VfB Bottrop startet das Projekt Selbstfindung

Neben altbekannten Gesichtern wurden beim ersten Training im Jahnstadion auch acht Neulinge gesichtet.
Neben altbekannten Gesichtern wurden beim ersten Training im Jahnstadion auch acht Neulinge gesichtet.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Landesliga-Absteiger nahm die Saisonvorbereitung auf. Vom sofortigen Wiederaufstieg träumt im Jahnstadion niemand.

Bottrop..  Für die Schwarz-Weißen, die in der abgelaufenen Saison als Tabellenzwölfter und ohne eine reelle Chance auf den Klassenerhalt aus der Landesliga abgestiegen sind, geht es nun in der Bezirksliga weiter.

Von den Akteuren, die man aus der vergangenen Saison noch im schwarz-weißen Dress sah, hat sich rund die Hälfte verabschiedet. Manche Abgänge waren schon im Vorfeld bekannt, andere kamen jedoch etwas überraschend und kurzfristig – auch für die Verantwortlichen des VfB Bottrop, die so noch zum kurzfristigen Handeln auf dem Transfermarkt gezwungen waren und es weiterhin sind. „Wir verzeichneten am Ende mehr Abgänge, als ursprünglich geplant. Entsprechend haben wir einige Löcher im Kader zu stopfen“, kommentiert VfB-Trainer Mevlüt Ata den personellen Aderlass.

Vor allem im offensiven Bereich, der schon in der vergangenen Spielzeit mit nur 30 Toren in 26 Meisterschaftsspielen die Schwachstelle des Klubs aus dem Jahnstadion darstellte, sahen die Schwarz-Weißen fortan einigen Handlungsbedarf. Mit Ibrahim Akkaya, Mohamed Bouterfas oder Ramadan Ibrahim verließen einige Offensivkünstler den Verein, das Sturmduo Sezer Akmisir und Göksal Yergök verabschiedete sich schon im Saisonverlauf. Und gestandene Spieler wie Daniel Späth oder auch Fabian Blanik werden künftig wohl kürzer treten.

Virtueller Anzeigenschaltung

Die Hauptaufgabe des VfB-Trainer war es in den vergangenen Tagen und Wochen, die Lücken im Kader zu schließen. „Wir hatten zwar offiziell fußballfreie Zeit, trotzdem war das Handy zuletzt mein stetiger Begleiter. Von Ruhe kann man da also nicht sprechen“, beschreibt Ata seine Kontaktbemühungen. Auch ergriffen die Bottroper in der vergangenen Woche eine ungewöhnliche Maßnahme, die zur Spaltung der Meinungen beitrug: Der VfB schaltete Anzeigen, unter anderem auch über das soziale Netzwerk Facebook. „Ist es schon so weit gekommen?“ fragte ein Nutzer misstrauisch.

Der Klub antwortete und ließ verlauten, man wolle das Internet als „innovative Möglichkeit nutzen, um positive Kontakte zu knüpfen.“ Doch die VfB-Verantwortlichen waren sich bewusst, dass eine virtuelle Anzeigenschaltung eines Bezirksligaklubs längst nicht alltäglich sei. Das Ergebnis: Über 19 000 Neugierige besuchten das Vereinsprofil binnen weniger Tage, zahlreiche Anfragen erreichten Ata und seinen Trainerstab. Eine Frage blieb jedoch, und darum geht es schließlich beim Fußball: „Können die denn was am Ball?“

Mit großer Spannung wurde so der Trainingsauftakt der Ata-Elf erwartet. Einige Zuschauer ließen es sich nicht nehmen, selbst ein Auge auf die gut zwei Dutzend Akteure zu werfen, die am Dienstagabend im Jahnstadion aktiv waren. Neben einigen altbekannten Gesichtern trieb es auch acht Neulinge zum Probetraining aufs Grün. Am Ende der fast zweistündigen Trainingseinheit zeigte sich Ata durchaus zufrieden: „Ein paar der Jungs haben mir sehr gefallen. Mit dreien sind wir uns schon weitestgehend einig. Und man muss betonen: Sie können wirklich richtig gut kicken und werden eine Verstärkung für unser Team darstellen.“ Die Schwarz-Weißen könnten mit ihrer ungewöhnlichen Sichtungsmaßnahme also Recht behalten.

Bislang präsentierte der VfB lediglich Samuel Kahnert und Jan-Hendrik Kania (beide vom SV Rhenania Bottrop) als Neuzugänge. Die Liste könnte so schon bald um ein paar Namen erweitert werden. Doch herrscht nach wie vor Ungewissheit in Sachen Zielsetzung. Vom sofortigen Wiederaufstieg träumt an der Parkstraße derzeit niemand, wenngleich sich im aktuellen Kader noch immer qualitativ hochwertige Spieler wie Kevin Wagener oder Marco Rinski wiederfinden. „So vermessen sind wir nicht, vor allem bei der hohen Qualität der gegnerischen Teams“, gibt Ata unumwunden zu. Vielmehr will sich der Verein in der nahen Zukunft selbst neu erfinden, ein frischer Wind soll durch das Stadion wehen. „Wir wollen wieder attraktiven Fußball spielen und den Spaßfaktor zurückholen.“