Bottrops Fußball – wenige Gewinner, viele Verlierer

Und wieder ist das Ding drin: Nicht nur Fußball-Bezirksligist Dostlukspor erlebte eine katastrophale Saison.
Und wieder ist das Ding drin: Nicht nur Fußball-Bezirksligist Dostlukspor erlebte eine katastrophale Saison.
Foto: WAZ FotoPool
Die Fußballsaison im Niederrhein-Verband ist vorbei. Zum Glück! Kaum ein Bottroper Team hat sich in dieser Spielzeit mit Ruhm bekleckert. Ein ernüchternder Rückblick.

Bottrop.. Die Fußball-Saison ist größtenteils beendet. Zum Glück, muss man wohl sagen. Denn die Spielzeit 2014/2015 war die schlechteste seit vielen Jahren. Absteiger, wo man hinblickt. Landesliga, Bezirksliga, Kreisliga A. Kaum ein Bottroper Team hat sich in dieser Spielzeit mit Ruhm bekleckert. Ein Blick auf wenige Gewinner und viele Verlierer.

Gewinner

SV Fortuna
Auch im zweiten Jahr nach dem Aufstieg waren die Fortunen das beste Bezirksligateam Bottrops. Es gibt nicht wenige, die behaupten, dass der SV Fortuna generell das beste Team der Stadt sei. Den ansehnlichsten Fußball spielt es jedenfalls. Sieben Siege und fünf Unentschieden gab es in der Hinrunde, mit nur 17 Gegentreffern stellten die Fortuna die zweitbeste Defensive, waren zu Hause ungeschlagen. Zum Ende der Rückrunde schwächelten die Rheinbaben allerdings wegen personeller Engpässe ein wenig. Sonst wäre sogar mehr drin gewesen als der finale sechste Platz. Die Richtung behalten die Fortunen bei: Sie setzen weiter auf den eigenen Nachwuchs und auch der eine oder andere Zugang wird problemlos eingebaut. Trainer Marco Hoffmann stellt hohe Ansprüche, erntet dafür aber auch häufig die Belohnung. „Die Spieler wissen, dass wir sie in ihrer Entwicklung weiterbringen wollen“, sagt Hoffmann.

Sportfreunde Bottrop II
Wie bitte?! Ein Absteiger wird hier zu den „Gewinnern“ gezählt? Zugegeben, sportlich lief es verdammt schlecht in der Kreisliga B. Das Team bekam oft die Hucke voll und stieg mit fünf Punkten und einem Torverhältnis von 21:155 sang- und klanglos ab. Aber: Die Sportfreunde traten bis zum Schluss an, sie brachten die Saison zu Ende. Keine Selbstverständlichkeit bei der hohen Zahl der Rückzieher in den unteren Ligen. Dabei schlug die Sportfreunde-Reserve eine Schlacht, die sie eigentlich gar nicht gewinnen konnte. Nach der Fusion der beiden Traditionsvereine Vorwärts 08 und Viktoria 21 gab es plötzlich nur noch zwei statt drei Teams an der Paßstraße, die C-Liga-Mannschaft von Trainer Dieter Stauvermann (ehemals Viktoria II) wurde um eine Spielklasse nach oben befördert. Immer wieder fehlten Spieler, die Alten Herren mussten aushelfen. Doch sie spielten!

Besondere Erwähnung: Aus der Kreisliga C steigen BW Fuhlenbrock II und SV 1911 II auf. Die Frauen von Blau-Weiß Fuhlenbrock wurden am Ende Kreispokalsieger und feierten den Klassenerhalt in der Landesliga. Die A-Junioren des SV Rhenania marschierten ungeschlagen durch die Leistungsklasse.

Verlierer

VfB Bottrop
Schon vor der Saison war klar, dass es schwer werden würde in einer Gruppe mit 14 Mannschaften und fünf (!) Absteigern. Aber der VfB hatte ja zuvor schon das erste „Reformjahr“ mit erhöhter Absteigerzahl überlebt, warum sollte es also nicht noch einmal klappen? Nun ja, ein schönes Sprichwort lautet: Ein Blitz schlägt nie zweimal am selben Ort ein. Und so rettete sich eine qualitativ nicht landesligataugliche Mannschaft am Ende kein zweites Mal. In der Hinrunde gab es nur einen Sieg und trotzdem noch eine Resthoffnung für die zweite Saisonhälfte. Während sich die Konkurrenz im Winter weiter verstärkte, konnten die Schwarz-Weißen lediglich ihren früheren Kapitän Daniel Späth ins Jahnstadion zurücklotsen, der dann auch noch durch anhaltende Kniebeschwerden häufig ausfiel. Viel zu wenig im sportlichen Überlebenskampf. Der Angriff blieb gewohnt harmlos und nach einem kleinen Aufwind mit zwei Siegen folgte der erneute Einbruch. Der Abstieg war schon Wochen vor dem Spielzeitende besiegelt.

SV Rhenania
Nach dem Landesligaabstieg hatten viele den SV Rhenania im Vorfeld zumindest als eines der besseren Teams der Bezirksliga erwartet. Doch die Realität war eine andere, am Ende stieg der Klub sang- und klanglos in die Kreisliga ab. Wie konnte das passieren? Die Marschroute war eine ambitionierte, es sollte mit vielen jungen Eigengewächsen mittelfristig wieder in die Landesliga gehen. Der Start misslang, es gab interne Querelen, der Vorstand trat zurück, Trainer Oliver Dirr wurde gefeuert und wenige Minuten später wieder eingestellt, es wurden altgediente Spieler zurückgeholt und dann doch wieder Jugendliche eingesetzt, die sich dann auch noch Undiszipliniertheiten leisteten. Es war das reinste Chaos und man fragte sich als Beobachter nur ungläubig, wie sich ein Verein selbst so zerlegen kann.

Dostlukspor
Platz elf nach der Hinrunde, viele erstaunlich souveräne Auftritte – was sollte da groß schiefgehen? Einiges! Erst ging Trainer Milan Lazic Mitte November und das hauseigene Trainerduo Orhan Bayat/Tacettin Senyüz übernahm. Die Ergebnisse waren okay, aber Ende März gab es das richtig schwere Erdbeben: Der Vereinsvorsitzende Nuh Arslan setzte das Duo ab. Weil die Undiszipliniertheiten zugenommen hätten und er einen „Rückfall in alte Zeiten fürchtete“. Mit Trainer Senyüz gingen aber auch die Leistungsträger und Dostlukspor fiel in den Folgewochen mit einer Rumpftruppe wie ein Stein dem Tabellenkeller entgegen. Die Drittvertretung wurde währenddessen zurückgezogen und die Zweite stieg aus der Kreisliga A ab, weil das Personal in der Ersten gebraucht wurde. Ein Jahr zum Vergessen.

VfR Ebel
Der VfR hat die Klasse gehalten, warum ist der Verein also ein Verlierer? Weil die Ziele ganz andere waren. Sonst holt man nicht Sebastian Stempel als Spielertrainer und mit ihm zahlreiche hochwertige Kicker wie beispielsweise Sven Ingler. Zeitweise war die Bezirksliga auch ganz nah, der VfR war Tabellenführer. Doch die Liebe zwischen Stempel und dem VfR erkaltete zunehmend, der freie Fall in der Tabelle begann. Anfang April warf der Trainer hin. Die Talfahrt des VfR fand schließlich doch noch ein Ende und zwei Tage vor dem letzten Ligaspiel war Ebel gesichert. Das ging gerade noch mal gut.


Barisspor
Es war ein schlechtes Jahr für Barisspor und am Ende waren sie nur in einer Tabelle weit vorne: in der umgedrehten Fair-Play-Wertung. 96 (!) Gelbe Karten, sieben gelb-Rote und drei Rote standen am Ende zu Buche. In schlechter Erinnerung wird besonders der Spielabbruch samt Massenschlägerei bei Sterkrade 06/07 in der Hinrunde bleiben. Sportlich muss Barisspor eigentlich ins Entscheidungsspiel um den Klassenerhalt, kämpft aber derzeit vor der Bezirksspruchkammer in Duisburg um den Punktgewinn aus einem vorherigen Spiel, in dem zwei gegnerische Akteure wohl nicht hätten spielen dürfen. Egal wie es dort ausgeht: Gut war diese Saison nicht.

SV Vonderort
Neue Spieler, neue Trainer – der SV Vonderort präsentierte sich in den jüngsten Jahren immer wieder anders und wurde zur beliebten Anlaufstelle für so manchen „Fußballsöldner“. Doch im Gegensatz zu den Vorjahren gelang diesmal nicht die Rettung in der Kreisliga B, diesmal stiegen die Löwen vom Wienberg ab. So schnell werden sie auch nicht mehr aufsteigen. Trainer Fahrudin Kovac und seine Spieler suchten nach dem finalen Spiel das Weite, Manager Peter Raabe findet keinen Ersatz. In der kommenden Saison wird es daher wohl kein Herrenteam in Vonderort mehr geben. Damit ist der Tiefpunkt der Vereinsgeschichte erreicht.

Besondere Erwähnung: Ein Spieler der Sportfreunde sorgte mit einer Ohrfeige für einen Eklat. Der geschlagene Schiedsrichter beendete daraufhin seine Laufbahn.

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