Rück- und Ausblick auf die Bottroper Stadtmeisterschaft

Klaus Bürger, der Vorsitzende der Sparte Tennis im Bottroper Sportbund.
Klaus Bürger, der Vorsitzende der Sparte Tennis im Bottroper Sportbund.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Jahr 2014 war ein spannendes für den Bottroper Tennissport. Mit dem Spartenvorsitzenden Klaus Bürger blickt die WAZ zurück auf die Stadtmeisterschaft und andere Geschehnisse.

Bottrop..  Es war ein spannendes Jahr 2014 für den Tennissport in Bottrop. Die Stadtmeisterschaften erlebten ihre 60. Auflage und mit Frank Zwickl jr. gab es nach drei Jahren die Wachablösung von Christian Schmitke an der Spitze des Herrenfeldes. Rückblicke und Aussichten mit Klaus Bürger, dem Vorsitzenden der Sparte Tennis im Sportbund.

Herr Bürger, kurz vor Beginn der Stadtmeisterschaft im vergangenen August waren Sie ziemlich geknickt: Erstmals gab es bei der Stadtmeisterschaft kein Damen-A-Feld, es gab einfach nicht genug Meldungen. Sitzt die Enttäuschung immer noch tief?
Bürger: Es stimmt, vor ein paar Monaten war ich enttäuscht. Im Nachhinein hat sich dann aber aufgeklärt, warum es das Elitefeld der Frauen nicht gab. Zwei spielstarke Frauen waren krank, zwei im Mutterschutz. Das macht schon etwas aus in einem Feld, das eh überschaubar ist. Wir haben ja gerade einmal zwölf Frauen, die in der geforderten Leistungsstärke aufschlagen können. Hinzu kamen junge Talente, die wegen Schule und Ausbildung nicht mitmachen konnten.

Im kommenden Jahr sieht es also besser aus im Frauen-A-Feld?
Das hoffe ich, ein paar spielstarke Jugendliche sollen ihre Chance in der Frauen-A-Konkurrenz bekommen. Bisher mussten die Jugendlichen vorrangig in ihrer eigenen Altersklasse spielen und konnten zusätzlich bei den Damen aufschlagen. Das gilt grob noch immer, doch wenn die Mädels mindestens Leistungsklasse neun haben, dürfen sie direkt bei den Frauen aufschlagen. Damit haben wir 2015 das Problem gelöst, den spielstarken Jugendlichen nicht weiter eine Art Zwangsjacke mit den Jugendklassen anzulegen.

Damit haben wir einen Kritikpunkt der Stadtmeisterschaft 2014 abgehakt. Ein weiterer war der unflexible Spielplan.
Ja, die Setzung der Spiele war zu unflexibel, im Vorfeld standen die Partien größtenteils ja schon fest. Mal sehen, wie wir das in diesem Jahr lösen. Generell ist es immer schwierig, ein dreiwöchiges Turnier zu planen, mit dem alle Schüler und Berufstätigen zurecht kommen. Turnierleistung, das bedeutet drei Wochen Stress, das darf man nicht unterschätzen. Insofern war das Turnier beim VfL Grafenwald am Ende auch eine runde Sache, alle Finalspiele gingen pünktlich über die Bühne. Auch wenn wir mit knapp 600 Meldungen 60 weniger als im Vorjahr hatten.

In diesem Jahr wir der TC Stadtwald den Titelkampf ausrichten. Welche Änderungen wird es 2015 noch geben?
Am 15. August beginnt die diesjährige Meisterschaft mit den Jugendlichen. Größere Änderungen haben wir aber im Herrenbereich eine Woche später vorgenommen. In der B-Konkurrenz haben wir die Leistungsklassen auf 18 bis 23 beschränkt, damit soll das Herren-A-Feld vergrößert werden. Das Problem ist ja auch, dass die Steigerung der Leistungsklasse erst im Folgejahr offiziell wird, bisher hatten wir im B-Feld also Spieler, die eigentlich schon zu gut waren und im A-Feld hätten mitmischen können. Auch die Regel, dass ein ehemaliger B-Meister nie mehr im B-Feld antreten darf, haben wir abgeschafft. Das war durch die Leistungklassenpunkte einfach nicht mehr zeitgemäß und führte ohnehin zu Irritationen, wenn ein B-Meister aus den 2000er-Jahren im A-Feld spielen musste, obwohl er diese Zeiten längst abgehakt hatte. Mit dem Mixed in der Altersklasse 60 kommt eine neue Konkurrenz hinzu, bisher gab es das Gemischte Doppel nur in den Altersklassen 40 und 50.

Das größte Problem des weißen Sports: Der demografische Wandel, die treuen Tennisspieler werden immer älter, der Nachwuchs kommt nur spärlich nach...
Deshalb haben wir reagiert und die durch den Oldie-Cup von Blau-Weiß geborene Idee der höheren Mixed-Klassen eingebaut. Man sieht es ja auch im Ligabetrieb: Der TC Blau-Geld hat nun ein Herren-65-Team. Das hat es seit Jahren nicht mehr gegeben. Das Feld der Herren 70 ist inzwischen bei der Stadtmeisterschaft etabliert und wird wohl noch weiter wachsen.

Dennoch fordert der demografische Wandel Opfer. Einige Clubs haben die Zahl ihrer Tennisplätze verringert, der Verein FA 79 hat nur noch knapp 50 Mitglieder und mit dem TC Vonderort hat Bottrop jüngst einen kompletten Verein verloren.
Die Verschiebungen in den jüngsten Jahrzehnten sind wahrlich irre. Die Mitgliederzahlen in der Sparte Tennis sind in den vergangenen Jahren mit 2500 Spielern zwar stabil, aber ob es die Boom-Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf noch einmal geben wird, glaube ich nicht. Ich weiß noch, dass die Mitgliederzahlen in Bottrop doppelt so hoch waren, als ich vor mehr als zehn Jahren als Spartenvorsitzender anfing. Und es bleibt spannend: Durch den Offenen Ganztag werden die Spiele auf Bezirksebene nun auch am Wochenende stattfinden. Mitunter wird das problematisch, weil ja auch die Erwachsenen dann aufschlagen.

Wären die auch im Fußallbereich so oft geforderten Fusionen eine Lösung?
Wenn sie möglich sind, vielleicht. Die Fusionspläne des TC „In Himmel” und des VfB Kirchhellen liegen beispielsweise wegen der langjährigen Pachtverträge beider Clubs auf Eis. Immerhin gibt es auch Lichtblicke: Beim TC Feldhausen gibt es einen Aufwärtstrend durch die gute Jugendarbeit und die neuen Wohngebiete in der Umgebung. Der TC Blau-Weiß ist der mitgliederstärkste Verein Bottrops – ebenfalls durch seine gute Jugendarbeit. Leider sind die Lichtblicke immer nur punktuell, keinem Verein ist 2014 der richtig große Wurf gelungen. Dass es wieder ein U10-Starterfeld bei der Stadtmeisterschaft gab, macht allerdings Hoffnung.