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Vom guten Gefühl, zur Uni zu gehen

07.11.2012 | 15:54 Uhr
Vom guten Gefühl, zur Uni zu gehen
09-Neuzugang Niklas Andersen (3.v.re.) hat seinen Teamkollegen Kevin Brümmer (2.v.re.) vorerst von der linken Abwehrseite verdrängt.Foto: Gero Helm

Der Unterschied zu Niklas Andersens „früherem Leben“ könnte momentan größer nicht sein: In den letzten vier Jahren als Profi bei Werder Bremen und beim Chemnitzer FC hatte der 24-Jährige sehr viel Freizeit. Aber seitdem sich der 1,91 m große Innenverteidiger für einen Wechsel zum Oberligisten SG Wattenscheid 09 entschieden hat, ist das Vergangenheit. „Bei meinem Terminkalender kann ich definitiv nicht mehr chillen“, sagt Andersen, der im September an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen ein Medieninformatik-Studium begonnen hat. „Das ist aber okay so. Nur Fußball - das war nicht mein Lebensstil.“

Zumal es mit dem großen Durchbruch (zu) lange nicht geklappt hat. Bei Werder kam Andersen auf einen Bundesliga-Kurzeinsatz und 63 Drittliga-Spiele. Zudem bremste eine Schambeinentzündung den Sohn des Ex-Bundesliga-Trainers Jörn Andersen über ein Jahr lang aus - es wurde Zeit für die Wende, nicht nur im sportlichen Bereich. „Ich bin ehrlich: Ich finde es schöner, wenn du um 7 Uhr aufstehst und gleich zur Uni gehen kannst“, sagt Andersen, der in Buer wohnt und jeden Morgen vier Minuten mit dem Fahrrad zur Uni fährt: „Dieses Tagesprogramm ist einfach viel ausfüllender. Ich bereue den sportlichen Rückschritt nicht.“

All’ das sagt Andersen mit so viel Ruhe und Überzeugung, dass man dem Hobby-Golfer, der in seiner Freizeit auch gern Gitarre und Bass spielt, diese Worte abnimmt.

Aber warum eigentlich Wattenscheid? Wo doch Vereine wie der VfB Hüls, FC Kray oder sein Ex-Klub RW Essen eine Liga höher kicken und ähnlich weit entfernt sind. „Die SG hat sich sehr um mich bemüht, das Umfeld hier ist klasse“, lobt der 24-Jährige das, wovon so gut wie jeder Neuzugang in Wattenscheid begeistert ist: „Die Mannschaft ist charakterlich herausragend. Und ich wollte unbedingt zurück in den Ruhrpott.“

Schließlich kickte Andersen in der Jugend lange beim FC Schalke 04 und bei RW Essen. Weil auch 09-Trainer André Pawlak eine Schalker Vergangenheit als Juniorentrainer hat, war die Kontaktaufnahme naheliegend.

Ansonsten aber ist der sympathische, aufgeschlossene Typ häufig umgezogen, was mit der Spieler- und Trainerkarriere seines Vaters zusammenhängt. Schweiz, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, Gelsenkirchen, zuletzt Bremen und Chemnitz: Verständlich, dass man sich da nach etwas Kontinuität sehnt. „Es war ziemlich blöd, jedes Mal seine Freunde zurückzulassen“, sagt Andersen.

An der Lohrheide hat sich der 24-Jährige in wenigen Wochen nicht nur „gut eingelebt“, sondern auch zum Stammspieler gemausert, vorerst Kevin Brümmer auf der linken Abwehrseite verdrängt. „Eigentlich spiele ich lieber innen. Ich bin nicht unbedingt der Typ, der die Linie rauf- und runter rennt“, sagt Andersen lachend, bescheinigt sich anschließend ein „gutes Auge“ und erwähnt seine Prioritätenliste: „Ich habe dem Trainer gesagt, dass ich spielen will. Mir ist dann erst einmal egal, wo.“ Also ist er vorerst doch der Typ, der die Linie rauf- und runter rennt.

Seine gute Ausbildung jedenfalls erkennt man auf dem Rasen sofort: Andersens Seite ist meistens dicht, im Zweikampfverhalten macht ihm so schnell keiner etwas vor - zumal ja hier von Oberliga-Niveau die Rede ist: „Klar fällt in dieser Spielklasse alles etwas leichter.“

So leicht, dass der Durchmarsch in die Regionalliga für die spielerisch extrem starke SG 09 drin ist? „Vielleicht“, sagt Andersen, lächelt und hält sich darüber hinaus doch lieber bedeckt. Obwohl klar ist, dass der Spitzenreiter inzwischen nur noch ein Ziel kennt: den Aufstieg.

Noch weiter nach oben soll es nach einem ja zu vermutenden Aufstieg für ihn vorerst nicht mehr gehen. Sein Zeitplan: „Ich will mein Studium durchziehen. Höher als Regionalliga will ich in den nächsten drei Jahren nicht spielen.“

Felix Groß



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