Linden verpasst Sensation

CSV SF Linden -
Preußen Münster 3:1 (1:1)

CSV: Fuchs – Perez Garcia, Rösner, Lekic, Koch – Lawrence (59. Dominczak), Lobonza (89. Gonzales), Pflanz, Lahchaychi – Scigliotti Cucchisi – Mohedano.
Tore: 1:0 Pflanz (7.), 1:1 Reichwein (26.), 1:2, 1:3 Hoffmann (81., 88.).

Es war zweifellos der Moment dieses Spiels, gleich in der siebten Minute. Der quirlige Torschütze Kevin Pflanz hätte am liebsten die ganze Welt umarmt, all‘ seine Teamkollegen stürmten nach dem 18-Meter-Rechtsschuss-Traumtor zum 1:0 auf den kleinen Mittelfeldmann zu. Die Sitzplatztribüne, mit rund 550 Lindenern fantastisch gut besetzt, flippte aus. Und Trainer Frank Benatelli? Der schwieg und genoss. Wippte grinsend mit dem rechten Zeigefinger auf und ab. Linden 1, Preußen 0 – das war der helle Wahnsinn im Westfalenpokal-Achtelfinale gegen den Drittliga-Zweiten.

Was nicht heißen soll, dass der später insgesamt 55 Minuten anhaltende Spielstand von 1:1 weniger unglaublich war. Denn Linden hatte die Preußen fast in die Verlängerung gezwungen.

Dass es am Ende nicht zum Weiterkommen reichte, war einzig zwei glücklichen Momenten der Gäste geschuldet. Bitter.

Nun ist es ja das Eine, nur die typischen Außenseiter-Qualitäten zu zeigen. Rotzig, selbstbewusst und frech auftreten: das können viele. Aber über weite Strecken taktisch diszipliniert, zweikampfstark, gut pressend und sortiert, stets hochkonzentriert zu bleiben: das schaffen beileibe nicht alle. Doch Linden war hervorragend eingestellt. So, wie Trainer Frank Benatelli das ja auch angekündigt hatte.

Linden ließ im ersten Durchgang nicht eine einzige ernsthafte Torchance aus dem Spiel heraus zu. Lediglich drei Gelegenheiten nach Standards waren auf Preußen-Seite zu notieren. Ein kümmerlicher Wert, den der Drittliga-Zweite da produzierte, vor allem, wenn man bedenkt, dass Marcel Reichweins Ausgleich eher zufällig aus dem Gewühl fiel – und Linden nach seinen hervorragenden ersten 20 Minuten auch kurze Schwächephasen hatte.

Schwächephasen hatte allerdings auch der schlecht pfeifende Schiedsrichter Jörn Schäfer, der Preußen-Verteidiger Simon Scherder in der 49. Minute nur die Gelbe statt der zwingend notwendigen Roten Karte gezeigt hatte. Scherder hatte CSV-Stürmer Vicente Mohedano als letzter Mann gefällt, klarer Fall von Notbremse. Nicht aber für Schäfer und sein Gespann.

Es war der erste Aufreger der zweiten Halbzeit. Danach agierte Münster zwar eine Viertelstunde lang druckvoll, schnürte Linden ein, ließ sich danach aber auf einen offenen Schlagabtausch ein, schlug hauptsächlich langen Hafer nach vorn und gewährte Linden sogar Konter. Der CSV verteidigte jetzt mit allem, was er hatte, glaubte mit jeder Minute mehr an die Sensation. Trotz sich häufender Ballverluste, trotz schwindender Kräfte, dafür aber mit einer frenetischen Fanschar im Rücken. Am Ende reichten den Preußen zwei Schüsse von Philipp Hoffmann. Zwei glückliche Momente.

Wie gesagt: einfach bitter. Ein Riesen-Erlebnis für den CSV war’s dennoch. Und die Standing Ovations waren hochverdient.