Der Vorstand des SV Rhenania Bottrop wehrt sich

Die abgelaufene Saison glich für den SV Rhenania einer Zerreißprobe: Trainer und Vorstand schmissen hin, der Verein stieg zum zweiten Mal in Folge ab. Nun soll endlich Ruhe einkehren.
Die abgelaufene Saison glich für den SV Rhenania einer Zerreißprobe: Trainer und Vorstand schmissen hin, der Verein stieg zum zweiten Mal in Folge ab. Nun soll endlich Ruhe einkehren.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Die Vereinsführung um Sascha Carl will nicht „für den Niedergang des SV Rhenania“ verantwortlich gemacht werden.

Bottrop..  Der Rückblick auf die Saison 2014/2015 ist kein guter für den SV Rhenania. Die Spielzeit endete mit dem zweiten Abstieg der Herrenmannschaft in Folge. Mit Michael Kahnert kündigte der Sportliche Leiter Ende November des vergangenen Jahres. Vier Vorstandsmitglieder, allen voran der langjährige Vorsitzende Karl-Heinz Fischer, traten fünf Tage später zurück. Oliver Dirr, Trainer des Bezirksligateams, warf im März das Handtuch. Der im Januar neu gewählte Vorstand um Sascha Carl bilanzierte und analysierte nun die Geschehnisse.

Die nun Verantwortlichen wehren sich gegen die vielen Anfeindungen, mit denen sie seit der Übernahme ihrer Aufgaben konfrontiert werden. „Wir werden für den Niedergang des SV Rhenania verantwortlich gemacht“, stellte Geschäftsführer Alfred Szepetiuk fest. „Wir tragen aber nur die Konsequenzen von Entscheidungen, die der alte Vorstand getroffen hat.“

Kaum finanzieller Spielraum

Kritik an den Entscheidungen des geschäftsführenden Vorstands habe es schon 2013 gegeben – intern. „Die Ausrichtung, vermehrt auf die jüngeren Spieler zu setzen, ist in Frage gestellt worden. Hätten gewisse Leute im Verein auf ihre Tantiemen verzichtet, wären Neuverpflichtungen nach dem Landesligaaufstieg möglich gewesen. Stattdessen folgte der Abstieg.“

Insgesamt 28 Seniorenspieler verließen seinerzeit den Verein; Zugänge für die erste Mannschaft waren aus Sicht der aktuellen Vorstandsmitglieder „nicht bezirksligatauglich“. Im November machten Szepetiuk und Carl einen weiteren Vorschlag zur Bewältigung der angespannten Situation. Sascha Carl: „Auch um die verantwortlichen Leute aus der Schusslinie zu nehmen, hat Fredi angeboten, den Aufgabenbereich des Sportlichen Leiters zu übernehmen. Michael Kahnert war für eine andere Funktion vorgesehen, er sollte Nachfolger von Karl-Heinz Fischer werden.“ Doch der Vorschlag sei abgelehnt worden.

Am 3. Dezember verlas Karl-Heinz Fischer die Kündigung Kahnerts. Darauf traten Fischer, Stellvertreter Klaus Henne und die Geschäftsführer Peter Hoffmann und Markus Idczak zurück. Diese Entwicklung habe der aktuelle Vorstand aber nicht gefordert. „Alle Vorschläge wurden abgeblockt, dennoch blieben wir loyal“, betonen auch der stellvertretende Vorsitzende Norbert Lüer und der 2. Geschäftsführer Hans-Peter Titz.

Eine Übergabe vom alten an den neuen Vorstand habe bisher nicht stattgefunden. Im Gegenteil. Szepetiuk: „Für uns war es Freischwimmen im eiskalten Wasser. Wir könnten die Füße hochlegen, helfen aber, wo man uns braucht. Wir sind fünf bis sechs Tage in der Woche hier und müssen uns anschießen lassen. Das wollen wir nicht einfach so hinnehmen.“

Der neue Vorstand erledigt auch vormals finanziell honorierte Tätigkeiten komplett ehrenamtlich. So habe man sich dringend benötigten Spielraum verschafft. „Wir haben für alle zurückgelassenen Altlasten gerade gestanden“, versichert Szepetiuk. „Wir standen an der Klippe. Sponsoren sind abgesprungen, inzwischen greift unser neues Marketingkonzept erfolgreich.“

Bei der Planung der sportlichen Zukunft entschieden sie sich mit der Verpflichtung des Oberhauseners Markus Nickel bewusst für einen Trainer von außerhalb, die ersten Spielerzugänge stehen ebenfalls fest. „Am 1. Juli werden wir eine qualitativ gute Mannschaft stellen. Wir sind auf dem Markt aktiv geworden, weil uns 15 Spieler der ersten und zweiten Mannschaft verlassen. Aber wir haben niemanden weggejagt.“

In Ruhe weiterarbeiten

Für das eigene Engagement wünschen sich die Verantwortlichen nur eins: in Ruhe arbeiten zu können – bis zu den Neuwahlen 2016. Szepetiuk: „Wir haben die Ruhe behalten, werden uns aber auch weiter wehren, ohne dabei schmutzige Wäsche zu waschen. Wir suchen immer noch den Weg zu den Leuten, aber leider findet eine Kommunikation nicht statt.“