Die Hobbyliga Bottrop hat keine Angst vor dem Umzug

Die gute Seele des Vereins: Evelyn Masuth hat als Geschäftsführein, Platzwartin und Vereinsheimbetreiberin der Hobbyliga viel zu tun.
Die gute Seele des Vereins: Evelyn Masuth hat als Geschäftsführein, Platzwartin und Vereinsheimbetreiberin der Hobbyliga viel zu tun.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Vieles deutet darauf hin, dass die Hobbyliga bald den Platz an der Neustraße räumen muss. Die Verantwortlichen sind trotzdem optimistisch.

Bottrop..  Die Zeugnisse der großen Zeiten sind noch da. Die bauchige Trophäe auf dem Regal zum Beispiel. „Pokalsieger der Hobbyliga“ ist darauf zu lesen. „Alte Garde Hobbyliga“ steht auf einem Schal, der darüber hängt. Andenken an Zeiten, in denen die Hobbyliga noch ein eigenes kleines Universum war. Heute weht ein anderer Wind, der Verein ist geschrumpft. Trotzdem ist die Hobbyliga nicht totzukriegen. Es wird sie auch noch geben, wenn in absehbarer Zukunft der Umzug nach Vonderort erfolgt. Teile der Platzanlage werden für den Neubau der Sporthalle des Josef-Albers-Gymnasium gebraucht – die Hobbyliga muss weichen.

Die Zukunft ist gerade nebensächlich. Es gibt gegenwärtig genug zu tun für Platzwartin und Hobbyliga-Geschäftsführerin Evelyn Masuth. Der Fernseher läuft und der Kickertisch ist in Beschlag. Man versteht das eigene Wort kaum, doch die Anwesenden im Vereinsheim stört das wenig. Umarmungen hier, lautstarke Unterhaltungen dort – in dem weißen Container am Rande des Ascheplatzes ist es kna­cke­voll. Die Fuhlenbrocker Haie alias Hobbyliga IV spielen gegen den Ortsnachbarn SG Osterfeld II. Vorgezogenes Spiel in der Kreisliga C. Kurz vor dem Anpfiff wird einem Zuschauer eine Fahne in die Hand gedrückt – Beförderung zum Linienrichter. Mit der Bierflasche in der linken und der Fahne in der rechten Hand geht er nun auf und ab. „Fluppe fehlt noch“, sagt ein weiterer Zuschauer schmunzelnd.

Kaffee, Bier und aufmunternde Worte

Mit Ehrgeiz jagen die Fuhlenbrocker Haie derweil dem Ball hinterher. Am Ende werden sie die Partie 4:6 verlieren. Doch im Vereinsheim warten Kaffee, Bier und aufmunternde Worte von Evelyn Masuth. „Sonntag geht’s wieder bei null los.“

Sonntag um Sonntag stehen die fünf Hobbyligateams auf dem Platz. Sie heißen intern BW Vonderort, BSG Mengede, SC Eintracht, Ritter und Fuhlenbrocker Haie. Offiziell: Hobbyliga eins bis fünf. Sie sind das Überbleibsel einer einst eigenständigen Liga, in der früher über 40 Mannschaften kickten und 1500 Mitglieder verzeichnet waren. 1980 wurde sie gegründet, um jenen Thekenmannschaften eine Heimat zu bieten, die an einem regelmäßigen Spielbetrieb interessiert waren. Eine Idee, die zündete. Doch mit dem neuen Jahrtausend kam der Umbruch. Immer mehr Hobbyligateams war die Liga zu klein geworden, heute sind einige davon als Welheimer Löwen, Batenbrocker Ruhrpott Kicker, FC Polonia oder Rot-Weiß Fuhlenbrock selbstständige Vereine. Andere schlossen sich den großen Klubs der Stadt als Dritt- oder Viertmannschaft an. 2013 zog die Hobbyliga schließlich selbst nach und spielt seitdem mit den fünf verbleibenden Teams im Spielbetrieb des Fußballverbands Niederrhein. Auch viele ehemalige Hobbyligisten spielen längst unter neuen Namen in der Kreisliga C: Rhenania IV, VfB Bottrop III oder BW Fuhlenbrock III. „Das geht immer herzlich zu, unser Vereinsheim ist auch für die Abgewanderten noch ein Zuhause“, sagt Masuth. „Auch sie gehören noch zur Hobbyliga-Familie.“

Man glaubt es ihr sofort. „Hi Schatz“, ruft sie einem Ankömmling zu. „Hi Sohnemann“ einem anderen, während sie die Spielerpässe an den Schiedsrichter übergibt. Seit 1989 ist sie bei der Hobbyliga dabei und ergänzt sich gut mit den Kollegen Frank Honysz (2. Vorsitzender) und Hobbyliga-Chef Uwe Dahl, der als Vorstandsmitglied der Fußballsparte, als Helfer des Sportbundes und Besitzer des Fußballkreises beste Verbindungen hat. Die Hobbyliga selbst mag tot sein, doch bietet der Verein weiterhin fünf Mannschaften ein Dach, die ohne den Überbau wahrscheinlich nicht weiter bestehen würden. „Zur Zeit läuft es gut“, sagt Uwe Dahl. „Seit wir vor drei Jahren das Vereinsheim bekommen haben, gibt es wieder Leben auf dem Platz“, ergänzt Masuth.

Das soll auch im Fall des Umzugs so bleiben. Im städtischen Planungsausschuss wurden die Voraussetzungen für den Bau der Gymnasium-Sporthalle jüngst in die Wege geleitet, die Aufgabe der Platzanlage an der Neustraße rückt damit näher. Vielleicht zwei, vielleicht drei Jahre bleiben der Hobbyliga noch auf ihrem Stammplatz, bevor es mit großer Sicherheit an den Wienberg in Vonderort geht.

„Unseren Container können wir mitnehmen und haben so unser eigenes Vereinsheim, das haben wir zugesichert bekommen“, sagt Masuth. Optimistisch bleibt die gute Seele des Vereins ohnehin: „Die Hobbyliga hat viele Tiefs durch- und überlebt. Uns wird es auch nach dem Umzug geben!“