Lizenzkampf: Wattenscheid 09 legt Beschwerde ein

Burak Kaplan pendelt regelmäßig zwischen Genie und Wahnsinn - so auch gestern. Sein Verein kämpft aktuell um die Regionalliga-Lizenz.
Burak Kaplan pendelt regelmäßig zwischen Genie und Wahnsinn - so auch gestern. Sein Verein kämpft aktuell um die Regionalliga-Lizenz.
Foto: FUNKE Foto Services

Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband hat der SG Wattenscheid 09 aufgrund von Zahlungsrückständen an den Verband keine Lizenz für die kommende Saison erteilt. Das sagte der neue 09-Vorsitzende Frank Kolberg am Rande des 5:1-Sieges gegen die Kölner U 23 (s. Zweittext). Die Wattenscheider wollen das fehlende Geld – es soll sich nach WAZ-Informationen um eine Summe im niedrigen fünfstelligen Bereich handeln – bereits heute an den Verband überweisen und auch schriftlich Beschwerde gegen den Lizenzentzug einlegen. In der spärlichen Pressemitteilung des Vereins heißt es: „Wir werden alles dafür tun, dass uns nach zeitnaher Prüfung der Beschwerde die Lizenz erteilt wird.“

„Verband hat richtig gehandelt“

Wie es überhaupt zu dem Zahlungsrückstand kommen konnte? Nun, offene und zu oft auch erst auf den letzten Drücker beglichene Forderungen gehören bei der SG 09 ja schon länger zum unschönen Tagesgeschäft. „Eigentlich“, so Kolberg, habe man beabsichtigt, das Geld letzte Woche zu überweisen. Warum das letztlich nicht geklappt hat, bleibt unklar. „Der Verband“, sagt Kolberg, „hat aus meiner Sicht richtig gehandelt. Wir sind der Verursacher des Problems. Und wir müssen das auch lösen.“ Das Geld kommt diesmal aus laufenden Geschäftseinnahmen und somit nicht – wie sonst so häufig in der Vergangenheit – von Privatpersonen. Laut Kolberg werde diese Praxis in Zukunft kein Finanzloch verursachen: „Nein, davon gehe ich nicht aus.“

Kolberg ist aktuell ja erst am Anfang eines ausgesprochen steinigen Weges, für Transparenz und mehr Kommunikation auf allen Vereinsebenen zu werben und diese auch zu leben. Inwieweit das überhaupt funktionieren kann in einem Verein, in dem zu viel hinter vorgehaltener Hand übereinander statt miteinander geredet wird, steht übrigens auf einem völlig anderen Blatt.

„Pünktlicher Schuss vor den Bug“

Dass aber der Lizenzentzug an sich – ob am Ende nun vollstreckt oder nicht – so oder so „ein Schlag ins Gesicht“ für die Außenwirkung des Vereins ist, das ist auch Kolberg bewusst. „Diese Nachricht war schockierend, eine Katastrophe. Gerade, weil wir im Hintergrund so viele Leute haben, die so viel für den Verein tun“, sagt der Vorsitzende: „Vielleicht war das jetzt ein pünktlicher Schuss vor den Bug. Das wird uns kein zweites Mal passieren.“ Der Mannschaft, die sich mitten im Abstiegskampf eigentlich keinen weiteren Nebenschauplatz mehr leisten kann, habe Kolberg in einer Ansprache am Samstag „reinen Wein eingeschenkt. Ich habe dann aber auch gesagt, dass die Mannschaft jetzt ihren Part einlösen muss.“ Gegen die Kölner U 23 klappte das gut, die Mannschaft zeigte eine Klasse-Leistung und gewann hochverdient. Sportlich hat die SG Wattenscheid 09 den Klassenerhalt aktuell in eigener Hand.

Derweil muss die SG Wattenscheid 09 auch dringend ihre Öffentlichkeitsarbeit optimieren. Konkrete Erklärungen zum Lizenzentzug, wie Kolberg sie nun getätigt hat, bleibt der Verein den Fans auf seiner eigenen Homepage und auch bei Facebook schuldig. Das heizte die Gerüchteküche auf der Tribüne mächtig an, weil viele Fans schlicht nichts über die Gründe für den Lizenzentzug wussten.