Spielertrainer – eine seltene Spezies in Bottrop

Matthias Kuchenbecker vomn der Bottroper Badminton-Gemeinschaft.
Matthias Kuchenbecker vomn der Bottroper Badminton-Gemeinschaft.
Foto: BBG
Was wir bereits wissen
Spielertrainer meistern eine Gratwanderung und stemmen eine doppelte Belastung. Vier Spielertrainer aus Bottrop berichten.

Bottrop.. Sie sind eine recht seltene Spezies, doch gehören sie zum Sport einfach dazu. Spielertrainer meistern eine Gratwanderung – sie stehen auf dem Spielfeld und müssen gleichzeitig die Gesamtübersicht wahren, die Taktik bestimmen und Spieler auswechseln. Eine doppelte Belastung. Vier Spielertrainer aus Bottrop berichten.

Der Basketballer

„Es ist anstrengend. Da gibt es nichts zu beschönigen (lacht). Aber bei Adler 07 arbeiten wir seit Jahren mit Spielertrainern. In der Regionalliga mit Sebastian Kehl, in der Oberliga mit Sebastian Kuhlmann und für die derzeit laufende Landesligasaison haben die Jungs mich überredet. Ich merke aber immer wieder: Das eigene Spiel leidet unter der Doppelbelastung, das war bei meinen Vorgängern nicht anders. Es ist einfach ein Unterschied, wenn man als Spieler zum Training und zum Spiel kommt und sich dann voll auf die eigene Leistung konzentrieren kann. Als Spielertrainer gibt es so viel mehr zu bedenken. Ich mache als Spieler plötzlich Fehler, die mir früher nicht passiert sind. Eben weil man versucht, das Gesamtgeschehen im Blick zu haben.

Aber ich freue mich, wenn Verbesserungen sichtbar werden. Dass wir als Mannschaft wieder schneller spielen, hatte ich mir vorgenommen und das klappt ganz gut. Bedenken hatte ich zunächst nur wegen der Auswechslungen, aber das klappt überraschend gut, die Jungs ziehen mit und hängen sich auch weiter rein, wenn sie mal nicht so viel gespielt haben. Kürzlich habe ich meine Ausbildung bei der Polizei in Köln begonnen, deshalb ist es bei mir zeitlich jetzt noch enger. Doch diese Saison bringen wir noch gemeinsam zu Ende.“
Philip Seifarth
DJK Adler 07
Landesliga

Der Fußballer

„Seitdem ich Trainer bin, war ich gleichzeitig auch immer noch Spieler. Drei Jahre lang bei Dostlukspor und nun seit dem Sommer beim VfR Ebel. Ich bin jetzt 35 Jahre alt, als Spieler kann ich der Mannschaft immer noch helfen. Aber keine Frage: Als Trainer sieht man mehr, wenn man an der Seitenlinie steht. Deshalb wollen manche Vereine auch gar keinen Spielertrainer. Doch ich habe meinen Co- und meinen Vater als Torwarttrainer, die mich unterstützen und den Überblick bewahren. Eigentlich will ich ja als Spieler nach und nach kürzer treten, aber dann muss ich doch immer wieder einspringen, wenn Spieler verletzt sind.

Die Jungs in der Mannschaft akzeptieren einen Spielertrainer, das ist wichtig. Einen Freifahrtschein habe ich deshalb nicht, als Spieler muss ich mich genauso reinhängen wie alle anderen auch. Als Spielertrainer bin ich Vorbild, das ist ganz klar. Sicher ist aber auch: Ich werde den Zeitpunkt nicht verpassen, aufzuhören. Wenn die jungen Bengel mir wegrennen, weiß ich, dass die Zeit gekommen ist. Dann werde ich nur noch Trainer sein.“
Sebastian Stempel
VfR Ebel
Kreisliga A

Der Volleyballer

„Zwei Positionen, zwei Perspektiven, eine Person. Spielertrainer zu sein ist alles andere als einfach. Als Spieler nehme ich mich deshalb stark zurück, seitdem ich auch Trainer bin. Ein kurzer Einsatz im ersten Spiel – mehr ist seitdem nicht mehr für mich rausgesprungen. Es ist ja auch schwierig, sich als Trainer warmzuhalten und dann spielbereit auf dem Feld zu stehen.

Ich bin kein ausgebildeter Trainer, aber das ist ohnehin selten. Gerade in den unteren Klassen ist es schwierig, einen Trainer zu finden. Er muss das Team ja kennen und einschätzen können, das dauert eben. Ganz ehrlich: Ich will auch nie ein großer Coach werden, aber das Team braucht eben jemanden, der sich um das Training kümmert. Und einer muss am Ende des Tages bestimmen, wer auf dem Feld steht. Wenn da groß diskutiert werden würde, würden wir gar nicht zum Spielen kommen. Klar, ab und an werde ich dabei jemandem auf den Schlips treten, aber das ist im Leben ja immer so. Ich versuche deshalb schon, alle Spieler zu bringen, wenn es gut läuft. Aber wir wollen auch immer gewinnen!“
Daniel Lemanski
VC 90
Verbandsliga

Der Badmintonspieler

„Spielertrainer zu sein ist eine besondere Aufgabe. Nicht nur Spieler sein, sondern auch das ganze Drumherum zu organisieren, liegt nicht jedem. Trainingsinhalte zusammenstellen, das Team managen – von allen Bereichen fließt etwas in diese Rolle hinein. Zudem muss die eigene Leistung auf dem Feld stimmen. Aber ich habe Spaß daran. Spielertrainer zu sein liegt mir. Gerade jetzt, wo es nach dem Abstieg aus der Regionalliga wieder richtig gut läuft bei uns. Entsprechend entspannt geht es gerade zu, aber vergangene Saison war das noch ganz anders, wir wollten die Regionalliga ja unbedingt halten. Gerade im Managementbereich war es da stressig, wir mussten ja zweigleisig planen.

Eins kann ich mir als Spieletrainer allerdings nicht erlauben: einfach mal zu fehlen. Ich bin immer in der Halle, zumindest als Trainer und Ansprechpartner für das Team. Die Mitspieler müssen einen Spielertrainer natürlich akzeptieren – nur so kann das ganze Gebilde funktionieren. Dass die eigene Leistung manchmal unter dem Doppeldruck leidet, muss ich akzeptieren, aber da zehre ich noch vom hohen Trainingspensum der vergangenen Jahre. Wenn ich gesund und fit bleibe, möchte ich gerne noch ein paar Jahre Spielertrainer bleiben.“
Matthias Kuchenbecker
Bottroper BG
Oberliga