TV Wattenscheid setzt verstärkt auf den Nachwuchs

Moníka Zapalska kam von ART Düsseldorf zum TV Wattenscheid 01.
Moníka Zapalska kam von ART Düsseldorf zum TV Wattenscheid 01.
Foto: Wolfgang Birkenstock
Was wir bereits wissen
Vier Talente hat der TV Wattenscheid in dieser Wechselperiode neu verpflichtet - und bis auf Falk Wendrich, der zum Heimatclub Soest zurückkehrte, sind alle Topleute des Leichtathletik-Vereins geblieben.

Nein, Topleute hat der TV Wattenscheid 01 nicht verpflichtet in dieser Wechselperiode. Sicher auch aus finanziellen Gründen. Doch seit einigen Jahren verfolgt einer der erfolgreichsten Leichtathletik-Klubs Deutschlands auch eine andere Philosophie: Man setzt auf den Nachwuchs, den man vor Ort, Stützpunkt in Wattenscheid, fördern und fordern, „weiter entwickeln“ will, sagt Wattenscheids Manager. „Fertige Athleten zu kaufen, macht wenig Sinn“, so Michael Huke. „Da fehlen Identifikationsmöglichkeiten.“

Die Stars der Szene ziehen selten aus ihrer gewohnten Umgebung samt Trainerteam fort. Noch hat Wattenscheid zwar auch diese bundesweit bekannten Athleten in seinen Reihen, die weit weg von der Hollandstraße trainieren: Julian Reus natürlich, den 100m-Rekord-Sprinter, oder Stabhochspringer Malte Mohr, der als gebürtiger Bochumer aber stark verwurzelt ist.

Das Gros der Spitzenathleten des TV 01 kommt bereits aus der eigenen Jugend bzw. ist mit rund 20 Jahren nach Wattenscheid gewechselt - und vier von diesen Hoffnungsträgern starten seit diesem Januar für den Großklub. Monika Zapalska (20, Hürdensprint) ist ebenso wie Kevin Ugo (19, 200/400m) ins Internat am Olympiastützpunkt eingezogen, der Sachse Fabian Gering (18/5000m) stößt nach seinem Abitur dazu. Ferner verstärkt Sonja Mosler (800m) das Team.

Als „Riesentalent“ bezeichnet Huke Monika Zapalska (kam von ART Düsseldorf), die mit Pamela Dutkiewicz, im Vorjahr DM-Dritte (Halle), trainiert. Ihr traut der Manager vielleicht schon bei der Hallen-DM in Karlsruhe zu, vorne mitzulaufen. Auch Biologie-Studentin Sonja Mosler (TV Herkenrath) ist einiges zuzutrauen: 2012 war sie Fünfte der Junioren-WM, eine Verletzung warf sie zurück, 2014 konnte sie den Kontakt zur Spitze wiederherstellen. Mit Denise Krebs hat Wattenscheid nun zwei national starke Mittelstreckenläuferinnen.

Fabian Gering kann in diesem Jahr sogar noch in der Jugend starten. Und Kevin Ugo (PSV Trier) „hat sich von sich aus bei uns vorgestellt“, erzählt Huke - und überzeugt. „Bisher hat er maximal fünfmal pro Woche trainiert“, so Huke. So ist bei dem 400m-Talent ein Leistungssprung zu erwarten.

Abgänge gibt es drei: Mirko Schmidt und Maral Feizbakshs (beide 400m) haben ihre Karrieren aus beruflichen Gründen beendet. Schmerzhaft ist dagegen der Abschied von Falk Wendrich, Fünfter der Junioren-WM 2014 in den USA: Das Hochsprung-Talent zog es zurück in seine Heimat, zum LAZ Soest. „In Wattenscheid wurde alles für mich getan“, sagte er der „Westfalenpost“. Doch das Familiäre in Soest habe er zu sehr vermisst.

DIE WM-KANDIDATEN DES TV WATTENSCHEID

Fünf Athleten des TV Wattenscheid 01 zählen zum besonders geförderten Top-Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes: Rekordsprinter Julian Reus (100m), Robin Erewa (200m), Daniel Jasinski (Diskus), Sosthene Moguenara (Weitsprung) und Malte Mohr (Stabhochsprung). Zum vergleichbaren Pool für Talente, dem Junior-Elite-Team, zählt Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz.

Darüber hinaus können sich weitere etablierte Wattenscheider Hoffnungen machen, beim Saisonhöhepunkt, der Weltmeisterschaft im chinesischen Peking, dabei zu sein. Allen voran Sprint-Oldie Alexander Kosenkow (37), der offenbar nicht müde wird und in der Staffel der Nationalmannschaft in den letzten Jahren meist stark lief. Kosenkow zählt über 200m auch noch zum A-Kader des DLV. Als B-Kader-Athleten haben auch Christian Blum, zuletzt Ersatzläufer der DLV-Sprint-Staffel, Denise Krebs (1500m), Eleni Gebrehiwot (10000m) und Deutschlands beste 400m-Läuferin Esther Cremer Chancen auf ein WM-Ticket. Ihr Comeback nach langer Verletzung gibt Kugelstoßerin Denise Hinrichs - zunächst mit der Hoffnung auf eine gute Hallen-DM. Foto: W. Birkenstock