Die duale Karriere besser meistern

Kooperationsvertrag geschlossen:  v. l. Professor Gerd Bittner (Hochschule Ruhr West), Oberbürgermeister Bernd Tischler, Bundesliga-Judoka Saskia Wüst und DJB-Präsident Peter Frese.
Kooperationsvertrag geschlossen: v. l. Professor Gerd Bittner (Hochschule Ruhr West), Oberbürgermeister Bernd Tischler, Bundesliga-Judoka Saskia Wüst und DJB-Präsident Peter Frese.
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Was wir bereits wissen
Die Hochschule Ruhr West und der Deutsche Judo-Bund schließen einen Kooperationsvertrag.Damit sollen Studium und Leistungssport in Einklang gebracht werden.

Bottrop..  Es fing recht harmlos an. „Die Initiative ging von Jürgen Schajor aus, dem Seniorenweltmeister im Judo. Lass’ uns mal essen gehen, schlug er mir vor“, erzählte Professor Gerd Bittner, Vizepräsident für Studium und Lehre an der Hochschule Ruhr West. Bei diesem Treffen hatten sie über die Vereinbarkeit von beruflicher Karriere und Leistungssport diskutiert, und wie diese verbessert werden kann. Schajor traf bei Bittner, ehemaliger Judoka, mit seinen Ideen auf offene Ohren und Begeisterung.

Vorzeigesportart

Dieser Enthusiasmus begleitete den Entstehungsprozess des Kooperationsvertrages zwischen dem Deutschen Judo-Bund (DJB) und der Hochschule Ruhr West und war auch bei dessen Unterzeichnung am Dienstag in den Räumen der HRW zu spüren. „Überall, wo wir Gespräche geführt haben, sind wir auf offene Türen gestoßen“, verriet Bittner. „Ich möchte ein großes Dankeschön aussprechen“, erklärte Peter Frese, Vorsitzender des DJB, gut gelaunt. „Die duale Karriere zu meistern ist schwer. Wir sind hier nicht auf eine verkrustete Hochschule gestoßen, sondern auf eine Hochschule, die sich für den Sport interessiert. Das begeistert. Und wer weiß?“, fügt er lachend hinzu. „Vielleicht feiern wir ja bald gemeinsam einen Doktortitel.“

Der Bottroper Oberbürgermeister Bernd Tischler beglückwünschte der Hochschule und dem Judoverband. „Das ist eine schöne Entwicklung. Erfolgreicher Sport - und Judo ist eine unserer Vorzeigesportarten - und erfolgreiche Lehre zusammengehen zu sehen, das ist für den Sportdezernenten dieser Stadt was ganz Tolles.“

Der Kooperationsvertrag ist der rechtliche Rahmen, der es ermöglicht, Sport und Studium optimal in Einklang zu bringen. „Das Studieren an dieser Hochschule ist ohnehin sehr flexibel, aber es gibt einige Präsenzpflichten, bei Praktika, Präsentationen und Prüfungen“, erläutert Bittner. Hier greift die Kooperation: „Die Prüfungstermine sind beispielsweise festgelegt. Kommt es zu Kollisionen, stimmen Lehrende und Lernende einen gesonderten Termin ab“, ergänzt Sven Manshon, Dezernent Studierendenservice und Internationales. „Das ist mit mehr Aufwand verbunden und privilegiert eine bestimmte Gruppe von Studenten. Letztere muss juristisch genau definiert sein.“ Diese bevorzugte Behandlung beginnt durch diese Kooperation mit den Judoka muss mit ihnen aber nicht enden. „Das ist bereits in unserem Bewusstsein, dass Sportler aus anderen Sportarten auf uns zukommen werden“, bestätigt Bittner. Randbedingungen seien, so Mansho­n, dass die betreffende Sportart olympisch sei und der Sportler einem Leistungskader angehöre.

Überschneidungen

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Vorzüge für Leistungssportler sei hoch, da sind sich die Partner einig. Tischler ist überzeugt, dass dies in besonderem Maße für Bottrop gelte: „Das passt ausgezeichnet zu unserem Label Innovation City Ruhr. Ich begleite das mit großer Sympathie. Es geht um die Förderung von Menschen, die Leistungssport und Studium in Einklang bringen. Die Stadt unterstützt dies mit allem, was möglich ist. Denn das bedeutet, dass diese Menschen in der Region und Bottrop erhalten bleiben.“

Saskia Wüst, Judokämpferin des Bundesligisten JC 66, studiert am Campus Mülheim Energie- und Wassermanagement und erlebt die Vorteile des Kooperationsvertrages „im Vorgriff“. „Drei Mal die Woche habe ich Judotraining, dazu kommen die Extraschichten wie Laufen und Krafttraining. An den Trainingstagen ist es eng, sonst geht es ganz gut. Sollte es aber zu Schwierigkeiten kommen, kann ich mich an die Studienberatung oder die Studiengangsleiter wenden“, schilderte es die Athletin. „Wichtig ist die Kooperation vor allem, wenn Trainingslager oder Wettbewerbe, die über Wochen gehen, anstehen. Da wird es zu Überschneidungen kommen“, ergänzte Detlef Kaziur, 1. Vorsitzender des JC 66.