Unscheinbare Lebensretter in den Bottroper Hallen

Kein Sport ohne Defibrillator: Die Herzsportgruppen des VC 90 werden bei ihren Einheiten auch stets von einem Arzt überwacht.
Kein Sport ohne Defibrillator: Die Herzsportgruppen des VC 90 werden bei ihren Einheiten auch stets von einem Arzt überwacht.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Einen Defibrillator gibt es in drei Bottroper Sporthallen. Übungsleiterausbildung und Überprüfung der Sportgeräte sollen weitere Gefahren verhindern.

Bottrop.. Gebraucht haben sie ihn noch nicht, und sie sind froh darüber. Der Defibrillator hängt weiter unbenutzt im Foyer der Dieter-Renz-Halle. Ein unscheinbarer kleiner Koffer. Doch wer weiß, wann das Gerät sich vielleicht doch beweisen muss. Der plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland außerhalb der Kliniken – und Sportler sind gefährdet. Doch welche weiteren Sicherheitsmaßnahmen gibt es noch in Bottroper Sporthallen?

Defibrillator

Ein bisschen Gymnastik, leichte Laufübungen, ein wenig Ballsport – bei den Herzsportgruppen des VC 90 geht es gemächlich zu. Muss es auch, denn die Teilnehmer haben in der Vergangenheit einiges wegstecken müssen: Herzinfarkt, Klappenfehler, das Einsetzen von Gefäßstützen – Ereignisse, die das Leben vollkommen verändert haben. Jetzt bauen sie langsam ihre Kraftreserven wieder auf. Ein Arzt ist stets dabei, das Wissen um den Defibrillator im Foyer auch. Dabei handelt es sich um ein kompaktes Gerät, das durch gezielte Stromstöße Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern und Kammerflattern beenden kann. „Ohne Defibrillator dürften wir gar keinen Herzsport anbieten“, sagt Carola Rudawski vom VC 90.

Auch Adler 07 bietet Herzsportkurse in der Dieter-Renz-Halle an, doch sind die kompakten Geräte nicht nur für die dort sporttreibende Risikogruppe angebracht worden. Sie gelten als potenzielle Lebensretter für alle Sportler. Es gibt sie auch in der Kirchellener Sporthalle an der Loewenfeldstraße und neuerdings dank Spendengeldern auch in der Berufsschulhalle. Mehrere Bottroper Tennisvereine wie der TC Blau-Gelb Eigen sind ebenfalls selbst tätig geworden und haben sich das Gerät zugelegt, nachdem es 2013 einen Todesfall während der Stadtmeisterschaft gab.

Die Benutzung ist selbsterklärend – im wahrsten Sinne des Wortes. „Das Gerät ist nämlich sprachgesteuert, sobald man es öffnet, spricht es mit dem Helfenden und leitet Schritt für Schritt durch die Hilfsmaßnahme“, erklärt Gerhard Schmidt vom Sport- und Bäderbetrieb. Das Gerät stellt nicht nur fest, ob und wie oft ein Elektroschock notwendig ist, sondern auch, ob die Person überhaupt geschockt werden darf. Bei jüngeren Kindern wird es die „Verweigerung“ entsprechend vermelden. Allerdings ist der Einsatz des Defibrillators der zweite Schritt – der erste sind die beiden klassischen und sich abwechselnden Wiederbelebungsmaßnahmen Herzdruckmassage (30 Mal) und Beatmung (zweimal). Ein Defibrillator wird alle zwei Jahre gewartet.

Übungsleiterausbildung

Dreimal jährlich bietet der Bottroper Sportbund eine Ausbildung zum Übungsleiter an, achtmal jährlich gibt es Fortbildungen. Themen dabei: Rechtsfragen und Sicherheit. Ein Erste-Hilfe-Schein (unter anderem beim DRK, Malteser, DLRG zu absolvieren) ist ohnehin Voraussetzung für die niedrigste Übungsleiterstufe, den C-Schein. Aber auch Sicherheitsfragen im Umgang mit den verschiedenen Sportgeräten, wichtige Punkte im Jugendschutzgesetz und zum Thema Aufsichtspflicht werden beleuchtet. Allerdings ist ein Übungsleiterschein nicht verpflichtend. „Viele Vereine setzen ihn inzwischen voraus“, sagt Sportbundmitarbeiterin Stefanie Hollensen – „aber eben nicht alle.“

Sicherheitsüberprüfung

Vier Bottroper Sporthallen unterstehen dem Sport- und Bäderbetrieb (Dieter-Renz-Halle, Loewenfeldstraße, Paßstraße, Rheinbabenstraße). Die beiden erstgenannten sind auch die, in denen noch ein hauptamtlicher Hausmeister vor Ort ist. Die restlichen Hallen stehen unter Aufsicht des städtischen Fachbereichs Immobilienwirtschaft. Gemein haben sie alle aber die jährliche Sicherheitsprüfung, bei der Sportgeräte und Fluchtwege gesichtet werden. „Mängel werden sofort behoben und defekte Geräte schnellstmöglich ersetzt“, sagt Gabriele Olschar vom Fachbereich Immobilienwirtschaft.

Ein Erste-Hilfe-Kasten gehört übrigens auch zur Grundausstattung der Hallen. Die meisten Vereine haben sich aber selbst mit Kühlpacks und Eisspray versorgt und verwahren ihre Erste-Hilfe-Kits in ihrem jeweiligen Hallenschrank.