Zoff unter Trainern bei der SG Wattenscheid 09

Engin Tuncay ist enttäuscht vom Verein.
Engin Tuncay ist enttäuscht vom Verein.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Die Trainer Thorsten Sievert und Engin Tuncay, die sofort und im Sommer aufhören werden, erheben Vorwürfe gegen den Verein und Regionalliga-Trainer Farat Toku. Der sagt: „Wir wollten uns neu aufstellen.“

In der Nachwuchsabteilung von Wattenscheid rumort es seit Wochen, nun hat es geknallt: U19-Trainer Thorsten Sievert hat sein Amt niedergelegt, Nachwuchsleiter Engin Tuncay wird im Sommer gehen. Die beiden A-Lizenz-Inhaber fühlen sich von Farat Toku, dem Trainer der ersten Mannschaft, ausgebootet und vom Vorstand im Stich gelassen. „Wir wurden hintergangen“, sagt Tuncay: „Um weiter in den Spiegel schauen zu können, musste ich zurücktreten.“

Ein Blick zurück: Im Dezember letzten Jahres bekam Sievert von Tuncay und Jugendvorstand Georg Sokoll die Zusage, die U19 weiter zu trainieren. So schildert es Sievert. Später hieß es, er solle auch Nachwuchs-Cheftrainer werden. „Dann sind wir in die Planung für die neue Saison gegangen, Mitte April stand der Kader“, berichtet Sievert, der aus allen Wolken fiel, als ihm der Vorstand Ende April mitteilte, dass nun doch nicht mehr mit ihm geplant werde: „Es hieß: Farat will nicht mit dir zusammenarbeiten. Dabei ist nie etwas vorgefallen, wir hatten bis dahin überhaupt nur zweimal gesprochen. Vielleicht hatte er ja Angst, ich könnte ihn irgendwann beerben. Toku sammelt nur Leute um sich, die Ja und Amen zu allem sagen.“

Kurz darauf aber gab es ein erneutes Gespräch, Tuncay hatte sich dafür eingesetzt. „Da hat sich der Vorstand Frank Kolberg bei uns entschuldigt und gesagt, er wolle versuchen, dass es bei der ursprünglichen Lösung bleibt.“ Doch das Gegenteil passierte: Anfang Mai habe der Vorstand Sievert mitgeteilt, dass sich Toku keine Zusammenarbeit vorstellen könne, sein eigenes Team aufstellen will und deswegen nicht über den Sommer hinaus mit Sievert geplant werde. Der U19-Trainer war „einfach nur enttäuscht“ und legte daraufhin sein Amt sofort nieder. „Es ist traurig, dass hier nicht der Verein, sondern eine einzelne Person im Vordergrund steht. Noch schlimmer finde ich es, dass der Vorstand darüber Bescheid weiß, nichts dagegen unternimmt und uns hintergeht. Das alles ist über meinen Kopf hinweg entschieden worden“, meint Nachwuchsleiter Engin Tuncay, der wie Sievert lange mit dem Verein verbunden ist und auch noch die zweite Mannschaft trainiert: „Um so schwerer ist mir die Entscheidung gefallen, aufzuhören. Aber ich kann das nicht mit tragen, nicht auf diese Art und Weise.“

Kolberg hätte mit beiden gerne weiter gearbeitet und meint: „Es tut mir leid, ich kann die Enttäuschung verstehen. Es ist Farats Konzept, aber die Entscheidung ist im Kollektiv gefallen.“ Toku findet die Aufregung übertrieben: „Ich will keine Schlammschlacht. Es ist nichts Persönliches, wir wollten uns neu aufstellen.“ Für die U19 ist mit dem Co-Trainer des Regionalliga-Teams, Olaf Gaedigk, ist bereits ein neuer Coach gefunden, für die zweite Mannschaft sucht die SG 09 noch.