Reus, Blum, Jakubczyk: der Show-Down der Sprinter

Rennen um den Titel:  Julian Reus, Christian Blum, Lucas Jakubczyk (von links).
Rennen um den Titel: Julian Reus, Christian Blum, Lucas Jakubczyk (von links).
Foto: Wolfgang Birkenstock
Was wir bereits wissen
Mit Spannung erwartet nicht nur der TV Wattenscheid 01 den Show-Down der Sprinter: Bei der Hallen-DM geht es am Samstag unter um den Titel über 60m.

Die Antwort fiel vorbildlich diplomatisch aus. Wen er ganz vorne erwartet beim wohl packendsten Ereignis der Deutschen Meisterschaft am Samstag und Sonntag unterm Hallendach, wurde Michael Huke bei der Präsentation des Kaders gefragt. Christian Blum, derzeit Deutschlands Schnellster über 60m (6,56 Sekunden), Julian Reus (6,60) und 30 weitere Wattenscheider Leichtathleten, Trainer sowie Medienvertreter warteten auf die Antwort des Managers vom TV 01. Huke: „Wattenscheid vor Wattenscheid vor Berlin.“

Mit Berlin ist der dritte Titelkandidat über die Kurzstrecke gemeint, Lukas Jakubczyk, der die Generalprobe am Wochenende in Berlin mit 6,59 Sekunden gewann und sich damit in der Rangliste zwischen die beiden Wattenscheider EM-Fahrer - das Sprint-Trio hat die Norm für den Hallen-Höhepunkt erfüllt - geschoben hat.

Blum gilt als Hallenspezialist, im Vorjahr setzte er sich in Leipzig durch. Reus allerdings ist Deutschlands schnellster 100m-Mann aller Zeiten und im Gesamtpaket wohl der Stärkere. Allerdings hat er seit der letzten Weltmeisterschaft in Moskau mit Knieproblemen zu kämpfen. Und mit Jakubczyk ist immer zu rechnen - selbstbewusst, das gehört sich ja auch für einen Sprinter, sind sie alle. Blum, der in Berlin einen Fehlstart produzierte, sagt: „Die Generalprobe hat nicht geklappt, dafür wird die Premiere umso besser - ich warte jetzt, bis der Schuss fällt.“ Und Reus würde den Tag der Entscheidung - Samstag, Finale 16:35 Uhr - gerne „vorschieben“, damit es „losgeht“. „Ich bin bereit, auch eine Zeit unter 6,60 zu laufen“, sagt er. „Wenn es drauf ankommt, will ich das Rennen machen, das ich brauche.“ Weitere Wattenscheider Sprinter sind Alexander Kosenkow und 200m-Spezialist Robin Erewa, die im Titelkampf aber wohl nicht eingreifen.

Anders sieht es über 200m aus: „Ich will den Titel - alles andere macht keinen Sinn“, sagt Erewa und hat die Zustimmung auf seiner Seite in der vierten Etage von Hauptsponsor Stadtwerke Bochum. Von der Empore aus erhielten die Athleten des TVW vor einer Hallen-DM nicht immer die besten Erfolgswünsche der Stadtwerke-Führung, diesmal übernahm dies der Technische Geschäftsführer Diemtar Spohn. Ein Signal, dass es weitergeht? Der Vertrag mit den Stadtwerken endet ja wie berichtet 2015, bisher steuert der kommunale Stromversorger 600000 Euro/Jahr bei. Für Wattenscheid, das betonen sie beim TV 01 immer wieder, sei fast jeder Euro „existenziell“ wichtig.

In ein paar Wochen, so Spohn, werde man sich zusammensetzen: „Es wird irgendwie weitergehen“, sagt Spohn. „Wie, werden die Gespräche zeigen.“ Jörg Klocke, Wattenscheids 1. Vorsitzender, ist optimistisch, dass die seit 2004 geführte Partnerschaft nicht über Bord geworfen werde: „Es wäre nicht auszudenken, dass man keinen Weg finden würde das zu erhalten, was man selbst aufgebaut und geschaffen hat.“ Dabei rechnet er auch mit Verständnis über den Verein hinaus.

Michael Huke erwähnte wohl auch nicht ganz selbstlos gleich zu Beginn die Erfolge des Nachwuchses bei der Jugend-DM am vergangenen Wochenende: „Das zeigt, dass wir für die Zukunft gut aufgestellt sind“, so der Manager.

Die Gegenwart spielt sich am Samstag und Sonntag in Karlsruhe ab - Wattenscheid wird sicher wieder Medaillen nach Hause bringen.

ACHT BIS ZEHN MEDAILLEN SIND DAS ZIEL

Ein stolzes Dutzend Medaillen gewann der TV Wattenscheid vor einem Jahr in Leipzig, allein 7 Titel gingen an den Klub von der Hollandstraße - das war Vereinsrekord. Damals gab es kaum Ausfälle, holte unter anderem die 4x200m-Sprint-Staffel der Männer, die erneut klarer Favorit ist, neben dem Titel auch noch den Deutschen Rekord.

Diesmal muss der TV 01 auf einige Topkräfte verzichten. Verletzt fehlen etwa Gold-Abonnentin Esther Cremer (400m), Malte Mohr (Stabhochsprung) und Denise Krebs (1500m). Mit „acht bis zehn Medaillen“ rechnet Manager Michael Huke dennoch. Eine Favoritin ist unter anderem Weitspringerin Sosthene Moguenara (weitere Berichte folgen).