Starke Leistungen bei der Heim-EM

Klaus Wiegand ist geschafft - und stolz. Auf seine Helfer, seine Kämpfer, auf das Lob der Teilnehmer aus vielen Ländern. Beides: völlig zu Recht. Denn nur zwei Wochen nach der Deutschen Meisterschaft hat sein Verein, Dojo Okinawa-te Wattenscheid, nun im RuhrCongress auch noch die Europameisterschaft im JKA-Karate 2015 für Jugend, Junioren und Senioren ab 40 (Veteranen) ausgerichtet. Rund 640 Aktive aus 23 Nationen kamen zu den Titelkämpfen, allein die Russen reisten mit drei Bussen an und kamen mit 138 Aktiven, die sich im Kata (festgelegter Bewegungsablauf) und Kumite (Kampf) in Bochum präsentierten.

Die meisten Teilnehmer waren Kinder - rund 500, sagt Wiegand. „Das ist eine Katastrophe“, sagte er schmunzelnd - wissend, dass sich viele Klubs und Verbände um die Ausrichtung der Titelkämpfe für die Kleinsten eher drücken. Zu viel Stress. Er und die 50 Helfer, die obendrein tagelang auf- und abbauten und den Shuttle-Service zu den Hotels organisierten, haben es gemeistert. „Es ist sehr gut gelaufen“, sagte Wiegand. „Der RuhrCongress hat allen imponiert. Das war ein toller Rahmen für dieses Mammutturnier.“

Von 9 bis 17 Jahren sowie ab 40 ging es um die Titel in diesem Karate-Verband, die meisten holten die Russen - allein 14. Aber auch die deutschen Vertreter zeigten oftmals ihre ganze Klasse. Auch vom heimischem Verein.

Unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Norbert Lammert marschierten Aktive aus 23 Nationen in den mit 850 Zuschauern besuchten Ruhrcongress ein bei der großen Finalgala. Die lautstarken Fans der heimischen Athleten hätten beinahe auch einen Wattenscheider ganz oben auf dem Siegerpodest gesehen. Der 16-jährige Alpay Karatas von Okinawa-te scheiterte mit der Kumite-Mannschaft nur knapp und wurde am Ende mit der Silbermedaille belohnt. Zwei weitere Schützlinge von Cheftrainer Klaus Wiegand erkämpften sich in der Disziplin Kumite Bronzemedaillen: Patrick Formal und Charline Jäschke freuten sich in der Altersklasse bis 12 Jahren über ihre Erfolge.

Und tags darauf sorgten die heimischen Veteranen für Furore. Aber was heißt schon „Veteran“. Nach fast achtminütigem Kampf sicherte sich der Okinawa-te-Mann Stefan Gerdesmeyer (44) vom Stützpunkt Nordrhein-Westfalen den zweiten vollen und damit entscheidenden Punkt im Kumite-Finalkampf gegen seinen Kontrahenten aus Serbien. Vier harte Kämpfe lagen hinter ihm, die er am folgenden Morgen an mehreren blauen Flecken im Rippenbereich spüren konnte. Der EM-Titel war beste Medizin. „Stefan war top drauf, sagenhaft“, schwärmte Wiegand.

Weniger Mühe mit ihren Gegnerinnen hatte seine Altersklassenkollegin Diana Gindele, die sich den Einzeltitel bei den Veteraninnen sicherte. Vereinskollege Holger Dünnebacke scheiterte nur knapp an den Finalkämpfen und wurde Vierter. Bei einer Europameisterschaft, wohl gemerkt.