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Squash – die ausgestorbene Sportart in Bottrop

22.01.2015 | 17:45 Uhr
Squash – die ausgestorbene Sportart in Bottrop
Peng! Das charakteristisch dumpfe Geräusch beim Aufeinandertreffen von Ball und Wand erklingt in Bottrop schon lange nicht mehr. Selbst in den Nachbarstädten geht das Angebot mehr und mehr zurück.Foto: Oliver Mengedoht

Bottrop.   Noch vor der Jahrtausendwende galt Squash als Trendsportart, mittlerweile ist sie in Bottrop nicht mehr existent. Hallen, Vereine – allesamt verschwunden.

Es knallt nicht mehr in Bottrop. Lange ist es her, seit zuletzt jenes charakteristisch dumpfe Geräusch ertönte, das beim Aufeinandertreffen des beherzt geschlagenen Gummiballs mit der Spielfeldwand entsteht. Peng! Duelle in den Squashcourts, die wie ein Schuhkarton von allen vier Seiten durch eine Wand begrenzt werden, sind längst Vergangenheit. Die einstige Trendsportart ist aus Bottrop verschwunden. Die WAZ begab sich auf Spurensuche.

Die Zeitzeugen

Peter Steinebach war am 9. September 2000 der letzte Bottroper Stadtmeister im Squash. Allerdings inoffiziell, denn die Mindestteilnehmerzahl für einen offiziellen Kampf um den Stadtpokal wurde an jenem Tag schon gar nicht mehr erreicht, der Wettkampf firmierte offiziell als Herbstturnier. „Wir hatten eine richtig gute Szene in der Stadt“, erinnert sich Steinebach. „Wer in einer der Bottroper Squashhallen spielen wollte, musste phasenweise eine Woche vorher reservieren.“ Steinebach war Mitglied des PSV Bottrop, in dem der Vereinsvorsitzende Dieter Rodemers selbst zu den Gründungsmitgliedern der Squash-Abteilung gehörte. Es waren Jahre des Wachstums. Drei Squashhallen, drei Vereine, mehrere Stadtmeisterschaften wurden ausgetragen – zu Beginn der 1990er Jahre war auch Bottrop der Faszination des Spiels mit dem Schläger und dem kleinen Gummiball erlegen, in Einzelduellen und im Doppel wurde so manch hitzige Partie gespielt. „Das war eine tolle Zeit damals. Schade, dass es dann langsam bergab ging“, sagt Rodemers. Zur Jahrtausendwende war der Sport aus Bottrop verschwunden. Steinebach: „Squash war auch nie wirklich billig, der Platz musste stundenweise gemietet werden. Das war wohl auch einer der Gründe für das Ende.“

Die Spielstätten

Drei kommerziell betriebene Squashhallen gab es einst in Bottrop. Die Anzahl heute? Null. Wo früher der kleine Gummiball in den Squashcourts am Brauhaus auf der Gladbecker Straße geschlagen wurde, wird nun an Fitnessgeräten, in Sportkursen oder im Boxring geschwitzt. Das Fitnesscenter Sports’n Wellness hat viele Angebote – Squash gehört nicht mehr dazu. Auch im Sportpark Stadtwald an der Stenkhoffstraße gibt es längst keine Spielfelder mehr. Im Jahr 2000 wurden die drei Courts zu Badmintonplätzen umgebaut. „In den fünf Jahren des Bestehens der Squashplätze war die Auslastung bei uns nie besonders groß“, erinnert sich Geschäftsführer Rolf Winking. Und das einstige Squash-Center in der Innenstadt? Dort versuchten mehrere Betreiber ihr Glück, danach wurde die Halle als Fitness- und Tätowierstudio genutzt. Seit 2011 ist die Kampfsportschule Kingz Gym am Kolpingplatz heimisch, vier der früheren Courts sind inzwischen zu Trainingsflächen mit Boxring und Kraftgeräten umgewandelt worden. Einen fünften Squashcourt gibt es noch – doch der wird als Abstellkammer genutzt.

Squash-Infos
Squash – Wissenswertes zum Sport mit dem Schläger

Squash ist eines der wenigen Rückschlagspiele, bei dem die Seitenwände in das Spiel einbezogen werden und die Gegner das Spielfeld gemeinsam benutzen.

An den Wänden des Courts, die als Vorderwand (Stirnwand), Rückwand und Seitenwände bezeichnet werden, befinden sich rote Markierungen, die das Spielfeld begrenzen.

Der Schläger ist leichter als ein Tennis-, aber schwerer als ein Badmintonschläger. Der Gummiball ist etwa so groß wie ein Tischtennis- oder ein Golfball. Er muss erst warmgespielt werden, damit er seine volle Sprungfähigkeit erreicht.

Weltweit wächst Squash weiterhin und ist vor allem in den Ländern des Commonwealth beliebt. Auch in Ägypten, in Osteuropa und in den USA wird aufgeschlagen. In Deutschland sinkt die Beliebtheit.

Die Vereine

Ende der 80er-Jahre gab es einen regelrechten Squash-Boom. Der erreichte auch Bottrop, gleich drei Vereine gab es hier. Die Squash-Abteilung des PSV Bottrop spielte gegenüber des Pferdemarkts in der Innenstadt, wo mit der Squash-Abteilung der BSG VfL Bottrop auch der Betriebssportverein der Straßenbahn- und Busfahrer der Vestischen aufschlug. Der reine Squash-Verein Dynamic Courts spielte mit seinen 40 Mitgliedern am Brauhaus gegenüber der Berufsschule. Sie alle sind mittlerweile Vergangenheit. Nach acht Jahren war 1999 bei der BSG VfL Schluss mit Squash, viele Mitglieder schwenkten auf Badminton um. Dynamic Courts verschlug es nach der Schließung der Spielfelder am Brauhaus nach Altenessen in die Räumlichkeiten eines Tennisvereins, später ins Squash-Center in der Bottroper Innenstadt und schließlich nach Mülheim. Mit jedem Standortwechsel gingen Mitglieder verloren, vor mehr als fünf Jahren löste sich der Verein auf. Einige der alten Mitglieder spielen nun in der Mülheimer Spielstätte für den Klub Satzballtrauma Essen weiter. Kurz nach der Jahrtausendwende wurde bereits beim PSV der Schlussstrich unter das schnelle Rückschlagspiel gezogen.

Die Sportler

Zu den großen Namen der Bottroper Squash-Szene gehörte Oliver Pettke, der häufig in Bottrop aufschlug, später in der Nationalmannschaft spielte und als Trainer für den PSV arbeitete. Seine höchste Platzierung in der Weltrangliste erreichte er mit Position 72 im Januar 2000. Heute ist Pettke Bundestrainer der Herren, Damen und Junioren. Auch die Bottroperin Anke Achtermann war nicht leicht zu schlagen und brachte selbst manchen männlichen Konkurrenten in den schmalen Squashcourts mit gezielten Schlägen zur Verzweiflung. Heute ist sie noch bei Satzballtrauma Essen aktiv.

Björn Goldmann

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2015-01-22 17:45
Bottrop