Der Bundestrainer schlug einst in Bottrop auf

Als Jugendlicher schlug Bundestrainer Oliver Pettke auch in Bottrop auf.
Als Jugendlicher schlug Bundestrainer Oliver Pettke auch in Bottrop auf.
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Was wir bereits wissen
Einst schlug er in Bottrop auf, heute ist Oliver Pettke der Squash-Bundestrainer für die Männer, Frauen und Junioren. Ein Gespräch.

Bottrop..  Einst schlug er in Bottrop auf, heute ist Oliver Pettke der Squash-Bundestrainer für die Männer, Frauen und Junioren. Ein Gespräch über die Vergangenheit und die Gegenwart.

Herr Pettke, einst haben Sie selbst in Bottrop aufgeschlagen und Trainingsstunden beim PSV Bottrop gegeben. Das war in der Boom-Zeit der Sportart. Sind die Erinnerungen daran mit Wehmut verbunden?
Ich bin Jahrgang ‘75, von den richtig großen Jahren des Squash habe ich daher nur um die zehn miterlebt. Wir wohnten damals in Oberhausen an der Grenze zu Bottrop, meine Eltern haben in der Bottroper Innenstadt beim PSV gespielt, deshalb war ich manchmal auch dabei. Ambitioniert hatte ich damals allerdings schon in Mülheim gespielt und dort von der untersten Liga bis zur Bundesliga alles mitgemacht. Dann begann die Zeit, in der der Sport bröckelte, in der das Hallensterben einsetzte und die Courts zu allem Möglichen umgebaut wurden. Das hat dazu geführt, dass Squash in einigen Regionen wirklich ausgestorben ist.

Das muss für Sie als Bundestrainer ja ein Albtraum sein. Weniger Hallen, weniger Vereine – weniger Spieler sind die logische Konsequenz.
Ja, der Talentpool ist kleiner geworden. Die Probleme in der Nachwuchsgewinnung und in der Breite unserer Sportlandschaft bekomme ich natürlich hautnah mit. Derzeit sind wir Deutschen zwar international so erfolgreich wie nie zuvor, gerade ist Nationalspieler Simon Rösner auf einem großen Turnier in der New Yorker Grand Central Station, er ist die Nummer zehn der Weltrangliste. Die Öffentlichkeit bekommt davon allerdings kaum etwas mit, und mittelfristig wird es noch schwieriger werden. Die Riesenerfolge in der Jugend sind jetzt schon rar, das wird künftig Auswirkungen auf den Erwachsenenbereich haben. Der Verband unternimmt verschiedenste Versuche, den Sport wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Sicher hätte ich gerne in jeder Altersklasse die Auswahl aus 50 talentierten Spielern statt aus fünf, das hätte jeder Bundestrainer gerne. Aber diese Zeiten sind leider vorbei.

In anderen Ländern ist Squash noch beliebt wie eh und je. Warum hier in Deutschland nicht mehr?
Es gibt verschiedene Gründe, das Hallensterben ist einer. Zum Vergleich: In den Commonwealth-Ländern und vor allem im Squash-Geburtsland England hat der Sport einen hohen Stellenwert, im Gegensatz zu Deutschland werden viele Hallen dort von Vereinen betrieben und nicht von Privatpersonen. Die gestiegene Zahl an Freizeitmöglichkeiten und der Offene Ganztag sind weitere Schwierigkeiten, mit denen wir kämpfen. Uns bleibt die Hoffnung, dass Squash irgendwann olympisch wird. Dann wären auch die Fördermöglichkeiten für unsere Spieler ganz andere.