Zwei „geschenkte Tore“ besiegeln Niederlage

Mit einer Überraschung begann der Sonntag, mit der ersten Heimniederlage endete er. Beim 1:2 gegen RB Leipzig stand nämlich wieder Andreas Luthe zwischen den Pfosten des Bochumer Tores. Zuvor war bekannt geworden, dass Michael Esser, seit Jahresbeginn die Nummer eins des VfL, den Zweitligisten im Sommer verlassen wird. Esser wechselt nach Österreich zum derzeitigen Tabellendritten der Ersten Liga, SK Sturm Graz. Er erhielt einen Dreijahresvertrag inklusive Option. Zudem war wohl die Aussicht, aus der Zweiten Bundesliga auf geradem Wege die europäische Fußballbühne zu erklimmen, zu verlockend für den eigentlich bodenständigen Castroper.

Jedenfalls zogen die Verantwortlichen beim VfL die Konsequenzen und setzten Esser zur Strafe auf die Reservebank. Keine leichte Übung für Luthe, denn RB Leipzig legte los wie die Feuerwehr. „Der Gegner muss hinter uns herlaufen”, hatte VfL-Trainer Gertjan Verbeek gefordert. Doch nun lief es erst einmal genau andersherum. Das offensive Dreigestirn der Sachsen mit Yussuf Poulsen, Emil Forsberg und Yordy Reyna setzte - im Verbund mit dem Rest der Gästemannschaft - die Bochumer Abwehr derart unter Druck, dass die Gastgeber keinen vernünftigen Spielaufbau hinbekamen. Die Leipziger ließen dem VfL keine Ruhe, der Ball ging viel zu schnell verloren. Und bereits mit der ersten Aktion des Spiels hätten die Bochumer in Rückstand geraten können, aber Emil Forsberg köpfte nach einer Reyna-Flanke daneben. Anschließend entschärfte Luthe Dominik Kaisers Freistoß und war dann wenig später doch geschlagen: Patrick Fabian, der vor einer Woche in Darmstadt noch gesperrt gefehlt hatte, spielte dem quicken Forsberg praktisch in die Füße, und Poulsen, der Torjäger der Leipziger, hatte keine Mühe zum 0:1 zu vollenden.

Beinahe hätte das Duo seine Torproduktion fortgesetzt, aber diesmal zielte Poulsen nicht gut genug. Niemand hatte Forsberg bei der Ballannahme gestört, die Gäste konnten ungestört ihren Konter fahren. Konter deshalb, weil der VfL inzwischen besser ins Spiel gekommen war und sich nun dem Tor der Sachsen gelegentlich nähern konnten. Zum Beispiel als Marco Terrazzino, der viel versuchte, nach Doppelpass mit Thomas Eisfeld verzog. Oder als Simon Terodde, angespielt von Stefano Celozzi, den Ball volley aus der Drehung RB-Schlussmann Fabio Coltorti in die Arme schoss.

Da lief bereits die zweite Halbzeit, und es sollte nicht mehr lange dauern, bis auch Coltorti geschlagen war. Nach einem Eckball ließen sich die Gäste klassisch auskontern. Guter Abwurf von Luthe auf den eingewechselten Michael Gregoritsch, ebenso präziser Diagonalpass in den Lauf von Simon Terodde - und das 1:1 war perfekt. Nun war richtig Stimmung in der Bude, die jedoch vor allem Schiedsrichter Weiner nur fünf Minuten später zunichte machte. Ein regelgerechtes Tackling von Fabian ahndete der Unparteiische zu Unrecht mit einem Freistoß, und unter der Mauer hindurch traf Dominik Kaiser zur erneuten Führung für die Gäste. „Dass die Mauer springt, haben die Torhüter nicht so gerne“, merkte Verbeek an.

Aber es blieb nicht bei diesem Dämpfer. Weiner stellte auch noch Anthony Losilla mittels Gelb-Roter Karte vom Platz, damit war die Partie entschieden. In Unterzahl gelang es dem VfL nicht mehr, Druck zu entwickeln. Die erste Heimniederlage unter Trainer Gertjan Verbeek war perfekt. „Es ist schade, dass wir gar nicht gepunktet haben”, sagte Verbeek anschließend und sprach von geschenkten Tore: „Das erste haben wir Leipzig geschenkt, das zweite der Schiedsrichter.”