Ungeschlagen steigen die Bottroper Rhenanen auf

Mit 96 erzielten Toren schlossen die Blau-Weißen die Saison ab. Als Niederrheinligist ist Rhenania künftig Bottrops höchstspielendes Jugendteam.
Mit 96 erzielten Toren schlossen die Blau-Weißen die Saison ab. Als Niederrheinligist ist Rhenania künftig Bottrops höchstspielendes Jugendteam.
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Was wir bereits wissen
Die A-Junioren des SV Rhenania steigen in die Niederrheinliga auf. Niederlagen? Fehlanzeige. Ein Gespräch mit Trainer Klaus Scholze.

Bottrop..  Ungeschlagener Meister der Leistungsklasse! Stadtmeister! WAZ-Pokalsieger! Dann kam nach drei Siegen in der Relegation der Aufstieg in der Niederrheinliga hinzu. Für die A-Jugend des SV Rhenania konnte die Saison kaum besser laufen. Auch nicht für Klaus Scholze, der sein erstes Jahr als Coach der U19 im Blankenfeld erlebt hat.

Herr Scholze, lief es gleich von Beginn an rund zwischen der Mannschaft und Ihnen?
Scholze: Natürlich mussten wir uns aneinander gewöhnen. Die Spieler schauen zunächst, wie weit sie gehen können, aber auch jeder Trainer hat seine eigenen Vorstellungen, wie es laufen soll. Wir sind in der Meisterschaft zwar gleich mit einem Sieg gestartet, doch schon im zweiten Spiel haben wir nur unentschieden gespielt. 3:3 nach einer 3:1-Führung. Da hat es schon geknirscht. Wir haben uns zusammengesetzt, ich habe auch Einzelgespräche mit Spielern geführt. Im Nachhinein muss ich sagen: Das hat uns stärker gemacht.

Das kann man wohl sagen. Was war in erster Linie ausschlaggebend für diese Erfolgssaison?
So eine Serie, wie wir sie hingelegt haben, ist schon der Wahnsinn. Wir hatten fünf bis sechs sehr gute Spieler in unseren Reihen, aber ausschlaggebend war, dass wir als Team zusammengearbeitet haben. Und wir haben harte Arbeit geleistet. Das schließt das Team, den Trainer, aber auch den Verein mit ein. Als Einzelkämpfer kann man nicht bestehen. In der Relegation hat sich gezeigt, dass es nicht reicht, nur eine gute Mannschaft zu haben. Aus der B-Jugend, die ebenfalls eine sehr gute Saison in ihrer Leistungsklasse gespielt hat, kamen vier bis fünf starke Spieler hoch. Ich wusste schon vor den Qualifikationsspielen, dass wir ein gutes Team haben, aber man kann die Gegner nur bedingt einschätzen. Dass es dann so gut läuft, habe ich nicht erwartet. Trotzdem war es wichtig, dass die Jungs bis zum Schluss auf dem Boden geblieben sind. Sie sind nach dem letzten Spiel in Kleve sogar zu mir gekommen: „Trainer, es war gut, dass du uns gewarnt hast, wir haben gesehen, wie eng dieses Spiel war.“

Gerade haben die Sommerferien begonnen. Gibt es auch für einen Jugendtrainer Erholungszeit?
Drei Wochen habe ich jetzt Urlaub, in der nächsten Woche verreisen wir. Ich gebe zu, für die Familie bleibt in der Saison nur wenig Zeit. Es macht viel Spaß mit den Jungs, aber jetzt muss ich den Kopf wieder frei kriegen, um am 18. Juli zum Beginn der Vorbereitung wieder mit Spaß auf dem Platz zu stehen.

Wie schwierig wird es werden, in der neuen Liga zu bestehen?
Wir werden keine Spiele mehr haben, die man mit einer 80-prozentigen Leistung gewinnen kann. Die Partien werden enger, es kann Niederlagen in Serie geben. Und dann zeigt sich der Charakter der Mannschaft. „Das machen wir mal eben so!“ – diese Einstellung funktioniert nicht. Jetzt kommt erst das Paradestück. Wir müssen wieder mit viel harter Arbeit die Grundlagen legen. Das Ziel ist, sich wieder für die Relegationsrunde zu qualifizieren. Wichtig ist, die Balance in der Mannschaft zu halten, denn der Kader ist groß. Ich muss quasi in jeder Woche sieben Jungs sagen: „Du kannst gerne mitfahren, aber du spielst nicht. Es reicht nicht. Noch nicht. Bleib dran, deine Chance wird kommen, wenn du weiterhin alles investierst.“ Aber das muss ernst gemeint und keine Parole sein.

Wie sieht die Kaderplanung aus?
Alle haben zugesagt, aber da warte ich den 1. Juli ab. Ich bin Realist. Unser Torjäger ist bei einem Testspiel gegen Bayer Uerdingen aufgefallen. Marco Matuszzak hat dort einen Praktikumsvertrag für ein Jahr bekommen. Ich sage dann: „Junge, mach deinen Weg.“ Meine Einstellung als Trainer war immer: Ich muss mit dem klar kommen, was ich zur Verfügung habe.

Aber ist es nicht ärgerlich, A-Jugendspieler wie Samuel Kahnert oder Kevin Dämmer zu anderen Vereinen abwandern zu sehen?
Zu dem Warum und Weshalb ihrer Entscheidung kann ich nichts sagen. Aber der Verein ist gefordert, dem Nachwuchs eine Perspektive bei den Senioren zu bieten. Wenn die Erste nur Kreisliga A spielt, wird man starke Spieler nicht halten können. Den Jugendlichen muss man ein Konzept vorstellen. Es muss früh mit ihnen gesprochen werden, am besten schon im Winter. Sie müssen wissen: Ja, da ist ein Trainer, der auf die Jugend setzt.