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Kosenkow und Reus sprinten in Helsinki zu Silber

01.07.2012 | 20:24 Uhr
Kosenkow und Reus sprinten in Helsinki zu Silber
Wattenscheider Silberrahmen: Alexander Kosenkow (li.) und Julian Reus (re.) mit Tobias Unger und Lucas Jakubczyk. Foto: Sascha Schuermann/dapd

Zum Ende der Leichtathletik-Europameiterschaft in Helsinki gab es sie doch noch, die Medaille für Teilnehmer des TV Wattenscheid - sogar im Doppelpack. Alaxander Kosenkow und Julian Reus holten überraschend mit der Sprintstaffel Silber.

Es hätte ein stimmungsvoller und emotionaler Appetithappen für den Abend werden können, wenn, ja wenn die DFB-Kicker bei ihrer Europameisterschaft die hohen Erwartungen erfüllt hätten. Die Leichtathleten des DLV indes sorgten in Helsinki am Schlusstag ihrer EM für Höhepunkte am laufenden Band. Und auch für die Asse des TV Wattenscheid gab es ein Happy End - in der Sprint-Staffel der Männer.

Das Spitzentreffen der europäischen Leichtathleten neigte sich bereits dem Ende zu, und noch standen die Wattenscheider Teilnehmer trotz teils ansehnlicher Leistungen mit leeren Händen da, als das Finale der besten Sprintstaffeln angeschossen wurden. Auf Seiten des DLV hatte es eine Überraschung gegeben, denn mit Julian Reus - für Martin Keller - war neben Alexander Kosenkow ein zweiter Wattenscheider ins Quartett berufen worden. Eine gute Entscheidung, wie sich bald zeigen würde.

Denn Reus machte als Startläufer einen prima Job, wie auch anschließend Tobias Unger. Und dann schlug einmal mehr die Stunde des Alex Kosenkow. 35 Jahre alt ist Kosenkow inzwischen, seinen letzten nationalen Einzeltitel im Sprint gewann er 2010, die Deutsche Meisterschaft vor wenigen Wochen in der Lohrheide verpasste er wegen Krankheit. In dieser Saison hatte er noch gar keine Bäume ausreißen können. Aber wenn er sich in die Kurve legt, dann geht immer noch richtig die Post ab. Und die Kurven in Helsinki haben es in sich. Kosenkow also, der alte Fuchs, legte mit seinem rasanten Lauf die Grundlage für ein packendes Finish, das Lucas Jakubczyk schließlich auf Rang zwei trug. Und nicht nur das. Nach 38,44 Sekunden war Jakubczyk ins Ziel gestürmt, das waren nur 15 Hundertstel über dem Deutschen Rekord. Silber also für den DLV, Silber auch für die zwei Wattenscheider Kosenkow und Reus.

Alles war wieder gut.

Danach hatte es kurz zuvor nicht ausgesehen. Wütend war Malte Mohr auf der Matte der Stabhochsprung-Anlage herumgetobt. Als Weltbester dieses Jahres war Mohr nach Helsinki gefahren, als einer, dem die Belohnung verwehrt bleibt, kehrt er zurück. Mohr wurde Vierter. Der Bochumer blieb in einem atemberaubenden Wettkampf auf der Strecke. Bei 5,77 Meter wurde der Stabhochsprung in Helsinki zu einem einsamen Kampf des Franzosen Renaud Lavillenie gegen ein leistungsstarkes deutsches Trio. Für Mohr war damit allerdings schon Schluss. Die Versuche zwei und drei über 5,82 Meter brach er - jeweils unter Zeitdruck - ab, des Windes wegen. Damit war er raus.

5,91 Meter hatte er noch kürzlich in Ingolstadt gemeistert, aber in Helsinki ging im entscheidenden Moment einiges daneben. „Bei 5,82 Meter war der Stab zu weich. Dann habe ich den Stab gewechselt, aber für den brauche ich guten Wind. Und der hat gefehlt“, klagte Mohr, der seine negativen Gefühlen nicht verbergen mochte: „Dass ich hier mit dieser Leistung rausgehe, ist einfach enttäuschend.“

Mohr musste auch noch die Bronzemedaille seinem Mannschaftskameraden Raphael Holzdeppe überlassen, während Routinier Björn Otto bis zuletzt versuchte, Lavillenie zu stoppen. Letztlich erfolglos, denn der Hallen-Weltmeister und Titelverteidiger hatte auf alles eine Antwort. Schließlich gewann der Franzose mit der neuen Weltjahresbestleistung von 5,97 Metern. Aber immerhin: Silber und Bronze gingen an den DLV.

Und Malte Mohr wird schon bald die Gelegenheit bekommen, die Reihenfolge zu seinen Gunsten zu verändern - bei Olympia in London, wenn das deutsche Trio den nervenstarken Stabartisten Lavillenie erneut herausfordern wird.

Ob dann auch etwas für die 4x400-Meter-Staffel der Frauen drin sein wird, darf bezweifelt werden. Esther Cremer und ihre drei Mitstreiterinnen schlugen sich im EM-Finale am Ende des Tages wacker, kamen aber nicht über Rang fünf hinaus. 2010 war für das damals allerdings personell anders besetzte Quartett noch Silber herausgesprungen.

Zwei Silbergewinner, zwei vierte Plätze durch Malte Mohr und Weitspringerin Sosthene Moguenara, die ihr internationales Format in Helsinki nachgewiesen haben, dazu mit Esther Cremer eine weitere Staffelläuferin mit Final-Chancen - die Olympia-Fahrer des TV Wattenscheid scheinen sich zumindest auf einem guten Weg zu befinden.

Michael Eckardt

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