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Nach dem ersten Heimsieg

Laktattest statt Rosenmontagszug

14.02.2010 | 21:40 Uhr
Laktattest statt Rosenmontagszug

Nach dem ersehnten Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim kann der VfL mit nunmehr acht Punkten Vorsprung auf den Tabellensechzehnten Hannover 96 nunmehr weiter nach oben gucken. Von überzoegener Feierstimmung aber keine Spur: Schon am heutigen Rosenmontag steht ein Laktattest an.

Schunkelstimmung war auf den Rängen und für einen Moment auch auf dem Rasen, nach dem Schlusspfiff, nach dem ersten Heimsieg des VfL nach zuvor acht vergeblichen Versuchen, nach dem 2:1 gegen Hoffenheim. Schunkelstimmung war vorgestern im Bochumer Stadion.

Heute ist Rosenmontag, und heute ist für die Profis längst schon Schluss mit lustig, noch bevor die Jecken richtig loslegen: Trainer Heiko Herrlich lässt die Herren zum Laktattest antanzen. Große Einbrüche sind nicht zu befürchten.

„Wir sind”, hat Stanislav Sestak nach dem großen Schritt Richtung Klassenerhalt als einen Grund für die neue Stärke des VfL erkannt, „körperlich erheblich besser drauf”, und auf dem Platz sehe man eben das, „was wir uns in der Woche hart erarbeiten”: bei den intensiveren, konzentrierteren und auch häufigeren Trainingseinheiten.

Diese Kerntugend duldet keinen Karneval, kein Nachlassen, sie ist die Basis dafür, dass auch taktisch „die Handschrift des Trainers langsam Wirkung zeigt”, wie Christian Fuchs meinte. „Wir stehen sehr kompakt und schalten schnell von hinten nach vorne um.” Alles richtig, keine Frage: Schön(er) spielen andere, wie Hoffenheim. Disziplinierter, giftiger, effektiver und damit auch erfolgreicher ist immer häufiger der VfL.

Kompromisslos sucht man die Zweikämpfe, macht die Räume eng, lässt sich nicht aus der defensiven Reserve locken und zeigte gegen die TSG auch „einen Tick mehr Biss”, wie Vorstand Thomas Ernst lobte. Und mit jedem (Teil-)Erfolg – in den letzten zehn Spielen gab es nur diese eine Watschn gegen die Bayern (vier Siege, fünf Remis) – steigen nicht nur die eigenen Ansprüche, es wächst vor allem die Selbstsicherheit.

Zu hören nur wenige Minuten nach dem so sehnsüchtig erwarteten Heimsieg in völlig unaufgeregt vorgetragenen Sätzen wie „Wir wussten ja, dass es irgendwann passieren würde” (Fuchs). Zu sehen auf dem Platz, wenn Rückstände oder Rückschläge wie das 1:1 durch Ibisevic weggesteckt werden. Am eindrucksvollsten repräsentiert wird das Selbstbewusstsein aber durch die fast beängstigende Kaltschnäuzigkeit: Kein Bundesliga-Team ist in der Chancenverwertung in der Rückrunde so effizient wie der VfL. Im Prinzip hatte Bochum – von Kontersituationen gegen hoch aufgerückte Hoffenheimer in den Schlussminuten abgesehen – zwei Torchancen. Die erste nutzte Stanislav Sestak mit seinem dritten Rückrunden-Treffer (gesamte Hinrunde: zwei), die zweite Zlatko Dedic mit seinem dritten Rückrunden-Tor (gesamte Hinrunde: null). Diesmal traf der kleine Slowene, eingewechselt in der zweiten Halbzeit, in seinem bisher stärksten Spiel sogar per Kopf.

Beide Treffer bereitete Christian Fuchs vor, der auch defensiv zunehmend stärker wird. Noch wichtiger aber, das wird immer deutlicher, ist für Konzept und Spiel des VfL Winter-Zugang Milos Maric. Der Serbe wurde gesucht und gefunden von seinen Kollegen, seine Ballbeherrschung, Ruhe und Übersicht in höchster Bedrängnis sind beeindruckend, sein Einsatz ist vorbildlich. Spektakulär mögen andere spielen – für den VfL ist Maric der Stabilisator, den man so lange vermisst hatte im zentralen Mittelfeld.

Wenn dann noch Kapitän Marcel Maltritz so stark aufspielt wie gegen Hoffenheim, dass er die erschreckend vielen Fehler seines Innenverteidiger-Kollegen Mergim Mavraj in gewisser Weise ausgleicht, hat es auch ein Carlos Eduardo schwer, Lücken im Bochumer Bollwerk zu finden.

Das alles ist schon erstaunlich gut, es heißt aber nicht, dass es nicht besser werden kann, vielleicht: muss. Vor allem im spielerischen Bereich, wo auch Lewis Holtby diesmal wenig Akzente setzen konnte. Sestak sagt: „Es gibt kein Durchatmen. Wir müssen weiter laufen und kämpfen.”

MAVRAJ VERLETZT

Innenverteidiger Mergim Mavraj zog sich in der zweiten Halbzeit einen Bruch des kleinen Fingers an der linken Hand zu. Er wurde zunächst nur eingegipst, nach einer weiteren Röntgenaufnahme an diesem Montag soll entschieden werden, ob eine Operation erforderlich ist.

Ralf Ritter

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