Die Amateurfußballer zahlen die Zeche

Mit einer plakativen Kampagne wirbt der DFB für seine Amateure. Die fühlen sich aber dennoch im Stich gelassen.
Mit einer plakativen Kampagne wirbt der DFB für seine Amateure. Die fühlen sich aber dennoch im Stich gelassen.
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Was wir bereits wissen
Neuer TV-Vertrag spült Milliarden in die englische Premier League. Die DFL will nachziehen. Die Amateure rechnen deshalb mit weitreichenden Folgen.

Bottrop..  Der englische Fußball hat seine finanzielle Vormachtstellung auf Jahre ausgebaut. Die Vereine der Premier League kassieren in den kommenden drei Jahren rund 9,5 Milliarden Euro aus der TV-Vermarktung. Das setzt auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) unter Druck. Deren Chef Christian Seifert stellte angesichts dieser Summen folgende Frage: „Wir befinden uns in einem Verdrängungswettbewerb der Ligen. Sind wir mit Blick auf den neuen TV-Vertrag bereit, notfalls auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen, um weiter die besten Spieler der Welt in der Bundesliga zu halten?“ Ein Mittel wäre eine Ausweitung des Bundesliga-Spielplans mit weiteren attraktiven Übertragungszeiten. Darunter leiden wird der Amateurfußball, darin sind sich Trainer, Spieler, Vorsitzende und Funktionäre einig. Doch auf die Barrikaden geht niemand, die Amateure reagieren mit Resignation.

Entwicklung absehbar

Vor sechs Jahren stand Norbert Bauer zusammen mit anderen an der Spitze einer Protestbewegung, die in der Nachbarstadt Gelsenkirchen ihren Anfang nahm. Der Vorsitzende des Bezirksligisten SSV Buer machte damals vehement gegen die Einführung der Sonntagsspiele in der Bundesliga mobil. Der erste Spieltag in den Amateurligen wurde bestreikt, bundesweit berichteten die Medien. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) lud Bauer und andere Mitstreiter zu klärenden Gesprächen in seine Zentrale nach Frankfurt ein. Heute ist das Norbert Bauer fast schon peinlich: „Das Herzblut von damals könnte ich heute nicht mehr aufbringen. Die haben uns damals nur verarscht. Unsere Sorgen interessieren den DFB einen feuchten Kehricht“, sagt der 65-Jährige und ergänzt mit Blick auf die anstehenden Neuerungen im deutschen Fußball: „Das haben wir schon damals prophezeit, dass von morgens bis abends Bundesligaspiele stattfinden werden.“ Bauer gibt sich keiner Illusion hin. Die Entwicklung werde sich nicht aufhalten lassen. Als Vereinschef begegnet er den Dingen mit blankem Pragmatismus: „Wenn Schalke sonntags ein Heimspiel in der Arena hat, bleibt der Grill auf unserer Sportanlage aus. Dann kommt eh keiner.“

Mit Sorgenfalten beobachtet auch Hans Klimek, Vorsitzender des niederrheinischen Fußballkreises 10 (Oberhausen/Bottrop) die Situation. „Die kleinen Vereine haben ohnehin schon genug Schwierigkeiten, Zuschauer auf den Platz zu bekommen und Einnahmen zu generiren. Auch die Trainingbeteiligung leidet jetzt schon, wenn Schalke oder Dortmund unter der Woche in der Champions League spielen. Hinzu kommt ja noch die 2. Liga, die eventuell auch ausweichen müsste. Das ist einfach eine Übersättigung auf Kosten der Amateure!“

Wenn es nach Mevlüt Ata, Trainer des Landesligisten VfB Bottrop geht, ändert sich bei einer Ausdehnung des aktuellen Bundesliga-Spielplans kaum mehr etwas. „Die Wochentage sind doch ohnehin allesamt mit Fußball gefüllt, allzu viel kann da gar nicht mehr passieren“, äußert sich Ata. „Wer Sky bevorzugt, bleibt am Fernseher. Wer mit seinem Heimatverein sympathisiert, geht ins Freie und kommt ins Stadion.“

Noch ist nicht klar, ob und wie der Bundsligaspielplan umgeschichtet wird. Wird der Sonntag vermehrt genutzt? Wird unter der Woche häufiger angestoßen? Letzteres wäre ebenfalls ein Horrorszenario. Auch wenn der Winter es bisher noch gut mit der Region meinte. Die Erinnerungen an die vergangenen Jahre, in denen Nachholspiele unter der Woche eher Regel als Ausnahme waren, sind noch immer da.

In der ersten Reihe der Bedenkenträger steht auch Gerd Eschenröder. Der stellvertretende Vorsitzende des westfälischen Fußballkreises 12 (Gelsenkirchen, Gladbeck und Kirchhellen) erlebt den Verfall des Amateurfußballs nicht nur in seinem Heimatverein ETuS Gelsenkirchen: „Wir haben schon viel mitgemacht nach der Einführung der Sonntagsspiele in der Bundesliga. Da verlassen Zuschauer schon während unserer Heimspiele den Sportplatz, weil Schalke gleich anfängt. Bei uns ist nichts mehr los.“ Eine Lösung des Problems sieht auch Eschenröder nicht: „Ich würde mir wünschen, dass der DFB der DFL mal so richtig die Stirn bietet. Denn allein mit Werbekampagnen für die Amateure ist uns nicht geholfen.“ Als Eschenröder vor gut 20 Jahren damit begann, sich für den Fußballkreis 12 zu engagieren, hatte der Kreis 80 Vereine. Heute sind es noch 58.