Vor verschlossenen Toren

„Herzlich willkommen
„Herzlich willkommen
Foto: WAZ BOCHUM

Der VfB Günnigfeld und die SpVgg. Gerthe bekommen die Auswirkungen der Personalnot bei der Stadt aktuell knüppeldick zu spüren. Im konkreten Fall in Günnigfeld ist der zuständige Platzwart seit eineinhalb Jahren erkrankt, bislang hatte ein städtischer Not-Pool diesen Ausfall auffangen können. Doch auch der ist jetzt erschöpft. Und so stehen die Mitglieder nun vorerst vor verschlossenen Türen – bis zum 29. Juni. So lang hat die Stadt die Sporthallen an der Kirchstraße (Günnigfeld) und an der Heinrichstraße (Gerthe) gesperrt. Die Hallensportler können gar nicht mehr trainieren, sie hat es am härtesten getroffen. Die Fußballer (Günnigfeld steckt mitten im Landesliga-Abstiegskampf) können zwar noch über Umwege auf die Plätze, sich aber weder umziehen noch duschen oder auf die Toilette gehen. Denn die sanitären Anlagen befinden sich in der Halle.

Für den VfB-Vorsitzenden Frank Scheffler ein unhaltbarer Zustand. „Das geht gar nicht“, sagt Scheffler. Er kritisiert nicht nur die Kurzfristigkeit dieser Maßnahme, sondern vermisst auch ein gewisses Entgegenkommen der Stadt. „Als die Frage aufkam, ob wir uns um die Flüchtlinge kümmern könnten, haben wir sofort alles versucht: Wir haben Trikots und Schuhe gesammelt, die Flüchtlinge bei uns trainieren lassen. Und dann kommt so ein Ding zurück. Für mich immer noch unfassbar.“ Auch VfB-Mitglied Sandra Rosolski, deren Sohn montags mit dem Opa zum Turnen geht, ist bedient: „Erklären Sie einem Dreijährigen mal, dass er nicht zum Sport kann, weil keiner die Tür aufmacht.“ Ferner sind auch erwachsene Turner und Badminton-Spieler betroffen.

Da die Stadt in den nächsten Jahren nicht nur massiv Personal abbauen muss, sondern auch einen hohen Krankheitsstand hat, werden die jüngsten Hallensperrungen nicht die letzten ihrer Art gewesen sein. Das weiß auch Scheffler, der deshalb stets betont, unbedingt mit dem Sport- und Bäderamt ins Gespräch kommen zu wollen, um nach Lösungen zu suchen.

Der Sport- und Bäderamts-Vorsitzende Klaus Retsch jedenfalls ist der Letzte, der derlei Sperrungen gern durchführt: „Wir wollen den Sport unterstützen und nicht verhindern. Wir lehnen uns jetzt ganz sicher nicht zurück.“

Bereits heute soll nach WAZ-Informationen ein Treffen zwischen Sportausschuss und Sport- und Bäderamt stattfinden. Dabei könnte es vor allem um die Schlüsselgewalt gehen, die Scheffler übergangsweise fordert. Retsch: „Auch das werden wir noch mal kritisch prüfen.“ Bis eine kurzfristige Lösung gefunden ist, müssen sich die Günnigfelder und Gerther Sportler aber vorerst in Geduld üben.