Ein Blick auf die Fusionsvereine im Bottroper Sport

Eine Übersicht über die Fusionen der jüngsten Jahrzehnte.
Eine Übersicht über die Fusionen der jüngsten Jahrzehnte.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Zusammenschlüsse von Sportklubs sind oft sinnvoll, meist aber schwer zu stemmen. Letzter Strohhalm oder Wachstumschance? Ein Blick auf die Ehen der jüngsten Jahrzehnte.

Bottrop.. In den vergangenen Jahren ist das Wort „Fusion“ wohl eines der häufigst ausgesprochenen im Bottroper Sport. Kaum eine Sitzung der Fußballsparte vergeht, in der nicht auf die Vorteile eines Vereinszusammenschlusses hingewiesen wird. Die Gründe sind einleuchtend: Die Mitgliederzahl der Bottroper Vereine sinkt mit dem Rückgang der Einwohnerzahl. Viele Sportstätten sind nicht ausgelastet. Vereine veralten, der Nachwuchs fehlt. Kräfte bündeln lautet daher die Devise.

Im Bottroper Sport stehen Zusammenschlüsse zwar nicht auf der Tagesordnung, selten sind sie aber auch nicht. Im Prinzip läuft es wie in einer Ehe: Zwei Individuen finden zusammen und bilden eine neue Einheit. Es gibt bei der Fusion verschiedene Wege: Als Verschmelzung durch Aufnahme eines Vereins oder durch eine gemeinsame Neugründung mit Übertragung des Vereinsvermögens. Oder – das wäre der radikale Schritt – als Zusammenschluss mit Auflösung und Liquidation der alten Klubs.

Manchmal der letzte Ausweg

Fusionen sind manchmal der letzte Ausweg – wenn die Mitgliederzahl sinkt oder auf Vorstandsebene Müdigkeitserscheinungen einsetzen. Sie können aber auch eine Wachstumschance sein, die Vereinigung kann frischen Wind und neue Ideen bringen. „Man kann nicht sagen, dass eine Fusion grundsätzlich gut ist. Es kommt auf die Vereine an, die sich zusammenschließen wollen. Wichtig ist, dass beide am Ende zufrieden sind“, sagt der Sportbundvorsitzende Dr. Peter Scheidgen.

Häufig scheitert eine Fusion aber auch an den Vereinsmitgliedern. Immerhin verschwindet oft auch der alte Name und damit ein Stück Tradition. „Viele Vereine haben deshalb Jahre für eine Fusion gebraucht“, sagt Scheidgen. „Meist haben es kleinere Vereine leichter.“

Doch gilt die Formel „Aus zwei mach eins und alle Probleme sind gelöst“ wirklich immer? Das zeigt sich meist erst über einen längeren Zeitraum. Immerhin gibt es einige vor vielen Jahrzehnten fusionierte Vereine noch. 1949 schlossen sich der Schwimm-Verein 1920 und der Schwimm-Verein 1924 zum Schwimm-Verein Blau-Weiß Bottrop 1924 zusammen, der wiederum 1966 mit dem Schwimm-Club 1954 zur heutigen Schwimm-Vereinigung 1924 wurde. 1967 fanden der SV 1911 und DJV Blau-Gelb zusammen. Und sonst? Die WAZ blickt auf die jüngeren Fusionen der Bottroper Sportgeschichte.

Sportfreunde 08/21

Sportart: Fußball
Bestehend aus:
SV Vorwärts 08 / SC Viktoria 21
Fusionsjahr: 2014
Es hat mehrere Anläufe und viele Jahre gebraucht, bis Viktoria 21 und Vorwärts 08 zusammengefunden haben. Für die beiden Klubs, die sich die Platzanlage an der Paßstraße teilten, war es der letzte Ausweg. „Wenn wir nicht zusammengegangen wären, wäre einer von uns auf der Strecke geblieben“, sagt Geschäftsführer Klaus Kisters. Beide Vereine waren nur noch ein Schatten ihrer selbst, Mannschaftszahlen und Jugendarbeit waren rückläufig. Nun soll die Neubelebung gelingen.
Erfolg? Zu sagen, dass die Fusion erst fünf vor zwölf und damit fast zu spät erfolgte, ist wohl nicht übertrieben. Zusätzliches Hemmnis für den Aufbau einer Jugendabteilung ist die Platzanlage an der Paßstraße, die alles andere als eine Perle unter den Bottroper Fußballplätzen ist. Doch der Verein kämpft weiter.

RW Welheimer Löwen

Sportart: Fußball
Bestehend aus: Welheimer Löwen / RW Westfalia
Fusionsjahr: 2009
Nach dem dritten Treffen war die Fusion beschlossene Sache: Hobbyligist Welheimer Löwen und der C-Ligist RW Westfalia wurden eins. Schon nach dem ersten Treffen waren beide Vereine stark interessiert an einer Zusammenarbeit. „Ein Riesenschritt in eine positive Zukunft“, schrieb der neue Verein damals auf seiner Internetseite.
Erfolg? An der positiven Zukunft im Bottroper Süden wird weiter fleißig gebastelt. Bisher ist die Vereinsgeschichte eine erfolgreiche mit einem geplanten Stadtteilfest und weiteren Vereinsaktivitäten. „Welheim hat so viel Potenzial. Das müssen wir ausschöpfen“, sagt Löwen-Trainer Thomas Ochojski. Seit längerem steht der Zusammenschluss mit dem SSV 51 im Raum.

Batenbrocker Ruhrpott Kicker

Sportart: Fußball
Bestehend aus: FC Batenbrock / Ruhrpott Kicker
Fusionsjahr: 2012
Die Ruhrpott Kicker waren ebenfalls ein Hobbyligateam, denen die für sich spielende Liga an der Neustraße zu klein geworden war. 2008 spielten die Kicker in der Kreisliga C, wurden 2011 Meister und schlossen sich ein Jahr darauf im zweiten Versuch mit dem finanziell klammen Platznachbarn FC Batenbrock zusammen, der drei Frauenteams und zwei Männermannschaften in die Ehe einbrachte. Die Fusion diente aber auch dazu, die Vorstandsarbeit breiter aufzustellen und damit zu beleben.
Erfolg? Der wirkliche Gewinner der Fusion ist das Vereinsleben. Mit einem engagierten Vorstand bieten die Batenbrocker ihren Mitgliedern regelmäßig Aktivitäten wie jüngst das gemeinsame Ostereier-Bemalen an. Die Jugendabteilung gedeiht.

SC Bottrop

Sportart: Handball
Bestehend aus: EK Sportfreunde / SV 1911
Fusionsjahr: 1999
Der SC bezeichnet sich selbst als der „jüngste Bottroper Handballverein“. Stimmt ja auch. Dabei ist die Geschichte des Klubs wesentlich älter. 1960 gründeten sich die EK Sportfreunde und widmeten sich dem Handballspiel. 1999 schlossen sie sich mit der Handballabteilung des SV 1911 zusammen – der SC war geboren. Mit dem sommerlichen Silberschildturnier lebt eine Tradition aus Sportfreunde-Zeiten noch heute fort.
Erfolg? Der SC stellt das höchstspielende Herrenteam der Stadt (Landesliga) und eine ambitionierte Jugendabteilung. Die Konkurrenz im Handballsegment ist mit Adler 07 und der TSG Kirchhellen keine kleine – der Zusammenschluss hat also durchaus Sinn gemacht.

Bottroper Billard-Akademie

Sportart: Billard
Bestehend aus: BV Elfenbein / Billard-Gesellschaft Bottrop
Fusionsjahr: 2010
Der Zusammenschluss zwischen der Billard-Gesellschaft und dem BV Elfenbein Fuhlenbrock wurde von langer Hand geplant. Beide Vereine spielten bereits in der 2. Bundesliga gemeinsam und parallel bei den Heimspielen im Billard-Leistungszentrum. Der BV Elfenbein musste zuvor sein Spiellokal aufgeben. Da lag es nahe, Fusionsgedanken auch in die Tat umzusetzen.
Erfolg? In der Dreiband-Bundesliga ist die BBA eine feste Größe. Jüngst wurde allerdings die Poolbillard-Abteilung an die SGT Grafenwald verloren, dafür zog der Essener Verein PBC Olympic ins Bottroper Leistungszentrum. Da allerdings nicht alle Elfenbein-Mitglieder sich mit der Fusion anfreunden konnten, gründeten sie den BC Fuhlenbrock (heute 2. Bundesliga).

Badminton-Gemeinschaft

Sportart: Badminton
Bestehend aus: Bottroper BG / 1. BC Kirchhellen
Fusionsjahr: 2014
Fusionen können in mehrere Richtungen verlaufen und können mit der Gründung eines neuen Vereins oder durch Aufnahme eines Vereins in den anderen erfolgen. Letzteres ist hier geschehen, der 1. BC Kirchhellen ging vor einigen Monaten in der Bottroper BG auf. Die „neue BBG“ hat mehr als 200 Mitglieder, die in sechs Senioren- und mehreren Jugendmannschaften auflaufen. Das größte Ziel ist es, den Badmintonsport in Kirchhellen zu erhalten und weiter zu entwickeln. Zuletzt trat der 1. BC nur noch mit einer Mannschaft an. Vor allem im Jugendbereich sehen die Verantwortlichen großes Potenzial.
Erfolg? Die BBG ist sportlich erfolgreich und kann ihr Know-how jetzt auch in Kirchhellen einbringen. In dem Stadtteil starb der Federballsport langsam aus. Also: Ja, ein noch junger, aber erfolgreicher Zusammenschluss.

VC 90

Sportart: Volleyball
Bestehend aus: VC Bottrop 69 / VC Eigen
Fusionsjahr: 1990
Bottrops größter Volleyballverein entstand 1990 mit dem Zusammenschluss der beiden Klubs VC Eigen und VC Bottrop 69. Durch die vielen Jahre in der 1. und 2. Bundesliga ist der Verein auch einer der bekanntesten der Stadt. In den jüngsten Jahren ist das Angebot durch den Gesundheitssport gewachsen.
Erfolg? Ja, der VC 90 ist die erste Anlaufstelle im Volleyball und legt auch ohne das Bundesliga-Zugpferd eine gute Entwicklung hin – sportlich und auch neben dem Netz. Der verjüngte Vorstand geht engagiert zu Werke.