Zu Besuch in der Werkstatt der Rennfahrer des NAC Bottrop

Hier kümmern sich Claus Stratmann (l.) und Robert Wolff um den Motor des Opel Ascona A.
Hier kümmern sich Claus Stratmann (l.) und Robert Wolff um den Motor des Opel Ascona A.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der NAC Bottrop bereitet sich auf den Beginn der Rennsaison im Frühling vor, derzeit wird kräftig geschraubt. Ein Besuch in der Vereinswerkstatt.

Bottrop.. Sie nennen diesen Ort die Klinik. Weil hier immer wieder Kampfspuren verarztet werden müssen. Weil Schönheits-OPs keine Seltenheit sind. Und auch, weil die hier mitunter am offenen Herzen operiert wird. Den behandelnden Arzt nennen sie Prof. Dr. Keule. Und es gibt kaum einen Patienten, den der Professor und sein Team nicht wieder auf die Straße bringen. Die Pumpe läuft dann wieder, das Herz schlägt um ein Vielfaches lauter und kräftiger als zuvor. Der Patient ist bereit fürs nächste Rennen. Der Professor nickt dann zufrieden. Und setzt sich hinters Steuer.

Die Klinik, das ist eine Garage in Gladbeck, der „Professor“ ist ihr Besitzer Stefan Groß. Der Patient wird gerade nach draußen gerollt. Ein Opel Ascona A in dunkler Gelblackierung. Jahrgang 1973, 2,5 Liter-Motor, um die 250 PS stark. Ein gelber Traum mit breiten Schlappen und dicken Backen. Der ganze Stolz des „Professors“, der eigentlich gelernter Motorentechniker ist. Es ist ein Dienstagabend und einige Mitglieder des Neuen Automobil-Clubs Bottrop (NAC) haben sich in der Vereinswerkstatt versammelt. Die Arbeitsmontur liegt auf dem Tisch, das Werkzeug ist daneben fein säuberlich aufgereiht und die Hebebühne wird vorsichtig angesteuert. Die Rennsportler bereiten sich auf die im Frühjahr beginnende Saison vor. Neue Bremsen, frisches Öl, ein bisschen Feintuning – es gibt immer etwas zu tun.

Ein Projekt, das nie fertig wird

Die Bottroper starten in der GLP-Berg-Serie. Dabei handelt es sich um eine Rennserie für klassische Sportwagen, die sich durch Gleichmäßigkeitsprüfungen auf Berg- und Rundstrecken auszeichnet. Die Strecke muss dabei in einer vorgegebenen Zeit/Durchschnittsgeschwindigkeit bewältigt werden. Hört sich einfach an? Ist es aber nicht, wie Robert Wolff weiß. Der gelernte KfZ-Mechatroniker ist seit zwei Jahren beim NAC. „Ein Rennen zu lesen und richtig einzuschätzen ist ein Lernprozess. Es dauert ein paar Jahre, bis man oben mitfährt“, sagt der 30-Jährige, der einen VW Polo aus dem Jahre 1987 lenkt. 1,3 Liter, 120 PS, 700 Kilo schwer – das graue Gefährt ist flott unterwegs. Mit dem einstigen Serienauto hat es allerdings nur noch wenig gemein. Wie bei allen Rennwagen des NAC ist der Innenraum äußerst spartanisch gehalten. Die Heizung ist ausgebaut und das gesamte Cockpit mit Metallstreben verstärkt. Zu den Rennen werden die tiefliegenden Fahrzeuge per Anhänger transportiert. Eine Verwandlung, die gehörig Arbeitsstunden und Erspartes kostet. „Bald kommt ein Motor“, sagt Wolff. Solch ein Rennwagen ist ein Projekt – eines, das nie fertig wird.

Doch darum sind sie beim NAC. Die 26 aktiven Mitglieder, die nicht nur zusammen schrauben und fachsimpeln, sondern sich auch zum gemeinsamen Rennengucken und zu Vereinsfeiern verabreden. Jüngst haben sie in Essen an einem Neun-Stunden-Benefizkartrennen zu Gunsten eines Kinderhospizes teilgenommen. „Wir sind mit Leidenschaft dabei, aber der Rennsport ist für uns reines Hobby. Wir haben keine großen Sponsoren und beschäftigen uns am Tag auch mit anderen Dingen“, sagt der NAC-Vorsitzende Claus Stratmann fast entschuldigend. Trotzdem freut er sich wie alle seine Vereinskameraden auf den Mai. Dann geht es endlich wieder los und die Garage des „Professors“ wird mitunter auch zwischen zwei Rennen angesteuert werden. Runter vom Anhänger mit dem Rennwagen, rauf auf die Hebebühne, Kupplung gewechselt und wieder auf den Hänger. „Kommt vor“, sagt Stratmann augenzwinkernd.

Es ist spät geworden, das Licht in der Garage erlischt, die NACler fahren nach Hause. Ganz brav. Nicht in ihren laut rörenden Rennboliden, sondern in Standard-Familienkutschen. Erst im Mai wird die schwarz-weiß-karierte Flagge wieder flattern. Dann wird wieder Gas gegeben.