Bottrop Blackjacks – kein Platz für den Home Run

Die neuformierten Blackjacks um Bernd Braun (2.v.l.) wollen spätetsens in eineinhalb Jahren am Ligabetrieb teilnehmen.
Die neuformierten Blackjacks um Bernd Braun (2.v.l.) wollen spätetsens in eineinhalb Jahren am Ligabetrieb teilnehmen.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Die Bottrop Blackjacks wollen sich von einem Spaß- zu einem Liga-Team entwickeln. Allerdings fehlt ihnen als Grundvoraussetzung eines: ein fester Platz.

Bottrop..  Beim Baseball muss man sich schnell entscheiden. Schwingen oder abwarten? Es bleiben nur Sekundenbruchteile. Ausholen und einen Fehlversuch (Strike) riskieren? Oder ruhig bleiben und darauf spekulieren, dass der aus einem harten Korkkern bestehende Ball falsch geworfen wurde? Es ist das Duell Pitcher gegen Batter, das des Werfers gegen die Schlagmänner des Gegners, das Millionen Fans auf der ganzen Welt an diesem amerikanischen Sport so fasziniert.

Auch die Bottroper Blackjacks mussten sich nach dem Winter entscheiden. Wollen sie ein Spaßteam bleiben, das sich nur einmal wöchentlich trifft, um den großen Fanghandschuh überzustülpen? Oder wollen sie doch die „professionellere“ Richtung einschlagen, das Training intensivieren und den Start im Ligabetrieb anstreben? Sekundenbruchteile reichten für diese Entscheidung nicht. Und seit sie gefallen ist, hat sich vieles verändert.

Zwei Lager im Team

Es ist knapp eineinhalb Jahre her, dass die WAZ zuletzt das Training des einzigen Bottroper Baseballklubs besuchte. Die Spieler von damals sind größtenteils nicht mehr dabei. Stattdessen haben sich neue Mitglieder in der Baseballabteilung des PSV Bottrop eingefunden. Sie ziehen sich nun die grauen Hosen mit den schwarzen Shirts über, um an diesem Abend auf dem Ascheplatz in Vonderort zu trainieren. Fangtraining steht auf dem Programm, Trainer Philipp Martin schlägt die Bälle wuchtig Richtung Boden. „Plong“ hallt es über den Platz. Staub wirbelt auf, als der Ball auf dem Boden aufschlägt, 20 Meter weit rollt und schließlich im Handschuh eines Feldspielers landet. „Gut gemacht“, lobt Martin. Gerade die Aufsetzer auf dem Boden sind besonders schwer zu fangen.

„Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Abteilungsleiter Bernd Braun. Knapp drei Monate ist es her, dass das Team sich für einen Weg entscheiden musste. „Die Abteilung wuchs und irgendwann gab es zwei Lager in der Mannschaft. Die einen wollten in der Liga spielen, die anderen nur Spaß. Klar, dass das zu Spannungen geführt hat“, so Braun.

Mittlerweile ist das Ziel klar, nur der Weg ist ein steiniger. Rund 15 Spieler stehen zweimal wöchentlich auf den Plätzen in der Welheimer Mark und in Vonderort. Auf Fußballplätzen. „Wichtig wäre für uns zunächst, eine feste Heimat zu haben. Dann müsste man das viele Trainingsmaterial nicht ständig hin und her kutschieren und könnte vielleicht sogar an eine Anschaffung wie eine Wurfmaschine denken“, sagt Braun. Am liebsten wäre den Blackjacks natürlich ein eigenes Baseballfeld. „Wir bräuchten nur ein Stück Land, umbauen könnten wir es auch selbst. Aber Baseball kostet nun einmal viel Geld, gerade im Ligabetrieb. Aber wir bekommen keine Sponsoren ohne festen Platz. Einen festen Platz bekommen wir nicht, weil wir noch zu wenig Mitglieder haben. Mitglieder kommen aber nicht, wenn wir nicht in der Liga spielen. Es ist ein Teufelskreis“, sagt Braun kopfschüttelnd.

In New York aus Bottrop gehört

Dem Vorsitzenden liegt viel an seinem Team und dem Sport mit der Aluminiumkeule. Als der 34-Jährige erfuhr, dass ein Bottroper Baseballteam Mitglieder sucht, weilte er gerade in New York. Der langjährige Baseballfan hatte sich einen Traum erfüllt und saß im Stadion bei einem Spiel des US-Profiteams Mets. „Ich hatte vor Ewigkeiten mal in Duisburg gespielt, aber als ich das las, war ich sofort Feuer und Flamme“, berichtet Braun.

Übers Internet versucht er seitdem, neue Mitglieder zu locken. Der Traum vom eigenen Platz und der Gründung einer Jugendabteilung treibt ihn an. Es gibt bereits eine Team-Freundschaft mit den Sly Dogs aus Marl und ein gemeinsames Softball-Team mit den Dortmund Dragons (Softball ist mit dem Baseball verwandt, der Ball ist aber deutlich größer). „Vom Niveau her könnten wir locker in der untersten Klasse, der Bezirksliga, mithalten“, ist sich der Bottroper sicher.

Kürzlich haben sich die Blackjacks beim Welheimer Stadtteilfest in Szene gesetzt. „Interessierte gab es viele, vor allem Kinder“, sagt Braun. Die Entwicklung des Klubs will er weiter vorantreiben, in spätestens eineinhalb Jahren soll in der Liga gespielt werden. „Plong“ hallt es wieder über den Platz. Bis dahin werden im Training weiter viele Bälle geschlagen.