Sarah Grünheid ist vor dem Tor längst erstklassig

Sarah Grünheid ist die Torjägerin des VfL Bochum.
Sarah Grünheid ist die Torjägerin des VfL Bochum.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Sarah Grünheid empfiehlt sich mit 13 Treffern in 13 Spielen für die 1. Bundesliga. Der VfL Bochum aber, sagt die Torjägerin des Zweitligisten, sei ihr erster Ansprechpartner.

„Opa Männe“ hat es ganz früh entdeckt, das Talent. Enkeltochter Sarah Grünheid konnte schon in jungen Jahren sehr passabel mit dem Ball umgehen. Das hatte Männe Grünheid im Blick. Schon mit sechs Lenzen jagte Klein-Sarah wie verrückt dem Ball hinterher. Heute, 18 Jahre später, ist der Opa noch immer bei fast jedem Spiel dabei - und stolz auf seine Enkeltochter.

Beim VfL Bochum ist die 24-Jährige die Torjägerin schlechthin. 13 Tore in 13 Saisonspielen sind eine überaus beachtliche Quote. Mit Stephanie Goddard und Cindy König (beide von Werder Bremen) haben in der zweiten Frauenfußball-Bundesliga Nord aktuell nur zwei Spielerinnen mehr Treffer erzielt. „Opa hat mich immer unglaublich unterstützt und mich überall hingefahren.

Ohne ihn wäre der ganze Aufwand kaum möglich gewesen. Außerdem hat er mir mal gesagt, dass man von Geburt an einen Torjägerinstinkt hat oder eben nicht. Offenbar hab‘ ich da ein wenig was mitbekommen“, erzählt Grünheid, die aus einer Fußballerfamilie stammt. Mutter und Vater Grünheid kickten ebenfalls höherklassig, wie auch Bruder Dennis, der bald 20 wird.

Seit fast zwei Jahren spielt Grünheid nun beim VfL Bochum. Im ersten Jahr erzielte sie ebenfalls schon zehn Tore (in 21 Partien), spielte da aber meist nicht in der Sturmspitze. In den zwei Jahren zuvor war die Offensivspielerin, die aus der Jugend des SuS Hervest in Dorsten stammt, schon zwei Spielzeiten im Bundesliga-Unterhaus für den FFC Recklinghausen aktiv. Mit dem Wechsel nach Bochum im Sommer 2013 habe sie alles richtig gemacht: „Das war zu dem Zeitpunkt die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Die Rahmenbedingungen mit einer jungen und talentierten Mannschaft waren beim VfL super. Die Eingewöhnungszeit war sehr kurz und seither fühle ich mich in Bochum pudelwohl. In den 20 Monaten, die ich jetzt hier bin, gab es innerhalb des Teams nicht ein einziges Mal einen größeren Zickenkrieg. Und das in einer Frauen-Mannschaft. Das habe ich vorher noch nicht erlebt.“

Im Sommer vor zwei Jahren entschied sich Grünheid auch gegen ein Angebot des MSV Duisburg und eines weiteren Vereins aus der ersten Bundesliga. Auch aktuell steht Grünheid sicherlich auf einigen Zetteln von Erstliga-Trainern. Sollten Angebote kommen, würde sich die Stürmerin diese auch anhören: „Mein großer Traum ist es, einmal in der ersten Liga zu spielen. Das habe ich immer so gesagt. Wenn etwas Passendes kommt, muss man zumindest darüber nachdenken. Aktuell ist für mich der VfL aber mein erster Ansprechpartner. Weit weg von der Bundesliga sind wir ja sportlich auch nicht.“ Allerdings ist ja noch offen, wie - vor allem finanziell - es weitergeht mit dem Frauenfußball beim VfL.

Ein Durchhänger, der weiterhilft

Mit der laufenden Saison ist Grünheid zufrieden. „Den Durchhänger im Herbst sehe ich im Nachhinein als positiv. Wir sind noch enger zusammen gewachsen. Solche Phasen bringen eine Mannschaft nach vorn.“ In den verbleibenden sechs Saisonspielen würde die beidfüßige Spielerin gerne noch den ein oder anderen Platz in der Tabelle gut machen: „Wenn wir unsere Leistung abrufen, können wir in der Liga jeden Gegner schlagen, davon bin ich fest überzeugt.“ Sie selbst will ruhiger werden: „Ich bin viel zu ungeduldig und darf mich von kleinen Rückschlägen auf und auch neben dem Platz nicht aus der Ruhe bringen lassen.“

Trainerin Sabrina Gesell ist von ihrer Sturmspitze überzeugt: „Es ist natürlich überragend gut, eine Torjägerin wie Sarah auf dem Platz zu haben, auf die man sich verlassen kann.“

Nach dem Remis in Wolfsburg haben die Zweitligafrauen nun eine dreiwöchige Spielpause. Dann geht es zu Hause gegen Meppen weiter und im Anschluss nach Berlin.

Sarah Grünheid freut sich jetzt schon darauf. Wie natürlich auch ihr Opa, der mit Oma, Mutter und Vater nach Berlin anreisen wird: „Ich bin unheimlich stolz darauf, dass meine Familie zu jedem Spiel kommt, auch auswärts jede Fahrt mitmacht, egal wie weit der Weg auch ist. Das gibt einem unheimlich Kraft“, sagt die Tochter und Enkeltochter.