Vor 50 Jahren wurde der VfB Bottrop Verbandsligameister

Glückwunsch zum Aufstieg: Staffelleiter Küppers überreichte Bottrops Spielführer Günter Mikolaiczak den Meisterkranz.
Glückwunsch zum Aufstieg: Staffelleiter Küppers überreichte Bottrops Spielführer Günter Mikolaiczak den Meisterkranz.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Vor 50 Jahren wurde der VfB Bottrop Meister der Verbandsliga und kehrte damit in den Vertragsfußball zurück. Das Ende der großen Ära rückte jedoch näher.

Bottrop..  Eigentlich stimmte an diesem Maitag alles. Die Sonne strahlte und das Jahnstadion war gut gefüllt. Alles war bereit für die große Feier. Nur eines stimmte nach 90 Minuten nicht: das Ergebnis. 2:2 hieß es gegen Sterkrade 06/07 und so mancher der 4500 Zuschauer verließ das Stadion mit schlechter Laune. Denn was der VfB im letzten Meisterschaftsspiel des Jahres 1965 abgeliefert hatte, war nicht mehr als ein mäßiger Gute-Laune-Kick. „So schlecht wie gegen Sterkrade hat der VfB noch nie gespielt“, urteilte die WAZ am Folgetag. Überheblich, pomadig, einer Niederlage gegen den Außenseiter aus der Nachbarstadt nahe kommend – vom Führenden der Liga hatten sich die Bottroper Fans einen anderen Abschluss gewünscht. Doch auch wenn die Feier an diesem Sonntag etwas verhalten ausfiel – der VfB war Meister der Verbandsliga und kehrte in die Regionalliga zurück, damals die zweithöchste Spielklasse. Bottrop war wieder eine Stadt mit Vertragsfußballern.

Kubitza muss zusehen

Einer musste beim letzten Spiel ebenfalls zusehen: Alfred Kubitza, der Außenverteidiger und Leistungsträger, der in dieser Saison sogar eine Einladung zur Amateur-Nationalmannschaft erhalten hatte. Doch zum Saisonende war Kubitza gesperrt. Fünf Wochen zuvor hatte er im Spiel gegen den Rheydter SV die Rote Karte gesehen. „Eigentlich war ich kein Rüpel“, erinnert sich der 78-Jährige heute. „Eine Rote Karte war eher die Ausnahme.“ Kubitza ist eines der letzten Mitglieder des damaligen Meisterteams, das noch in Bottrop lebt. 16 Jahre lang spielte er in der Erstvertretung der Schwarz-Weißen, erlebte die Höhen wie die Meisterschaft der 2. Liga-West im Jahre 1963 und die Tiefen wie die finanzielle Schieflage des Klubs im Jahre 1968. „Es war eine schöne Zeit, in der ich beim VfB mit vielen tollen Fußballern zusammenspielen durfte“, so Kubitza.

Vor dem Gewinn der Verbandsligameisterschaft hatte der Bottroper Verein für Bewegungsspiele eine aufregende Zeit hinter sich gebracht. 1963 konnten die Schwarz-Weißen nach vier auf der Zielgeraden gescheiterten Anläufen endlich die Meisterschaft in der 2. Liga West feiern. Statt in der neu gegründeten Bundesliga ging es wenige Wochen später jedoch in der zweitklassigen (ebenfalls neuen) Regionalliga weiter (die Vorjahresplatzierungen wurden bei der Besetzung der Bundesliga berücksichtigt, und da schnitt der VfB nicht gut genug ab).

Aus der Regionalliga stiegen die Bottroper 1964 als Tabellen-17. ab, doch der personelle Aderlass hielt sich in Grenzen. Als Aufstiegsfavorit ging es Ende Juli ins erste Testspiel gegen Eintracht Gelsenkirchen (5:4). Mitte Januar 1965 waren die Bottroper nach Spielen gegen Sterkrade-Nord, BV Altenessen, SSV Velbert, Bayer Uerdingen und Düsseldorf 99 voll auf Meisterschaftskurs: Elf Siege, vier Unentschieden und zwei Niederlagen standen zu diesem Zeitpunkt auf dem VfB-Konto.

Früher war doch nicht alles besser

Ein weiteres Ereignis zeigte jedoch, dass früher doch nicht alles besser war: Am 29. November machte der Schiedsrichter im Hinspiel gegen den Rheydter SV keine gute Figur. Wütende Zuschauer durchbrachen die Polizeikette und drangsalierten den Unparteiischen. Es soll Tritte, Schläge und Steinwürfe gegeben haben. Am Ende kam der VfB mit einem blauen Auge davon: 500 DM und die Verteilung von 300 Handzetteln „mit belehrenden Hinweisen“ waren die Strafe. Der Schiedsrichter blieb übrigens unverletzt.

Schon früh in der Saison 1964/65 war klar, dass Trainer Werner Stahl die Rückkehr in den Vertragsfußball anstrebte. Auch nach dem Abstieg blieb das Übungspensum unverändert. Vom Training in der Halle hielt der Oberhausener nichts. „Draußen auf dem mit Asche belegten Trainingsplatz zeigt die raue Wirklichkeit rücksichtslos alle Schwächen auf“, sagte er in einem Interview.

Doch nach dem Meistercoup der Bottroper blieb die Frage: Regionalligaaufstieg oder nicht? Finanziell wäre die Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse eine andere Welt gewesen. Sportlich auch, die Erinnerungen an den Abstieg aus der Vorsaison waren ja noch frisch. Doch der Vorstand und die Mitgliederversammlung stimmten für den Klassenwechsel. Ernst Wilczok, damals Oberbürgermeister und VfB-Vorsitzender: „Es wäre töricht, wenn man die Chance nicht am Schopfe packt! Wir müssen der Stadt im Fußball etwas bieten!“

Durch die Regionalligareduktion mit vier Absteigern sollte es den VfB 1966 erneut erwischen, 1967 wurden die Bottroper erneut Verbandsligameister, wagten das Abenteuer Vertragsfußball trotz angespannter finanzieller Lage ein weiteres und letztes Mal. 1968 markierten Abstieg und die finanzielle Pleite des VfB schließlich das Ende einer stolzen Ära im Bottroper Fußball.