Spiel- und Startgemeinschaften in Bottrop

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Was wir bereits wissen
Spiel- und Startgemeinschaften werden meist in Zeiten der Not gebildet. Die lockeren Zusammenschlüsse sind häufig aber zeitlich begrenzt.

Bottrop.. „Gemeinschaft sucht, wer Einsamkeit nicht vertragen kann“, sagte einst der französische Philosoph Blaise Pascal (1623 - 1662). Diese Ansicht haben auch zahlreiche Bottroper Sportvereine in den vergangenen Jahrzehnten geteilt, und so schlossen sie sich zu Spiel- oder Startgemeinschaften zusammen. Derzeit sind die „SGs“ allerdings rar gesät.

Als Start- oder Spielgemeinschaft wird das gemeinsame Auflaufen der Sportler mehrerer Vereine in einem Team verstanden. So können Mannschaften über Klubgrenzen hinweg gebildet werden, ohne dass ein Vereinswechsel erforderlich ist. Manchmal werden sie freiwillig gegründet und Kräfte gebündelt. Meist sind sie aber der letzte Ausweg, um sportlich zu überleben. „Fusionen, also permanente Vereinszusammenschlüsse, sind in Bottrop häufiger erfolgt als die Bildung von Startgemeinschaften“, sagt der Sportbundvorsitzende Dr. Peter Scheidgen. „Meist werden die Gemeinschaften eher genutzt, um eine gewisse Zeitspanne zu überbrücken.“ Kein Wunder, sind Startgemeinschaften doch weitaus lockerer als beispielsweise eine Fusion. Sie sind unkomplizierter und können auch von einzelnen Abteilungen ins Leben gerufen werden, ohne dem Hauptverein großes Kopfzerbrechen zu bereiten. Spielgemeinschaften sind ein erstes vorsichtiges Zusammenziehen – aber keine Hochzeit.

Beispiele aus der Sportgeschichte

Langfristige Beziehungen wie die des Unterwasserrugby-Bundesligisten DUC Bottrop/TSG Kirchhellen sind tatsächlich selten. Spielgemeinschaften sind meist eher Zweckgemeinschaften als verschworene Einheiten. Das zeigen die Zusammenschlüsse der Bottroper Sportgeschichte. Die der Schwimmvereine SVg 1924 und SV 1911 aus dem Jahre 1976 zur SSG Bottrop 1911/24 zum Beispiel. Immerhin hielt sie bis 1999. Personalnot führte auch 2010 zum Zusammenschluss der Handballfrauen des SC Bottrop mit denen des TB Oberhausen. Nach zwei Spielzeiten war Schluss. Auch die SG Adler hat sich überlebt. Sie war nach der Absplitterung des LC Adler von der DJK Adler 07 vor einem Jahr nur nötig, bis auch die älteren 07-Leichtathleten zum LC wechseln konnten. Manchmal kann es aber auch ganz schnell gehen: Die Jugend des Judoclubs 66 und Banzai Gelsenkirchen tat sich vor ein paar Wochen für ein einziges Turnier zusammen. „Uns fehlten ein paar Gewichtsklassen und wir wollten das Turnier nicht absagen“, sagte JC 66-Vizepräsident Detlef Kaziur. Die einstige Liaison zwischen den Fußball-Altherren des VfB Bottrop/Vorwärts 08 hielt auch nicht wirklich lange. Ein Blick auf die aktuellen Spiel-/Startgemeinschaften in Bottrop.

DUC Bottrop / TSG Kirchhellen

Sportart: Unterwasserrugby
Zusammen seit: 1996
Seit 1976 wird in Kirchhellen Bundesliga-Unterwasserrugby gespielt, seit 1981 geht es beim Deutschen Unterwasser-Club in Bottrop erstmals mit dem Spezialball Richtung Beckengrund. 1996 standen beide Abteilungen jedoch kurz vor dem Aus – Schuld waren Spielerwechsel und das Alter, das einige Leistungsträger aus dem Becken zwang. Mit einem eigenen Turnier wurde die Vereinigung damals gefeiert. „Anfangs waren wir eine Zweckgemeinschaft zweier Lokalrivalen, aber daraus wurde schnell eine Einheit“, sagt der DUC-Vorsitzende Martin Kobler. Von der untersten Liga gelang 2001 der Aufstieg in die 1. Bundesliga. 2005 wurde die SG in Essen Deutscher Meister. Noch immer spielen die Bottroper Jahr für Jahr um die Teilnahme am Endrundenturnier. Bei der Spielgemeinschaft heißt es deshalb: Ende offen.

Adler07 / PSV Bottrop

Sportart: Judo
Zusammen seit: 2014
Beim Training sind sie alle gleich. Egal, ob sie den roten Adler oder das grüne Wappen des PSV auf dem Judoanzug tragen. Die Jugendabteilungen der DJK Adler 07 und des PSV Bottrop bilden seit knapp einem Jahr eine Startgemeinschaft. „Von der Kooperation profitieren die Kinder beider Vereine. Die Trainingsgruppe ist größer, die Kinder haben verschiedene Sparringspartner. Das motiviert und verbessert“, sagt Michael Thesing, Trainer des PSV. Einen guten Draht hatten die beiden Judoabteilungen ohnehin zueinander, und als die Adlern Anfang 2014 für einen Wettkampf einige Gewichtsklassen nicht besetzen konnten, half der PSV aus. Die Idee zur Startgemeinschaft war geboren.

SG 1911 / Vonderort

Sportart: Fußball
Zusammen seit: 2010
Auf den Altherrenturnieren der Region ist die Spielgemeinschaft des SV 1911 und des SV Vonderort seit Jahren Gast. Beim alljährlichen Miko-Pokal kann sie oft zwei Teams stellen (Ü35 und Ü50). „Wir Vonderorter und die 1911er hätten den Spielbetrieb nicht alleine aufrecht erhalten können. Also schlossen wir uns zusammen“, erinnert sich Vonderorts Alexander Schilling. Vier Weihnachtsfeiern gab es seitdem auch schon.

SG Rhenania / BSV 69

Sportart: Fußball
Zusammen seit: 2014
Der Zusammenschluss des SV Rhenania und des einstigen Hobbyligateams BSV 69 ist knapp ein halbes Jahr alt. Die Geschichte ist ähnlich wie bei anderen Zweckehen auch: Beide Teams hatten Personalnot, kannten sich, halfen einander aus und fanden schließlich längerfristig zusammen. „Bisher klappt es gut. Aber bis wir haben noch einen langen Weg vor uns mit der Altherrenabteilung“, sagt der Rhenania-Altherrenvorsitzende Waldemar Wollny. Längst gibt es in der Umgebung nicht mehr so viele potenzielle Gegner wie früher.