Das aktuelle Wetter NRW 3°C

Hallen-DM in Karlsruhe

Stürmische Zeiten

01.03.2010 | 20:53 Uhr
Stürmische Zeiten

Bei der Hallen-DM in Karlsruhe räumte der TV Wattenscheid 01 ab wie noch nie: Elf Medaillen, darunter sieben Goldene, holten die Athleten. Ein Blick zurück nach vorn.

Irgendwas musste ja noch schiefgehen an diesem goldenen Wochenende für den TV Wattenscheid 01. Nachdem die Athleten ihren Sturmlauf aufs oberste Treppchen beendet hatten vor den bestens aufgelegten Zuschauern in der Karlsruher Europahalle, musste Michael Huke sehen, wo er blieb. Der Manager des TV 01 saß erst in der Nominierungs-Komission des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für die Hallen-WM und dann in Karlsruhe fest: Sturmtief Xynthia sorgte für Stillstand. Bei der Bahn. Glück im Unglück: Huke wurde mitgenommen bis Leverkusen, ein Taxi und ein tatsächlich doch noch fahrender ICE aus Düsseldorf brachten ihn letztlich sicher nach Hause.

Seine geradezu euphorische Laune konnte ihm die stürmische Rückreise ohnehin nicht wegblasen nach dieser für den TV Wattenscheid erfolgreichsten Hallen-DM aller Zeiten: „Das war schon famos”, sagte Huke, und Cheftrainer Tono Kirschbaum war auch am Tag danach noch „ein bisschen aus dem Häuschen”. Insgeheim hatten sie sich zwar mehr erhofft als die zuvor offiziell anvisierten „zwei, drei Titel”, aber „von sieben Goldmedaillen habe ich nicht einmal geträumt”, so Huke.

Am Sonntagabend gab es ein weiteres Bonbon: Yasmin Kwadwo, Deutschlands neue Sprint-Königin, wurde vom DLV doch noch für die Hallen-WM in Doha nominiert. Die 19-jährige Meisterin über 60 m wird die Farben des TV 01 neben Weitspringerin Sossi Moguenara in Katar in knapp zwei Wochen vertreten. Kwadwo hatte zwar die vom DLV geforderte Norm von 7,24 Sekunden verpasst trotz deutscher Jahresbestzeit (7,29), doch „man hat ihre kontinuierliche Leistungssteigerung belohnt”, erklärte Huke. Kwadwo ist seit Samstag die Nummer 21 der Welt in dieser Saison. Für die Sprinterin geht es in Katar nun darum, „Erfahrungen auf internationalem Top-Niveau” zu sammeln, sagt Kirschbaum. Für Sossi Moguenara, gerade mal 20 Jahre jung und längst nicht am Ende ihrer Entwicklung, ist vielleicht schon jetzt mehr drin: Mit ihren 6,75 Metern liegt sie aktuell auf Platz drei der Weltjahresbestenliste.

Kwadwo und Moguenara – zwei junge Eigengewächse des TV 01, die die ohnehin hohen Erwartungen bei der DM übertrafen. Aber nicht nur sie. So sorgte ein vergleichsweise „alter Hase” aus Wattenscheider Sicht für die „größte Überraschung”, so Kirschbaum: Bastian Swillims (27) lief in seinen ersten 400m-Rennen seit 2008 so schnell zum DM-Sieg (46,67), dass er nicht nur seine kessen Sprüche vor der DM („Bei den langsamen Zeiten der anderen ist der Titel drin”) rechtfertigte, sondern sich selbst noch überraschte. Was schon was heißen will bei dem selbstbewussten Hünen.

Mit Swillims als „Lokomotive” rannte Teamkollege Alexander Meisolle zu Silber – und torpedierte dabei seine Bestzeit um fast eine Sekunde. Nur zwei Stunden später führten sie die 4 x 400m-Staffel zum in dieser Dominanz nicht erwarteten Erfolg mit den Nachwuchs-Kräften Sascha Eder und Mirko Schmidt.

Auch Meisolle ist erst 21, auch er zählt zu diesen „jungen Wilden”, die Cheftrainer Kirschbaum so begeisterten - und Vorfreude wecken auf den Sommer. Denn erst unter freiem Himmel, so ist das nunmal in der Leichtathletik, wird wirklich abgerechnet.

AUCH DAS: GANZ STARK

28 Athleten starteten für den TV 01 bei der Hallen-DM. Im Rampenlicht stehen am Ende „nur” die, die es wenigstens aufs Treppchen schafften – was nicht immer fair ist. Esther Cremer zum Beispiel überzeugte nicht nur beim Silberlauf mit der jungen Staffel, die auch ohne 200m-Spezialistinnen wie Maike Dix fast Topfavorit Leverkusen überrannt hätte. Auch im Einzel zeigte Cremer als Gesamtfünfte über 200 m eine starke Leistung, schließlich ist sie auf der 400 m-Bahn zu Hause und hatte wegen einer Bronchitis zu Jahresbeginn wochenlang nicht richtig trainiert. Oder Nils Büker: Der Mehrkämpfer wurde im Weitsprung Vierter – mit persönlicher Bestleistung von 7,52 m

ENTTÄUSCHUNGEN: Schulte nur Neunter

Zu den wenigen Enttäuschungen zählte Tim Riedel. Der Hochspringer holte zwar Bronze, doch mit 2,22 m war der Vizemeister von 2009 selbst unzufrieden. Jan-Christopher Schulte, 60 m-Westfalenmeister in 6,67 Sekunden, verpasste als Neunter in 6,84 Sek. das Finale. Und das im letzten Hallen-Rennen seiner Karriere, denn nach der Sommer-Saison macht der 27-Jährige Schluss.

Ralf Ritter

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2663423/create

Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
TB Höntrop rutscht auf Abstiegsplatz
Volleyball - Verbandsliga
Die Mannschaft von Trainer Eusterfeldhaus unterliegt dem Tabellennachbarn Iserlohn knapp mit 2:3.
Telstar-Reserve gewinnt umkämpftes Derby
Volleyball - Landesliga
Grumme hofft auf die nächsten Spiele. Höntrop II rutscht auf einen Abstiegsplatz.