Michael Rietdorf ist ein Schiedsrichter aus Leidenschaft

Michael Rietdorf (li.) und Nico Röhrle genießen im Handball Respekt als Schiedsrichter.
Michael Rietdorf (li.) und Nico Röhrle genießen im Handball Respekt als Schiedsrichter.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Michael Rietdorf ist erst 24 - und leitet mit Nico Röhrle bereits Spiele in der Verbandsliga. Im Handball, meint er, begegnen die Sportler den Unparteiischen mit mehr Respekt als im Fußball.

Es kommt nicht allzu oft vor. Doch wenn Michael Rietdorf sich mal ein Fußballspiel in den unteren Klassen ansieht, dann kann er manchmal nicht glauben, was er da sieht. „Diese ständigen Diskussionen“, sagt der 24-jährige Schiedsrichter, „die gehen einfach gar nicht.“

Der Respekt, den die Trainer und Spieler ihm als Spielleiter in seiner Sportart entgegen bringen, sei „viel größer“, sagt Rietdorf. Er ist nämlich, gemeinsam mit Gespannspartner Nico Röhrle, Handball-Schiedsrichter in der Verbandsliga, der fünfthöchsten Spielklasse . Worin er – neben diesen Diskussionen – das Paradebeispiel für einen Unterschied vom Handball zum Fußball sieht? „Für mich ist das ganz klar der Elfmeterpfiff“, sagt Rietdorf. „Da stürmen meistens vier, fünf Mann auf den Schiedsrichter zu. Und der muss sogar damit rechnen, angerempelt zu werden“, sagt Rietdorf. Er schüttelt mit dem Kopf.

Denn im Handball ist das in 99 Prozent der Fälle anders. Rietdorf pfeift nunmehr seit über sechs Jahren Handballspiele. Bis zur C-Jugend hat er selbst aktiv Fußball gespielt und kennt deshalb auch die andere Seite. Dann wechselte er die Sportart - und hat es nie bereut. Nicht nur die Schiedsrichter-Tätigkeit führte ihn in die Verbandsliga, drei Jahre lang hütete er auch beim Verbandsligisten PSV Recklinghausen das Tor. Mittlerweile spielt Rietdorf beim Bezirksligisten Teutonia Riemke II. Probleme mit der Vereinbarkeit gab es noch nie.

Sicherlich, auch im Handball sind die ersten Monate als Schiedsrichter hart. „Manchmal war es schon anstrengend, weiterzumachen“, erzählt er von seinen ersten Spielen in der Kreisliga der Männer und der Jugend: „Das, was da auf einen einprasselt, schleppt man anfangs schon mit sich herum. Und wenn man während eines Spiels nicht weiß, wie man mit der Kritik umgeht, dann wird man auch schnell unsicher.“

Weiter gemacht hat er aber deshalb, weil die Perspektive einfach verlockend klang: Je höher die Spielklasse, sagte man ihm, desto gesitteter würde der Umgang sein.

Viele Handballvereine suchen heutzutage händeringend Schiedsrichter, weil sie laut Verbandsvorschriften ein bestimmtes Soll zu erfüllen haben. Klar, auch das war einer der Gründe, warum Rietdorf überhaupt eingestiegen ist. Viel wichtiger aber: Das Pfeifen wird irgendwann zum „netten Nebenverdienst“ und, das ist klar, „es macht einfach Spaß.“ Auch, wenn er sich schon so manches lange Wochenende hat um die Ohren schlagen müssen mit 180-Kilometer-Fahrten nach Mennighüffen oder Rödinghausen in Ostwestfalen.

Rietdorf wuchs mit seinen Aufgaben. Er stieg nach eineinhalb Jahren, im Sommer 2010, mit seinem neuen Gespannspartner Röhrle in die Bezirksliga und nur ein Jahr später in die Verbandsliga auf. Die Landesliga haben die beiden übersprungen. Rietdorfs Auftreten veränderte sich in dieser Zeitspanne von „unsicher“ zu „kommunikativ, aber bestimmt“. Rietdorf, privat ebenfalls ein entspannter Zeitgenosse, bleibt auch im Eifer des Gefechts ruhig. „Während eines Spiels sage ich einem Trainer klipp und klar, dass es das erste und letzte Mal ist, dass wir diskutieren. Manchmal ist ein frecher Spruch da auch hilfreicher, statt direkt zu bestrafen.“

Nach nunmehr dreieinhalb Jahren in der Verbandsliga können Rietdorf und Röhrle bereits zaghaft an den nächsten Aufstieg in die Oberliga denken. Nicht nur die bisherigen Spielbeobachtungen, „mit denen wir recht zufrieden sind“, fließen in die Bewertung am Saisonende ein, sondern auch ein Regel-, ein Sport- und ein Multitasking-Test. Ab dem morgigen Samstag wird das Gespann beim „Sauerland-Cup“ in Menden, einem der hochkarätigsten B- und A-Jugendturniere Deutschlands, pfeifen.

Ein gutes Schaufenster für die beiden Schiedsrichter, denen viel zugetraut wird. So lebt auch der Traum von der Dritten Liga weiter. „Da würde ich irgendwann schon gerne pfeifen“, gesteht Rietdorf: „Alles darüber ist allerdings zu zeitintensiv.“

HIGHLIGHT GEGEN LEMGO

Der Gedanke liegt nahe: Wer neben seiner Schiedsrichter-Tätigkeit auch aktiv ist, der muss sich wohl oft auf die Zunge beißen, um den Schiedsrichter nicht selbst verbal zu attackieren.Rietdorf: „Zeitstrafen habe ich wegen Meckereien noch nie erhalten. Man muss sich mit seiner Wortwahl eben nur klug anstellen. . .“

Sein Highlight bisher: Im letzten Sommer pfiff er ein Testspiel des Oberligisten HSG Menden gegen Bundesligist TBV Lemgo.