Kleine Bewegungen und eine Fusion im Bottroper Fußball

Die Kicker des SV Vonderort (blau) und Rot-Weiß Fuhlenbrock gehen künftig als Rot-Weiß Vonderort auf Torejagd. Damit kehrt auf die Platzanlage am Wienberg wieder mehr Leben ein.
Die Kicker des SV Vonderort (blau) und Rot-Weiß Fuhlenbrock gehen künftig als Rot-Weiß Vonderort auf Torejagd. Damit kehrt auf die Platzanlage am Wienberg wieder mehr Leben ein.
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Was wir bereits wissen
Die neue Saison steht bevor. Welche Lehren ziehen die Klubs aus der jüngst beendeten Saison? Die erste: Fusion des SV Vonderort und Rot-Weiß Fuhlenbrock.

Bottrop.. Der Rauch hat sich gelegt. Nach dem desaströsen Abschneiden der Bottroper Fußballer von der Landes- bis in die Kreisliga bereiten sich die Kicker auf die kommende Saison vor. Am heutigen Samstag nimmt mit den Batenbrocker RK bereits das erste Team die Vorbereitung auf. Doch welche Lehren wurden aus der Saison mit den vielen Absteigern gezogen? Wo zeichnet sich eine Bewegung ab?

Mahnendes Beispiel

Aktuell finden sich in der Bottroper Fußballlandschaft 19 Vereine. Zu viele? „Meine persönliche Befürchtung ist, dass es 2020 nur noch zehn bis zwölf Fußballvereine in Bottrop geben wird“, sagte Spartenleiter Lutz Radetzki auf der jüngsten Sitzung der Fußballsparte. Die derzeitige Entwicklung könnte ihm Recht geben, es gibt mehrere Klubs, deren Zukunft mit wenigen Senioren- und ohne Jugendteams auf wackeligen Beinen steht. Mit den Sportfreunden 08/21 gibt es zudem ein mahnendes Beispiel, erfolgte der Zusammenschluss der Platznachbarn Viktoria 21 und Vorwärts 08 doch eigentlich viel zu spät. Immerhin: Es gibt kleine Bewegungen.

Plötzlich geht es am Wienberg ganz schnell. Wo vor kurzem noch Ratlosigkeit herrschte, weil der SV Vonderort in der kommenden Saison keine Seniorenmannschaft mehr auf die Beine stellen kann, zieht nun Rot-Weiß Fuhlenbrock mit seinem Kreisliga-C-Team, den Alten Herren und der D-Jugend ein. Die Gründung einer Frauenmannschaft hatten die Rot-Weißen auch angedacht. Bisher teilte sich Rot-Weiß den Platz am Lichtenhorst mit dem VfR Ebel und Polonia.

„Die Fusion ist von beiden Seiten beschlossen“, berichtet Vonderorts Manager Peter Raabe. Der Name des neuen Klubs: Rot-Weiß Vonderort. Die Papiere für den Zusammenschluss sind in Arbeit. Die angedachte Übersiedlung der Hobbyliga aus dem Stadtzentrum nach Vonderort lässt derweil noch auf sich warten. Solange die neue Sporthalle des Josef-Albers-Gymnasium nicht gebaut wird, können die C-Kreisligakicker ihren Platz weiter nutzen.

Auch Dostlukspor spricht

Dostlukspor und Barisspor führen ebenfalls Gespräche über einen Zusammenschluss. „Es sind völlig offene Gespräche und das ist sicherlich ein Prozess, der Jahre dauern wird. Fest steht aber, dass man als Verein zusehen muss, wie man in einer Stadt wie Bottrop konkurrenzfähig bleibt. Man sollte sich alle Wege offen halten“, sagt Dostlukspors Vorsitzender Nuh Arslan.

Auch in Welheim herrscht derzeit Aufbruchstimmung, vor allem dank des großen und gelungenen Stadtteilfestes, das die dort ansässigen Löwen um ihren Trainer Thomas Ochojski vor zwei Wochen auf die Beine gestellt haben. Die Aussicht, die Anlage an der Welheimer Straße mit Hilfsaktionen wie dieser in einen modernen Sportpark umzubauen, haben neue Energien freigesetzt. Fusionsgespräche zwischen den Löwen und dem Ortsnachbarn SSV 51 gab es in der Vergangenheit in unregelmäßigen Abständen. Nach dem Erfolg des Stadteilfestes gibt es die Hoffnung, dass diese wieder aufgenommen werden. Fest steht nämlich, dass der SSV 51 zu jenen kleinen Klubs gehört, die es künftig alleine mehr als schwer haben werden.

Die sportlichen Perspektiven

Und wie sehen die sportlichen Perspektiven aus? Der VfB Bottrop hat derzeit arge Schwierigkeiten, ein konkurrenzfähiges Team für die Bezirksliga zusammenzukratzen. Die Batenbrocker RK hoffen auf einen Durchbruch in der Kreisliga B, der Kader wurde vorrangig mit Ex-Rhenanen aufgestockt. Ob es direkt zu einer Spitzenplatzierung oder gar zum Aufstieg reicht, bleibt angesichts der Ambitionen der Konkurrenz fraglich. Zumal der VfR Ebel in der abgelaufenen Saison ein mustergültiges Gegenbeispiel lieferte: Aufgerüstet und bis zum Winter voll auf Kurs, fiel das Team in der Rückrunde in sich zusammen und wäre um Haaresbreite noch abgestiegen. Das Resultat: Die Ebeler stehen vor dem nächsten Neuaufbau, der Kader wurde bis auf wenige Ausnahmen gegen eine fast komplette Dostlukspor-Mannschaft samt Trainerstab ausgetauscht.

So stellten sich die Anwesenden auch bei der Spartensitzung die Frage: Sind all dies Schritte, die den Bottroper Fußball fördern und ihm bei der Entwicklung weiterhelfen? Dass Spieler zwischen den Vereinen hin- und herspringen, je nachdem, wo gerade das lukrativste Angebot lockt? „Die Vereine sollten sich frühzeitig Gedanken über ihre Zukunft machen“, mahnte Radetzki immerhin an. Doch bleibt es bedenklich, dass die Sportstadt Bottrop mit mehr als 100.000 Einwohnern nicht dazu in der Lage scheint, einen Klub dauerhaft höherklassig zu platzieren – derzeit bilden der VfB Bottrop und der SV Fortuna als Bezirksligisten die Speerspitze.

Innovative, wenn auch nicht unumstrittene Ideen wie die Errichtung eines Leistungszentrums, wurden umgehend abgeschmettert. Ohnehin wird gerne auf die gängigen Gründe zurückgegriffen, weshalb eine Entwicklung kaum möglich sei: Standortnachteil, geringer Sponsorenpool oder allgemeines Desinteresse. Zum Teil mag das stimmen, doch unumgänglich ist all dies nicht. Der VfB Kirchhellen hat aus eigener Kraft bereits über zwei Drittel der anvisierten 150.000 Euro zur Finanzierung eines Kunstrasenplatzes gesammelt. Selbst das oft vermisste Geld scheint also da zu sein, es bedarf lediglich eines klaren Konzepts und Ideen. Darin besteht aktuell wohl der größte Mangel in Bottrop.