Überzahl? Nur auf dem Papier

Fußball oder griechisch-römisch, das ist die Frage bei diesem Duell zwischen dem Wattenscheider Torschützen Burak Kaplan (re.) und Walid Sekkour.
Fußball oder griechisch-römisch, das ist die Frage bei diesem Duell zwischen dem Wattenscheider Torschützen Burak Kaplan (re.) und Walid Sekkour.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Es ist ja nicht so, dass Farat Toku es nicht angekündigt hätte. Auf ein „Schweinespiel“ würden sich seine Wattenscheider Regionalliga-Fußballer einstellen müssen, hatte er vor dem Abstiegsgipfel gegen die mit dem Rücken zur Wand stehenden Sportfreunde Siegen im heimischen Lohrheidestadion gesagt.

SG Wattenscheid 09 -
Sportfreunde Siegen 1:1 (0:1)

SG 09: Boss - Tobor, Klinger, Schneider, Kacinoglu - Kaplan, Mohammad (65. Avci), Grummel, Oppermann - Kaya, Taskin

Tore: 0:1 Keseroglu (10.), 1:1 Kaplan (72.)

Zuschauer: 879

Bes. Vorkommnis: Gelb-Rote Karte Bouadoud (Foulspiel und Rudelbildung)

Es ist ja nicht so, dass Farat Toku es nicht angekündigt hätte. Auf ein „Schweinespiel“ würden sich seine Wattenscheider Regionalliga-Fußballer einstellen müssen, hatte er vor dem Abstiegsgipfel gegen die mit dem Rücken zur Wand stehenden Sportfreunde Siegen im heimischen Lohrheidestadion gesagt. Schön war’s über weite Strecken der Partie bei diesigem Schmuddelwetter tatsächlich nicht – aber immerhin spannend, zumindest in den letzten 30 Minuten. Letztlich konnten die Wattenscheider zähneknirschend damit leben, die Siegener auf Abstand gehalten zu haben. Der Vorsprung auf die Abstiegszone beträgt fünf Punkte.

Was die diesmal wieder im 4-4-2-System aufgelaufenen Wattenscheider aber gegen Siegen zeigten, war phasenweise und insbesondere in der ersten Halbzeit einfach nicht gut genug. Sicher, Burak Kaplan eröffnete das Spiel nach fünf Minuten mit einem Lattenknaller.

Viel mehr kam aber nicht. Das wäre ja nur halb so bitter gewesen, wenn die Wattenscheider sich kurz darauf nicht defensiv entblößt und damit einen ihrer Vorsätze, vorsichtig zu sein bei Siegener Kontern, über Bord geworfen hätten.

Doch Necirwan Mohammad verlor ein Kopfballduell im Mittelfeld, und auf einmal lief Konstantin Möllering allein auf Tim Boss zu. Er scheiterte zwar, doch Abdullah Keseroglu staubte ab zum 0:1. Ein Auftakt, der ähnlich schlecht war wie die Passqualität auf beiden Seiten. Spielerisch war nicht viel zu sehen, und auch aus sechs, sieben Ecken im ersten Durchgang machte die SG 09 zu wenig. Bezeichnend, dass immer dann am meisten Gefahr aufgekommen war, wenn Burak Kaplan – zwei-, drei Mal war das der Fall – die Eckbälle direkt verwandeln wollte. Beim 3:0-Heimsieg gegen Kray hatte das ja noch funktioniert.

Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag, nach zehn Minuten beging Sascha Tobor in der Nähe des eigenen Strafraums ein Kamikaze-Foul an einem Siegener. Im Anschluss hatte Zouhair Bouadoud aber eine Rudelbildung angezettelt – und sah Gelb-Rot. Glück für Tobor, der mit Gelb davon kam, und dumm von Bouadoud, der seine Mannschaft damit unnötig schwächte.

Siegen stellte sich jetzt unheimlich weit hinten rein, und Wattenscheid tat sich seinerseits sehr schwer gegen dieses engmaschig aufgezogene Netz von Siegener Abwehrbeinen. Zwischenzeitlich wirkte Wattenscheid so, als hätte es das Spiel in Überzahl noch nie trainiert. Deshalb musste ein Solo von Burak Kaplan herhalten, um den Ausgleich zu erzielen (72.).

Doch dieses 1:1 konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die 09er auch danach für ein Team in Überzahl zu harmlos blieben. Vielmehr mussten sie sogar die Luft anhalten, als Möllering aus 50 Metern draufhielt, weil Boss abermals zu weit vor seinem Tor stand. Er lenkte den Ball mit letzter Kraft um den linken Pfosten. In der heißen Schlussphase hatten der eingewechselte Ridvan Avci (76.) und der laufstarke, im Abschluss aber zu harmlose Lucas Oppermann (86.) noch Schusschancen, verzogen aber.