London ist schon jetzt das große Ziel
22.01.2010 | 19:23 Uhr 2010-01-22T19:23:00+0100
Die Saison ist gut angelaufen für den TV Wattenscheid, bis zum Höhepunkt – der EM in Barcelona Ende Juli – ist es aber noch ein langer Weg. Ein Aus- und ein Überblick.
Der TV 01 blickt perspektivisch sogar zwei Jahre weiter voraus, arbeitet bereits auf die Olympischen Spiele 2012 hin. (Spätestens) in London, sagt Manager Michael Huke, will man sich mit internationalen Medaillen schmücken.
Management
Michael Huke (40) ist der starke Mann beim TV 01. Der Ex-Sprinter ist seit November hauptamtlicher Manager des Vereins und zugleich Leistungssportkoordinator des Bundesstützpunktes Wattenscheid. Im Zuge einer Umstrukturierung auf Verbandsebene fließen weitere Fördermittel. Bereits seit einigen Jahren hat sich der Verein auch finanziell Schritt für Schritt neu aufgestellt, so dass man den Tod und damit das Versiegen der Fördermittel von Klaus Steilmann – rein wirtschaftlich – verkraften kann. Nicht zuletzt dank des Engagements der Stadtwerke steht der TV 01 auf soliden Füßen.
Zu- und Abgänge
Diskus-„Urgestein” Michael Möllenbeck und Mittelstrecken-Läuferin Kerstin Werner haben ihre Karriere beendet, Sprinter Julian Reus (21), den der TV 01 gerne gehalten hätte, wechselte nach Erfurt. Neu sind Hochspringer Tim Riedel (25), DM-Zweiter von 2009, Hürdensprinter Willi Mathiszik (25), ebenfalls Vizemeister 2009, und Langstrecken-Läufer Musa Roba-Kinkel (20). „Alle drei sind in der Lage, die EM-Norm zu schaffen”, sagt Huke. „Mit ihnen sind wir in etwa gleich stark aufgestellt wie im Vorjahr.” Zumal Talente aus der eigenen Jugend, seit jeher ein Schwerpunkt der Arbeit beim TV 01, einen weiteren Schritt nach vorne machen sollen. So absolvieren Sprint-Ass Yasmin Kwadwo (19) und Weitspringerin Sosthene Moguenara (20) ihre erste Saison bei den Frauen.
Im Trainerbereich folgte Sprinttrainer André Ernst (42) auf Ronald Stein, der nach Chemnitz wechselte.
Soll erfüllt – es bleiben aber auch noch Baustellen. So hat der erhoffte Wechsel eines Athleten im international medaillenträchtigeren Wurfbereich bisher nicht geklappt. Auch Sprinter Christian Blum, um den sich der TV sehr bemühte, blieb in Chemnitz.
Ziele
14 Medaillen, darunter sieben goldene, holte der TV 01 bei der DM in Ulm 2009 und war auch bei der Hallen-DM (sechs Titel) erneut Spitze. Bester Verein Deutschlands zu bleiben – man erwartet es fast schon vom TV 01, aber „das muss man sich hart erkämpfen”, weiß Huke.
Die Heim-WM in Berlin indes war eine Enttäuschung: Letztlich gingen nur fünf Wattenscheider an den Start, und nur Esther Cremer (Staffel-Fünfte über 400 m) sowie Zehnkämpfer Moritz Cleve überzeugten. „Das hat uns schon gestört”, räumt Huke ein. Für die EM 2010 sieht er etwa 15 Kandidaten, zehn sollten die Norm schaffen – und von ihnen erwartet Huke „deutlich mehr Endkampf-Teilnahmen”. Eine Medaille zu holen werde aber „schwierig” und sei eher „mittelfristig” das Ziel – in London 2012.
EM-Kandidaten
Sprint. Nach der Enttäuschung 2009, als sie nicht für die deutsche Staffel bei der WM nominiert worden war, will 100 m-Sprinterin Yasmin Kwadwo (19) in Barcelona auf jeden Fall in der EM-Staffel starten. Maike Dix (23) darf man über 200 m auch im Einzel viel zutrauen, und Esther Cremer (400 m) will ihre Vorjahres-Leistung wiederholen. Im Einzel ist Luft nach oben.
„Vom Potenzial her”, sagt Trainer André Ernst, hat auch Sebastian Ernst (25) nach dem Seuchenjahr die Norm drauf, mit 21,10 Sekunden glückte dem 200 m-Spezialisten ein „Super-Einstieg”. Die Routiniers Katja Tengel (28), Alexander Kosenkow (32) sowie 400 m-Hürdenläufer Thomas Goller (32) haben Barcelona fest im Blick, ebenso wie Hürden-Sprinter Willi Mathiszik.
Mittel- und Langstrecke. Irina Mikitenko (38) greift über 10 000 m an – eine Medaille wäre da eine Überraschung. Geherin Sabine Krantz (28) indes will ihren Ausstieg bei der WM vergessen machen. Bei den Männern trägt Christoph Lohse die größten Hoffnungen: Nach seinem verkorksten „Ausflug” über die Hürden konzentriert er sich wieder voll auf die 1500 m – mit konstant steigender Form. Chancen haben auch Denise Krebs (22, 1500 m) und Janina Goldfuß (26, 800 m). Monika Merl (30, 800 m) legt eine Pause ein – sie erwartet Nachwuchs.
Wurf/Sprung. Nach guter Vorsaison will Kugelstoßerin Denise Hinrichs (22), WM-Elfte von Berlin, auch international weiter nach vorne. Sosthene Moguenara peilt selbstbewusst die 6,80 m im Weitsprung an (Bestleistung: 6,69 m). Im Mehrkampf könnte es Moritz Cleve erneut packen.
COMEBACKS
Jan Fitschen, amtierender 10 000 m-Europameister, läuft erstmals seit anderthalb Jahren wieder schmerzfrei, mehr als die EM-Teilnahme aber ist kaum drin für den Titelverteidiger.
Und Sina Schielke? „Sie muss erst komplett gesund werden”, sagt Trainer André Ernst. Es scheint so, dass die einstige Vorzeige-Sprinterin auf die ganz große Bühne nicht mehr zurückkehren wird.
HALLENSAISON
Die Hallensaison lassen traditionell viele Leichtathleten sausen, das Training ist ganz auf die Sommer-Saison ausgerichtet. Das gilt auch für zahlreiche Asse des TV Wattenscheid 01, zumal bei der WM in Doha etliche Disziplinen – etwa die 200 m – nicht auf dem Programm stehen und der DLV auf Staffeln wie die 4 mal 400 m der Frauen verzichtet. Und: Kugelstoßerin Denise Hinrichs verzichtet auf die Hallen-Saison wegen ihrer Ausbildung bei der Polizei in Cottbus. Unter denen, „die die Hallensaison mit vollen Segeln angehen”, hofft Manager Michael Huke auf „zwei bis drei”, die es zur WM schaffen. Über 60 m haben Yasmin Kwadwo und Alexander Kosenkow, aber auch der Überraschungs-Westfalenmeister Jan-Christopher Schulte Chancen. Im Hochsprung ist mit Tim Riedel zu rechnen.
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