Spitzenleichtathleten kommen ins Bottroper Jahnstadion

Athletenmanager Marc Osenberg und die Ausrichter des LC Adler um die Vorsitzende Ingrid Henning haben noch einiges zu planen, bevor am Sonntag der erste Startschuss fällt.
Athletenmanager Marc Osenberg und die Ausrichter des LC Adler um die Vorsitzende Ingrid Henning haben noch einiges zu planen, bevor am Sonntag der erste Startschuss fällt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Durch die geschickte Terminwahl können am Sonntag deutsche und internationale Spitzenathleten im Jahnstadion begrüßt werden. Das große Interview.

Bottrop.. Er ist ein viel beschäftigter Mann. Auf den Weg ins Jahnstadion klingelt das Telefon von Marc Osenberg regelmäßig. Die Sportler am anderen Ende der Leitung wollen am Sonntag bei der NRW-Gala in Bottrop starten. Athletenmanager Osenberg muss viele von ihnen vertrösten, die Meldeliste für die Kombination aus NRW-Meisterschaft und internationalem Meeting ist voll. Mit der WAZ sprach Osenberg über den Wettkampf, die schwierigen Planungen und den „Dominoeffekt“.

Herr Osenberg, Sie haben Wort gehalten. Bei der Premiere der neuen NRW-Gala wollten Sie im vergangenen Jahr nichts überstürzen, es gab drei Disziplinen mit internationalen Spitzenathleten. Langsam steigern, lautete Ihre Devise. Nun sind es am Sonntag im zweiten Jahr schon fünf „Gala“-Disziplinen.
Eigentlich sind wir ja schon bei acht bis zehn. Fünf haben wir im Vorfeld selbst aktiv mit deutschen und internationalen Spitzenkräften besetzt, das wären bei den Frauen Dreisprung, Speerwurf und Weitsprung und bei den Männern die 1500 Meter und Weitsprung. Nun haben sich in anderen Disziplinen aber auch Spitzenleute angekündigt und mit ihnen gab es wiederum weitere Interessenten. Der Dominoeffekt, auf den wir gehofft hatten, ist eingetreten. Den haben wir mit der bewussten Terminwahl am 21. Juni ja auch zu steuern versucht.

An diesem Wochenende findet auch die Team-EM im russischen Tscheboxari statt. Warum wollten Sie gerade diesen Termin?
Weil bei der Team-EM in jeder Disziplin nur ein Starter aus jeder Nation dabei ist. Das heißt, dass zahlreiche Hochkaräter an diesem Wochenende unfreiwillig frei haben und einen Wettkampf suchen. In Russland gibt es sechs gute Stabhochspringerin. Was machen die anderen fünf? Gleiches gilt für die deutsche Spitze in den anderen Disziplinen. Hinzu kommt, dass sich viele Vereine einfach nicht trauen, dieses Wochenende wegen der Team-EM mit Wettkämpfen zu besetzen. Wir sind für viele Hochkaräter also eine willkommene Alternative. Und deshalb trudeln auf einmal Meldungen wie die von Stabhochspringer Tobias Scherbarth ein. Er ist der amtierende deutsche Freiluft- und Hallenmeister. Über die 110 Meter Hürden hat sich Matthias Bühler angesagt. Ein Deutsche Meister, der von selbst zu uns kam und dessen Verein ganz normal die Meldegebühr zahlt. In vier Disziplinen haben wir die derzeit besten Deutschen dabei.

Der Termin war also ein Schlüssel.
Ja. bei der Premiere im vergangenen Jahr waren wir zufrieden. Die NRW-Meisterschaft war ein gutes Fundament, die Eingliederung der internationalen Spitzenleute hat reibungslos funktioniert. Blieb nur der Termin als Baustelle. Das haben wir gut gelöst, auch wenn die Vorplanungen dadurch schwieriger geworden sind.

Warum?
Eben wegen der Team-EM. Logisch, da wollen alle Athleten mitmachen und schauen sich erst nach Alternativen um, wenn es mit der Berufung nicht klappt. Entsprechend zäh liefen die jüngsten Wochen. Ich musste einfach die Ruhe bewahren, bis die EM-Starterliste endlich veröffentlicht wurde. Und dann klingelte mein Telefon ununterbrochen (lacht).

Das Teilnehmerfeld ist beeindruckend. Da werden wohl wie im vergangenen Jahr wieder Stadionrekorde gebrochen.
Ganz bestimmt. Im Weitsprung haben wir Fabian Heinle dabei, der ist dieses Jahr schon 8,25 Meter gesprungen und für die WM qualifiziert. Linda Stahl ist als Deutsche Meisterin erneut im Speerwurf dabei, sie warf den Stadionrekord im vergangenen Jahr. Hinzu kommt Leverkusens Katharina Molitor und die junge Tschechin Nikol Ogrodnikova. Mit Lena Malkus ist Deutschland beste Weitspringerin mit einer Bestweite von 6,94 Metern dabei. Vorgestern rief dann auch noch die frühere Sprint-Europameisterin Verena Sailer an und fragte, ob sie über die 100 Meter starten könne.

Was haben Sie Sprinterin Verena Sailer denn gesagt, als sie nach dem Start in Bottrop gefragt hat?
Was soll ich ihr sagen? Dass die Meldefrist vorbei ist und das Teilnehmerfeld voll ist? Natürlich nicht, da mussten wir zuschlagen und plötzlich gibt es einen weiteren Höhepunkt in Bottrop. Über die 1500 Meter der Männer startet ein internationales Feld mit Athleten aus Neuseeland, Äthiopien und Polen. Da wird die Marke von 3:36 Minuten anvisiert. Über die 5000 Meter haben drei Starter mit Zeiten unter 13:25 Minuten gemeldet. Da wird der Stadionrekord von 13:21 wackeln, die Jungs wollen die WM-Norm knacken. Da wissen die Sportler auch, dass dafür in Bottrop beste Voraussetzungen geboten werden.

„Bottrop“ zieht also?
Ja, die Voraussetzungen sind gut. Es gibt eine neue und moderne Stabhochsprunganlage und gerade werden die Laufbahnen von einer Spezialfirma ausgebessert. Viele Spitzensportler kennen Bottrop ohnehin noch aus alten Gala-Zeiten. Eigenlob stinkt bekanntlich, aber natürlich ist es mein Job, durch meine Beziehungen Athleten zu holen und ihnen ein gutes Umfeld zu garantieren.

Den Bottroper Leichtathletikfans steht also ein spannender Sonntag bevor.
Ja, ich bin sehr beruhigt, die NRW-Gala hat im zweiten Jahr einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Das ist alles andere als selbstverständlich in einer Zeit, in der es vielen Leichtathletik-Meetings eher schlechter geht. Es geht in Bottrop aber Stück für Stück weiter und ich denke, dass wir hier eine echte Zukunft mit dieser Veranstaltung haben. Wir sind ein sich rasant entwickelndes Pferd und kein sterbendes.