Daumen hoch
03.08.2010 | 16:12 Uhr 2010-08-03T16:12:00+0200
„Wer trägt die Kiste mit den Schuhen?“ Sieben Ruderer und Steuermann Leopold Bertz schauen nur in eine Richtung. Zu Malte Jakschik. „Das Geburtstagskind natürlich.“ Der RVR-Ruderer grinst und packt natürlich gerne an, greift mit rechts zu und stapft gemeinsam mit Leopold Bertz dem Achter hinterher bis hinauf auf den Bootslagerplatz von Racice, wo die Ruder-Weltmeisterschaften der U19-Junioren stattfinden.
Es ist eine der letzten Trainingseinheiten vor dem Vorlauf am Donnerstag. Die erste mit 17 Jahren für Malte Jakschik. Gestern gab es noch eine Ausfahrt vor der Eröffnungsfeier am frühen Abend, auch heute will das Team von Trainer Bernd Nennhaus noch zweimal aufs Wasser, um noch den letzten Schliff zu bekommen. „Es läuft gut, immer besser“, sagt Malte Jakschik: „Der Trainer war zufrieden.“
Der Hamburger Bernd Nennhaus ist in dieser Junioren-Bootsklasse der erfolgreichste auf der Welt. Keiner weiß so genau wie er, wie weit ein Team ist. Jedes Jahr hat er neue Athleten beisammen. Das mache eben den Reiz aus und deswegen möchte er auch gar nicht in eine andere Altersklasse wechseln. Wenn einer wie Nennhaus, der trotz dreier Goldmedaillen in Folge stets auf dem Teppich bleibt und jedes Training kritisch begleitet, nach den Sprint-Einheiten über zweimal 250 Meter vom Fahrrad aus den Daumen hebt, dann heißt das was.
Malte Jakschik und seine Teamkollegen haben das gestern freudig registriert und dürfen zufrieden zum Anlegesteg zurückkehren. Das Team, das es Donnerstag mit elf weiteren Nationen zu tun hat, scheint auf einem richtig guten Weg zu sein. Das ist jedenfalls der Eindruck, den Nennhaus’ wilde Bande seit Sonntag auf dem Wasser hinterlässt.
Es regnet am Montag morgen. Gar nicht mal so schlecht. Dadurch ist es kühler, angenehmer. Mitte der Woche soll es wieder sonniger werden. „Schnell duschen“, heißt die Parole, damit sich niemand erkältet. Malte Jakschik stellt sich mit dem Recklinghäuser Rene Stüven noch zum Foto mit Deutschlandriemen auf, dann mit dem gesamten Team.
Während sich der Achter auf die Rückfahrt ins Hotel nach Melnik vorbereitet, legt der zweite Rauxeler WM-Starter an. Michel Palisaar startet in der sogenannten Bullenklasse - dem Vierer mit Steuermann. So jedenfalls ist es im erstmals aufgelegten U19-WM-Magazin des Deutschen Ruderverbandes (DRV) beschrieben. Das haben die Bundesliga-Macher Arne Simann und Nils Budde initiiert, nachdem die Ruder-Event GmbH das Sponsoring der Junioren-Nationalmannschaft übernommen hat. Auf 56 Seiten erfahren die Fans alles über Trainer und Athleten. Es solle Vorfreude wecken. Es macht die Athleten aber auch stolz.
Überschriften wie „Zeit für WM-Träume“ und ein Poster mit dem Arbeitstitel: „Unvergessliche Momente - wir zeigen es allen!“ sorgen gerade in den letzten Trainingseinheiten für weiteren selbstbewussten Schub. „Wir kommen ja aus unterschiedlichen Regionen“, sagt Michel Palisaar, „wir werden mit jeder Einheit besser.“
Wie der Achter ist der Deutsche Ruderverband auch im Vierer mit Steuermann Titelverteidiger. Deshalb möchte Trainer Maik Schuldt auch keine Prognose abgeben. Natürlich möchte er Gold holen. Wer will das nicht. Aber schon drüber reden?
Stattdessen arbeitet er lieber Charaktere des Teams heraus. „Wir haben vier körperlich starke Kämpfertypen an Bord“, erklärt Schuldt: „Das ist eine sehr gute Ausgangsbasis, um hundertprozentige Leistungsfähigkeit abzurufen.“ An diesem Morgen findet Schuldt lobende Worte. Aber er sagt auch: Vorsicht. Ihr müsst immer alles geben. Sonst könnte es eng werden.
Die Konkurrenz ist nämlich ehrgeizig. Deutschlands Übermacht im Juniorenbereich scheint in naher Zukunft nicht zu durchbrechen: Aber die auswärtigen Nationen möchten gerne einzelne Bootsklassen knacken. 13 Nationen haben neben dem deutschen im Vierer „mit“ gemeldet. Einige potenzielle Außenseiter. Aber auch Nationen wie Australien, England, Neuseeland und den USA, mit denen man immer rechnen muss.
Haben sie ihre stärksten Ruderer in den Vierer „ohne“ oder Vierer „mit“ gepackt? Oder in den Achter? Alles ist möglich und letztlich erste Konturen wird die internationale Leistungs-Skala erst am Donnerstag annehmen, wenn in Tschechien die Vorläufe über die Strecke gehen.
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