Sie haben den Dreh gefunden

Na, da haben sie ja den Dreh gefunden, sich aus der Zwickmühle herauszuwinden. Man dreht den Zweitliga-Frauen den Hahn ab, lässt die restlichen Teams aber in Ruhe und kann somit in aller Unschuld behaupten: Seht her, wir beim VfL Bochum machen doch weiter mit dem Frauenfußball. Wie versprochen.

Wen stört es schon, dass die Mitglieder, die sich im vergangenen Herbst mehrheitlich für die Fortführung des Frauenfußballs in diesem Klub stark gemacht haben, die Existenz der ersten Mannschaft selbstverständlich als unverzichtbaren Bestandteil ihrer Forderung verstanden haben? Denn ohne die Sogwirkung der Zweitliga-Mannschaft wird diese Abteilung, die ja organisatorisch nie mehr werden durfte als ein Anhängsel der Jugend, in kürzester Zeit ausbluten. Niemand aus der Frauenfußball-Szene, der einigermaßen ernstzunehmen ist, wird sich nach den Erfahrungen der letzten Monate diesen Klub noch antun wollen.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Die U23 entsorgt, die Frauen - perspektivisch - weg, die Kooperation mit dem Sportinternat in Wattenscheid gekündigt, die Kosten auf der Geschäftsstelle reduziert - in Bochum setzt man alles auf eine Karte. Auch wenn es niemand offen ausspricht: In den kommenden zwei Jahren soll, nein muss der Aufstieg gelingen, ansonsten gibt’s ein heftiges Stühlerücken in den oberen Etagen, werden neue Leute einen Nachlass ordnen müssen, der sicher keine Freude bereiten wird.

So hat man diesem Klub eine Radikalkur ohnegleichen verordnet. Nichts bleibt, wie es war, die netten Geschichten vom sympathischen Familienklub zum Anfassen landen auf dem Abfallhaufen der Vereinsgeschichte. Überall wird verschlankt, reduziert oder ganz gestrichen, mindestens aber auf vorgebliche Effektivität getrimmt. In manchen Bereichen kann man über die Arbeitsverdichtung, die Einzug gehalten hat, nur noch den Kopf schütteln.

Fragt man die Entscheidungsträger, wird man eine Vokabel immer wieder zu hören bekommen: alternativlos. Man kennt das schon.