Noch verschließt sich die Stadtmeisterschaft dem Futsal

Hallenfußballturniere wie das Jürgen-Weber-Turnier werden künftig nach Futsal-Regeln gespielt
Hallenfußballturniere wie das Jürgen-Weber-Turnier werden künftig nach Futsal-Regeln gespielt
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Was wir bereits wissen
Die Verbände möchten Futsal als offizielle Hallenfußballvariante etablieren. Die Basis interessiert das allerdings herzlich wenig. Egal, Futsal wird kommen.

Bottrop.. In Bottrop haben sie gar nicht lange um den heißen Brei geredet. Die Frage war keine philosophische, keine essenzielle. Sie war höchstens eine rhetorische. Futsal oder Fußball? Schnell war auf der Sitzung der Fußballsparte im Oktober klar, dass bei der Hallen-Stadtmeisterschaft ab dem 2. Januar weiter auf Tradition gesetzt wird. Die Bande bleibt, das größere Spielgerät bleibt, die Regeln bleiben. Fußball bleibt! „Wir sind der Ausrichter, nicht der Kreis oder der Verband, und wir werden die Regeln wie bisher anwenden“, sagte der Spartenvorsitzende Lutz Radetzki.

Andere Städte tun sich ebenfalls schwer

Auch die jüngsten Bottroper Hallenturniere – der Portas-Cup und der Jürgen-Weber-Pokal – wurden wie in den Vorjahren gespielt. Mit erhöhtem Körpereinsatz und mit sich beim Zweikampf verschiebenden Banden. „Wir hatten beim Portas-Cup so viele technisch starke Mannschaften, dass übertriebene Härte nicht zu erwarten war und wir weiter auf Fußballregeln gesetzt haben“, erklärte Dostlukspors Vorsitzender Nuh Arslan. Marco Hoffmann, Trainer des Bezirksligisten SV Fortuna, war auf beiden Turnieren zwiegespalten. „Einerseits soll man sich dem Fortschritt ja nicht verschließen und gerade für die Jugend ist Futsal ein guter Weg. Andererseits ist das hier auch Tradition, das gehört für viele Teilnehmer seit den Kindheitstagen einfach dazu“, sagte er und deutete mit dem Finger auf die hüfthohe Spielfeldumrandung.

Tradition oder (erzwungener) Fortschritt – ein Balanceakt, mit dem auch andere Städte ihre Schwierigkeiten haben. Die Anfang Januar stattfindende Stadtmeisterschaft in Duisburg wird – Stand heute – die letzte sein. Futsal ist in der Rheinstadt unerwünscht. In Gladbeck wurde Futsal zunächst für den Kampf um die Stadtkrone auserkoren, doch jüngst erfolgte mit dem Segen des westfälischen Fußballkreises der Fallrückzieher aufs Fußballregelwerk.

Eklat in Dortmund

In Dortmund kam es gar zum Eklat: Als sich Peter Richarz vom dortigen Fußballkreis ein Meinungsbild zur geplanten Regeländerung des Dortmunder Budenzaubers machen wollte, wurde sein Zugang zum DFB.net, der offiziellen Verbandsplattform, kurzerhand gesperrt – Rote Karte im Internet. Zuvor hatten ihm allerdings 87 Prozent der Vereine im Verband Westfalen bescheinigt, weiter auf Fußball setzen zu wollen. Seit Samstag wird in Dortmund gespielt – nach altbewährten Fußballregeln.

Klar, in diesem Fall bietet sich der Vergleich zu den tapferen Galliern an, die den übermächtigen Römern in den Asterix-Bänden stets die Stirn bieten. Doch ist das Leben kein Comic, die Flasche Pils am Turnierkiosk kein Zaubertrank. Wie lange können sich die lokalen Ausrichter den Vorgaben des Verbandes noch widersetzen und unbeeindruckt auf Altbewährtes setzen, wenn Neues längst beschlossen wurde? Egal, ob Futsal von vielen als mehr als eine Regeländerung gesehen wird. Futsal, sagen sie, ist eine andere Sportart.

Der Wandel wird auch Bottrop treffen

„Da die Fußballsparte des Sportbunds nicht dem Fußballverband Niederrhein (FVN) angehört, kann sie als Ausrichter entscheiden, ob sie Fußball oder Futsal spielt“, sagt Dietmar Henze, Vorstandsmitglied des Kreises Oberhausen/Bottrop. Damit wird die Stadtmeisterschaft künftig ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. Für alle anderen Hallenturniere gilt nach dem Winter: Futsal übernimmt! Das unterstreicht auch Wolfgang Jades aus dem FVN-Präsidium: „Der Hallenfußball wird seit 35 Jahren immer wieder verändert. Auch die Stadtmeisterschaften werden sich anpassen müssen. Die Schiedsrichter kommen schließlich vom Verband – und sie pfeifen künftig nach Futsalregeln.“