Spritzige U23 gewinnt verdient

Am Ende mussten sie sich den Fans stellen – und teilweise wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen: Torwart Tim Boss und Rechtsverteidiger Sascha Tobor oder auch Kapitän Lucas Oppermann von der unterlegenen SG Wattenscheid 09 nahmen sich aber die Zeit für die Fans nach der bitteren 0:2 (0:1)-Derbyniederlage gegen die U 23 des VfL Bochum.

„Ich kann die Reaktion der Fans verstehen. Sie sind mit großen Erwartungen hierhin gekommen, wie wir auch. Wir haben aber einfach schlecht gespielt“, meinte Sascha Tobor. Er und seine Kollegen haben noch fünf Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz – doch dieses Polster kann sich schon heute verringern, sollte Schalke II gegen Rödinghausen gewinnen.

Wie man aufspielen kann, wenn es rein sportlich um nichts mehr geht – weder um Auf- noch um Abstieg – hat man an der U23 des VfL gesehen. Das war eine dynamische, offensive und im Gegensatz zur SG 09 vor allem: zielstrebigere Leistung einer Mannschaft, die sich offensichtlich noch mal beweisen möchte, seit ihr Schicksal – die Abmeldung vom Spielbetrieb zum Saisonende – besiegelt ist.

In einem auf dem Platz nur selten hart geführten Derby gab es haufenweise Chancen auf beiden Seiten. Allein der VfL traf dreimal den Pfosten (Balci, Gulden, Spillmann). Wattenscheid hatte in der ersten Halbzeit zwar ebenfalls drei, vier Hochkaräter – nutzte sie aber erneut nicht. „Das müssen wir ansprechen und daran arbeiten“, meinte der Wattenscheider Trainer Farat Toku.

Während der spritzige VfL in der ersten Halbzeit doch merklich aufs Tempo drückte, besannen sich die Blau-Weißen im zweiten Durchgang auf aussichtsreiche Standardsituationen und Konter. In der 34. Minute waren die Gäste ja per verwandeltem Handelfmeter von Sinan Kurt (34.) in Front gegangen, Laurynas Kulikas entschied das Spiel dann nach einem hervorragend ausgespielten Konter mit dem 2:0 (63.). Und während Bochum nach dem ersehnten Erfolgserlebnis nun noch mehr Mannschaften ärgern möchte, wird’s für Wattenscheid 09 nicht einfacher: Burak Kaplan musste in der 90. Minute noch mit Gelb-Rot vom Platz – was im Siegestaumel des VfL aber fast untergegangen war.

Jetzt ist das Derby also gespielt, nach zwei Absagen – doch es stand kurz vor dem Abbruch. 50 Personen aus dem VfL-Block stürmten noch vor dem Anpfiff die Tartanbahn, die Polizei griff ein und verhinderte Schlimmeres.