation. Der Kanal ist eisfrei, somit für die empfindlichen Kunststoffboote problemlos befahrbar und es müsste tagsüber schon ganz bitterkalt werden, bis kein Boot, kein Riemen oder Skull mehr zum Steg getragen wird.

Andere Vereine blicken neidisch zur Wartburginsel, weil der Trainingsbetrieb weiterläuft. In Dortmund beispielsweise, wo der Kanal nicht vom Kühlwasser der Kraftwerke aufgewärmt wird, da geht schon lange nichts mehr. Der Stützpunkt ist ins eisfreie Waltrop an den Datteln-Hamm-Kanal umgezogen.

"Man hilft ja gerne"

Die Junioren des RC Hansa Dortmund haben ihre Zelte dagegen beim RVR aufgeschlagen und die seit Monaten vom Winter geplagten Osnabrücker Kollegen aus der Ruder-Bundesliga waren auch schon öfter da. Auch Sonntag. Da reihte sich mittags Achter an Achter. Ein imposantes Bild, das Vorfreude auf das Bundesliga-Wochenende an der Wartburginsel im Juni weckt. „Man hilft gerne”, sagt RVR-Ruderchef Meinolf Schnettler. Hier ist jeder willkommen. Beim RV Rauxel wird Gastfreundschaft groß geschrieben.

Auch die Rauxeler Bundesliga-Achter stechen wie gewohnt dieser Tage in See. Die Frauen sogar mit prominenter Unterstützung: Lenka Wech (Bochum) und Maren Derlien (Waltrop), die im Zweier ohne Steuerfrau bei den Olympischen Spielen in Peking Vierte wurden, unterstützen die Crew von RVR-Coach Peter Jost im Training – wenn es deren Zeit gerade zulässt. Nach Olympia hatten sie sich aus dem Hochleistungssport zurückgezogen, treffen sich ab und an in Dortmund zu lockeren Einheiten und finden die Abwechslung schön, beim RVR in einer großen Gruppe zu trainieren.

„Diese Erfahrung hilft unserem Team enorm”, sagt Peter Jost, der die beiden langjährigen Nationalteam-Ruderinnen natürlich auch während der Saison gerne im Boot sehen würde. Maren Derlien startete allerdings in der vergangenen Saison für ihren Heimatklub und Liga-Champion RG Hansa Hamburg in der Bundesliga und möchte sich auch für 2010 diese Option offen halten: „Es macht aber unheimlich Spaß, hier im Achter mitzutrainieren”, lobt die 34-Jährige das neue Projekt des RV Rauxel.

Es gibt kein schlechtes Wetter

Bis auf den Junioren-Zweier mit Malte Jakschik und Michael Palisaar, der an einer Einladungsregatta im italienischen Turin teilnahm (Rang drei mit den DRB-Auswahlachter), machten sich am Wochenende alle Trainingsgruppen auf dem Wasser fit. Unter dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung” reagieren die Wassersportler auf jede Situation. Dick eingemummt mit mehreren Lagen Sportlerkleidung, Mütze und Schal gehen die Athleten aufs Wasser.

Kälte macht erfinderisch

Wem es dann doch zu kalt ist, der ist halt erfinderisch. Wie Margarete Jakschik. Die hatte sich für ihre Fahrt im Einer eine Wärmflasche mitgebracht und auf die Schuhe gelegt. Nur Handschuhe sind nicht zu sehen, obwohl es da auch schon spezielle Modelle für Ruderer gibt.

Margarete Jakschik ist an diesem Morgen noch für einen kleinen Spaß zu haben. Sie stellt sich ein Ruder-Ergometer auf den Steg am zugefroreren Seitenarm und demonstriert eine mögliche Outdoor-Variante, falls der Kanal vielleicht doch noch vereist sein sollte. Damit ist aber nicht mehr zu rechnen. Hofft zumindest ihre Schwester Magdalena: „Jetzt ist aber genug mit Schnee.”

Detlev Seyb

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