Boxenstopp des RV Rauxel
03.02.2010 | 17:59 Uhr 2010-02-03T17:59:00+0100Castrop-Rauxel. Rudern ohne Wasser war am Sonntag. Rudern im Boxring am Dienstag. Der Ruderverein Rauxel lässt nichts unversucht, um seine Bundesliga-Teams auf den Klassenerhalt einzuschwören.
Diesmal half Box-Europameister Francesco Pianeta mit, der extra aus Berlin vom deutschen Boxcamp Sauerland angereist war. Verrückt? Irgendwie schon.
Aber ein Schuss positive Verrücktheit gehört dazu, was sich seit einigen Monaten am RV Rauxel tut. Erst schaffen die Männer den Klassenerhalt. Dann wollen sich auch die Frauen für die Bundesliga fit machen. „So lernen meine Sportler jetzt ein bisschen Härte kennen”, sagt Ruder-Bundesligacoach Peter Jost. „Ich erhoffe mir neue Anreize fürs Training, eine andere Intensität.” Knallharte, kurze Schläge - das ist das, was über die Sprint-Distanz zählt. Was liegt näher, als beim Boxen zu kiebitzen, wenn es draußen zu ungemütlich zum Rudern ist.
Im Kando Gym an der Bochumer Straße herrscht hohe Luftfeuchtigkeit. Ruderer, Boxer, Kamerateams und Fotografen sorgen für einen ungewöhnlichen Tag, der auch Box-Profi Pianeta begeistert. „Ich fand es richtig spannend.”
Der in Gelsenkirchen lebende Italiener trainiert zusätzlich bei Isa Topal. Der ist Coach im Kando Gym und kennt keine Gnade. Schließlich wollen die Ruderer wissen, wie das Herz eines Boxers schlägt. Das Konditionsprogramm hat es in sich.
Es dauert nur wenige Minuten, bis die ersten Köpfe hochrot anlaufen. Da muss man jetzt durch. Topal zieht das volle Programm durch. „Fast das volle”, schränkt Norbert Sümpelmann ein. Er hat das Training vermittelt: „Heute ist es noch human.”
Wirklich? „Jetzt Liegestütz. Aber die Hüften oben lassen”, ruft Topal in die Runde: „Los, Gas geben. Wer fertig ist, bleibt liegen.” Dann folgen 30 Sit-ups. Immer wieder neue Übungen. Kaum Pausen. Der Puls soll rasen. Und weil es so schön ist: „Kennt ihr noch Bundeswehr-Liegestütz?
Zeigt sie mir! Wer kneift, bekommt einen Spruch: „Möchtest du eine Decke oder ein Kissen?” 30 Sekunden Pause zum Trinken - mehr nicht. Topal hält die Stoppuhr bereit. Dann geht es fix weiter. Endlich die ersten Box-Trockenübungen und die Gesichter hellen sich wieder auf. Topal erklärt die richtige Fußstellung. Den Unterschied zwischen klassischem Boxen und Kick- und Thai-Boxen. Er macht es vor.
„Nicht verkrampfen, locker bleiben”, sagt Topal beim Luft-Boxen: „Und zumachen, damit der Gegner nicht treffen kann.” Beim Low Kick mit Schienbeinschutz geben die Männer alles. Treten, treten, treten. Mit Schlagzahl 48. So wie im Rennen. Ob er neue Talente entdeckt hat? Pianeta schmunzelt: „Nicht wirklich. Aber es war ja auch die erste Stunde.” Ob er rudern kann? „Nein, aber ich würde es gerne einmal versuchen.”
Kai Sporea, Sprecher der Bundesliga-Männer, sprach sofort die Gegeneinladung aus. Dann geht's auch in den Einer. Mal schauen, welcher Boxer da über Bord geht.
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