Luthe nach Ingolstadt?

„Für Sandhausen geht es noch um was, die werden richtig Musik machen.“ Gertjan Verbeek stimmt seine Mannschaft vor dem letzten Zweitliga-Spieltag am Sonntag nicht auf ein gemütliches Beisammensein ein. „So wie ich das sehe, will ich das Spiel gewinnen“, fügte der Trainer des VfL noch hinzu. Daran allerdings hat niemand jemals gezweifelt. Vermutlich werden Heiko Butscher und die anderen Bochum Spieler, die verabschiedet werden, das also ohne Ballberührung tun müssen.

Der personelle Rahmen für den Schlussakkord ist gesteckt: Danny Latza, Jan Simunek, Fabian Holthaus, Tobias Weis und Selim Gündüz werden fehlen, dass Onur Buluts zweiwöchige Sperre abgelaufen ist, darf man als positiv vermelden. „Die Chance ist sehr groß“, antwortete Verbeek mit erfreulicher Offenheit auf die Frage, ob Bulut nun erste Wahl vor der Abwehr sei - an der Seite von Anthony Losilla. Damit würde Thomas Eisfeld für die zentrale Position hinter Simon Terodde frei, die Flügel dürften Marco Terrazzino und Michael Gregoritsch besetzen.

Eine andere Personalie dürfte für mehr Erstaunen sorgen. „Wer sagt denn, dass die beiden spielen“, sagte Verbeek, als die Rede auf die beiden Torhüter Andreas Luthe und Manuel Riemann kam. Bekanntlich trägt Riemann ja künftig das Bochumer Trikot, aber als klare Nummer eins in Sandhausen ist kein Grund erkennbar, warum er in diesem für den SVS so wichtigen Spiel am Sonntag nicht mit von der Partie sein sollte.

Man darf also davon ausgehen, dass Luthe nicht zwischen den Pfosten stehen wird, sondern wieder Michael Esser. Der Grazer in spe bekäme damit das Abschiedsspiel, das Luthe womöglich verwehrt bleiben wird. Denn die republikweit köchelnde Gerüchteküche produziert gerade auf Hochtouren und sie kündet unter anderem von einem angeblichen Interesse des Erstliga-Aufsteigers FC Ingolstadt an Andreas Luthe. Völlig undenkbar ist das nicht, denn Ingolstadts Nummer zwei, Andreas Weis, wechselt zum FSV Frankfurt und damit womöglich unglücklicherweise und unerwartet in die Dritte Liga, und unantastbar erscheint auch Ramazan Özcan, die aktuelle Nummer eins des Aufsteigers, nicht zu sein. Dass Andreas Luthes Vertrag in Bochum noch bis 2016 läuft, muss kein Hindernis sein angesichts der Vorkommnisse in den vergangenen Monaten. Es war nicht erkennbar, dass man in Bochum noch Wert auf den ehemaligen Kapitän legen würde.

Der 28-Jährige gehört allerdings sicher nicht zu den Spielern, die morgen verabschiedet werden. Eher schon Nicolas Abdat (18), der sich für die Zukunft regelmäßig Spielpraxis wünscht und deshalb zu einem Klub wechseln wird, der über eine U23-Mannschaft verfügt. „Offensichtlich traut er sich nicht zu, sich bei uns durchzusetzen“, sagte dazu Sportvorstand Christian Hochstätter, der Mikael Forssell noch keine Blumen in die Hand drücken will. Verabschiedet wird der Finne noch nicht, „ob er bleibt“, so Hochstätter, „wird sich zeigen“.

Es könnte der Tag der Floristen werden, denn auch eine kleine Delegation der Zweitliga-Frauen soll anständig und stellvertretend für die gesamte Mannschaft verabschiedet und die eigene Jugend gefeiert werden. Die Eltern der drei EM-Finalisten (U17) sind dazu natürlich auch eingeladen.