Zwei Bottroper feiern mit Werder Bremen die Meisterschaft

Sachlicher Mann im defensiven Mittelfeld: Diethelm Ferner (rechts) im Spiel gegen Bayern Münchens Hans Nowak (Saison 1966/1967).
Sachlicher Mann im defensiven Mittelfeld: Diethelm Ferner (rechts) im Spiel gegen Bayern Münchens Hans Nowak (Saison 1966/1967).
Foto: imago/Kicker
Was wir bereits wissen
Vor 50 Jahren feierte Werder Bremen den Titelgewinn in der jungen Bundesliga. Mit dabei: Klaus „Zick-Zack“ Matischak und Diethelm „Didi“ Ferner vom VfB Bottrop.

Bottrop..  Beim Empfang des deutschen Fußballmeisters standen auch zwei Bottroper im Mittelpunkt – vor 50 Jahren. Etwa 100.000 Bremer bejubelten auf dem Rathausplatz ihren SV Werder und auch die beiden Männer aus dem Ruhrgebiet. Von einem „Orkan der Begeisterung“ berichtete der Weserkurier im Mai 1965 – und dass durch die Bahnhofshalle Sprechchöre dröhnten: „Zick-Zack-Matischak“. Gemeint war Klaus Matischak, ein wuchtiger Angreifer aus Bottrop. Außer ihm zählte ein Mittelfeldstratege zum Meisterteam: Diethelm Ferner. Beide hatten ihre professionelle Laufbahn beim VfB Bottrop begonnen, der damals der zweiten Liga West angehörte.

Die Gesichter der beiden waren jüngst wieder im Weserstadion zu sehen, auf einem riesigen Plakat, das die Werderfans vor dem Anpfiff der Begegnung mit Borussia Mönchengladbach in der Ostkurve präsentierten. Als Trainer war auf dem Plakat Willy „Fischken“ Multhaup abgebildet, der die beiden Bremer Meisterspieler schon viele Jahre zuvor entdeckt hatte, als er den VfB Bottrop trainierte. Ferner spielte seit 1963 für Werder, Matischak erst seit 1964, zuvor hatte er für Schalke in einer Saison 18 Tore erzielt – mehr als viele Weltmeister und Nationalspieler.

„Didi“ setzte sich durch

Angreifer Klaus Matischak wurde wegen seiner Finten und schnellen Richtungswechsel „Zick-Zack“ Matischak gerufen, Diethelm „Didi“ Ferner war ein viel sachlicherer Mann im defensiven Mittelfeld. Als er mit Beginn der Bundesligazeit vom VfB Bottrop an die Weser wechselte, schlug dem gebürtigen Ostpreußen, der als Kind 1952 ins Ruhrgebiet gekommen war, Misstrauen entgegen. Ferner: „Da war Skepsis angesagt, zumindest bei einigen Journalisten. Werder hatte drei Nationalspieler verpflichtet und mich aus der zweiten Liga.“ Einige dachten wohl: „Was soll der hier?“

Doch „Didi“ setzte sich durch, machte unter Bundestrainer Sepp Herberger sogar zwei Länderspiele in Marokko und Algerien. Der Titelkampf war 1964/65 übrigens nicht so entsetzlich langweilig wie 2015. Zwar führte Werder seit der Vorrunde die Tabelle an, aber immer nur knapp vor Köln, Dortmund und 1860 München. Eine Niederlage zum Saisonfinale hätte Bremen aber die Meisterschaft kosten können, da Köln nur zwei Punkte Rückstand hatte. Zur entscheidenden Partie im Mai 1963 gastieren die Hanseaten samstags in Nürnberg und siegen mit 3:2. Zwei der elf Meisterspieler bewertet die Fußballzeitschrift „Kicker“ mit der Note eins: die Bottroper Matischak und Ferner. Am Sonntag machte Werder noch ein Freundschaftsspiel im nahen Lichtenfels gegen Schweinfurt 05, der Empfang im Bremer Rathaus war daher erst am Montag möglich. „Mit so vielen Menschen hatte ich gar nicht gerechnet. Es war so voll dort, dass unsere Frauen, die wir erst dort trafen, durch die Fenster ins Rathaus klettern mussten“, erinnert sich Ferner. „Da war vom kühlen Norden nichts zu spüren.“

Klaus Matischak steuerte in Nürnberg nicht nur ein Tor zum Sieg bei, sondern auch jede Menge guter Laune, zählte zu den Stimmungskanonen im Team. Auf dem Marktplatz von Lichtenfels ließ er sich mit Max Lorenz publikumswirksam eine Glatze scheren. Ein Geschäftsmann hatte die beiden damals gelockt, wie Lorenz schmunzelnd zugab: „Freiwillig eine Glatze? So etwas gab es nicht. Aber 500 Mark waren damals gutes Geld.“ Matischak äußert sich dazu nicht, berichtet aber: „Wir hatten eine gute Truppe, auch menschlich.“ Der Weserkurier schrieb über den Empfang: „Zick-Zack-Matischak hat über seine Platte eine braune Beatle-Perücke gestülpt. … Aber schon auf dem Bahnhofsplatz wechselt der braune Beatle-Pelz den Besitzer. Matischak stülpt sie einem uniformierten Begleiter auf den Kopf und präsentiert sich mit leuchtender Platte, die er unter einem Strohhut zu verbergen sucht. ‚Hut ab, Hut ab!‘ heißt denn auch schon bald der Schlachtruf.“