SG 09 vor einer Woche der Wahrheit

Stolpern verboten: Christ Kasela Mbona (re., hier gegen Schalkes Moritz Fritz) und seine Kollegen stehen vor einem richtungsweisenden Spiel.
Stolpern verboten: Christ Kasela Mbona (re., hier gegen Schalkes Moritz Fritz) und seine Kollegen stehen vor einem richtungsweisenden Spiel.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler

27. Spieltag. Aktuell sind es sechs Punkte Vorsprung auf die Sportfreunde Siegen und damit auf die Abstiegszone. Im Fall des Sieges: neun Punkte Vorsprung - auf den direkten Konkurrenten, den heutigen Gegner der SG Wattenscheid 09 (Anstoß: 14 Uhr, Lohrheidestadion). Und doch: Trainer Farat Toku lässt sich nicht locken. „Vorentscheidend“, sagt er, „ist auch dieses Spiel nicht.“ Abgerechnet wird eben erst am Schluss, am 34. Spieltag. Bis dahin will, oder eher: muss Toku die Spannung hochhalten.

„Wir geben Vollgas“, das ist einer der Sätze, die Farat Toku quasi vor jedem Meisterschaftsspiel sagt, auch diesmal. Toku freut sich ja immer sehr auf die Heimspiele, auf jeden Fan, der die Mannschaft unterstützt. Doch nicht nur die 09-Anhänger wissen aktuell kaum, mit welchem Personal es beispielsweise auf der Führungsetage weitergeht. Am 15. April ist Jahreshauptversammlung, will der Vorsitzende Christoph Jacob wie angekündigt zurücktreten. Verlautbarungen des Vereins zu den dadurch nötigen Neustrukturierungen oder zu generellen Plänen für die Zukunft – etwa, was Vertragsverlängerungen von Spielern und Trainer angeht – gibt es bislang aber nicht.

Zum Sportlichen: Mit den Sportfreunden Siegen trifft Wattenscheid 09 auf eine Mannschaft, die mehr vom Kollektiv, vom Kampfgeist lebt als von spielerischen Elementen oder Einzelkönnern. Vor knapp zehn Jahren noch in der Zweiten Bundesliga dabei, hielt Siegen sich einige Jahre im Top-Drittel der Regionalliga. Seit dem endgültigen Rückzug des Investors Manfred Utsch, seit Beginn dieser Spielzeit also, kämpft Siegen um seine sportliche Existenz. Es kommt deshalb wohl nicht von ungefähr, dass Farat Toku von einem „Schweinespiel“ ausgeht, „in dem wir nicht zu viel Risiko gehen dürfen und höllisch aufpassen müssen.“

Siegen ist vor allem bei Standardsituationen gefährlich – und trifft damit exakt den wunden Punkt der Wattenscheider. Toku mag öffentlich zwar nicht viel darüber reden, doch es ist ja ein unumstrittenes Faktum: Beim 2:1-Sieg gegen Rödinghausen fing sich Wattenscheid das Gegentor nach einem Standard, beim 3:4 in Verl waren es gleich derer drei. „Aber“, verspricht Farat Toku, „wir sind sehr gut vorbereitet. Und es liegt an den Jungs, das umzusetzen, was wir in der Woche trainiert haben. Wir dürfen denen nicht den Gefallen tun, Hau-Ruck-Fußball zu spielen. Wir wollen Geduld zeigen.“

Zuletzt waren die Sportfreunde, die zwischenzeitlich deutlich mehr als sechs Punkte Rückstand auf das rettende Ufer hatten, in leichtem Aufwind. Zwei Auswärtssiege in Uerdingen (3:1) und Rödinghausen (2:0), dazu das Unentschieden bei der U 23 des FC Schalke 04 – die SG 09 dürfte hinreichend gewarnt sein. Heute beginnt für Wattenscheid, das kann man so sagen, die Woche der Wahrheit. In fünf Tagen, am Gründonnerstag, steigt im Lohrheidestadion das Nachhol-Derby gegen die U 23 des VfL.