Knockout für die Zweitliga-Frauen

Ihre Wege trennen sich: Torjägerin Sarah Grünheid macht in Gütersloh weiter, Trainerin Sabrina Gesell nimmt sich eine Auszeit.
Ihre Wege trennen sich: Torjägerin Sarah Grünheid macht in Gütersloh weiter, Trainerin Sabrina Gesell nimmt sich eine Auszeit.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Die Zweitligamannschaft des VfL Bochum wird nicht in die kommende Saison gehen. Der VfL will damit etwa 100000 Euro sparen. Damit verzichten die Bochumer neben der U23 bereits auf eine zweite Mannschaft.

„Wir haben die öffentliche Resonanz unterschätzt“, gestand Aufsichtsratschef Hans-Peter Villis ein. Das war im vergangenen heißen Bochumer Fußball-Herbst. Im Audimax der Ruhr-Universität stimmten anschließend 270 Mitglieder für den Fortbestand der Frauen-Mannschaften beim VfL Bochum. Finanzvorstand Wilken Engelbracht mochte die Existenz der kickenden Frauen unter dem Dach des VfL dennoch nicht für alle Zeiten garantieren. Es gelte, bis 2016 eine alternative Finanzierung hinzubekommen. „Danach können wir das nicht mehr leisten“, warnte er. Das war vor einem halben Jahr. Jetzt aber zieht man wesentlich früher den Stecker - jedenfalls für die Zweitliga-Mannschaft. Sie, das ist beschlossene Sache, wird es in der kommenden Saison nicht mehr geben.

Noch 2013, ebenfalls anlässlich der Mitgliederversammlung, hatte Sportvorstand Christian Hochstätter die Anstrengungen des ersten Frauenteams öffentlich gewürdigt: „Der Aufstieg in die 2. Bundesliga war ein toller Erfolg unserer Frauen. Die allerherzlichsten Glückwünsche zu dieser Leistung.“ Nun sagt Finanzvorstand Engelbracht: „Angesichts des Vorhabens, den VfL konsequent zu entschulden und gleichzeitig die positive sportliche Entwicklung im Profi- wie im Jugendbereich voranzutreiben, kann der Verein somit nur fünf der sechs Mädchen- und Frauenmannschaften aus eigener Kraft weiterführen.“

150000 Euro pro Spielzeit kosten den VfL Bochum die sechs Frauen- und Mädchenmannschaften, die derzeit noch das blaue Trikot tragen. Der Löwenanteil davon, etwa 100000 Euro, so heißt es von Vereinsseite, geht zu Lasten der Zweitligamannschaft. Diese Summe habe man nicht annähernd gegenfinanzieren können, trotz intensiver Bemühungen um Sponsoren. Auch habe es weder von Seiten der Stadt noch von Politik und Verband Unterstützung gegeben, als die erste Erregung über die Rückzugspläne des VfL im Spätherbst 2014 abgeklungen war. Auf dem Höhepunkt der öffentlichen Diskussion hatten rund 1000 Zuschauer den Bochumer Zweitliga-Frauen in der Partie gegen die Reserve des Deutschen Meister VfL Wolfsburg moralisch den Rücken gestärkt. Anschließend jedoch ging das Interesse wieder rapide zurück.

Es darf allerdings bezweifelt werden, dass das Projekt Frauenfußball ohne die Zweitligamannschaft tragfähig sein wird beim VfL Bochum. Eher muss man in den kommenden Wochen und Monaten mit einer Art Massenflucht rechnen. Trainerin Sabrina Gesell, das ist gewiss, steht nicht mehr zur Verfügung, sie will sich eine Auszeit nehmen. Und Ralf Giera, momentan für die Regionalliga-Mannnschaft verantwortlich, schließt sich dem Bezirksligisten Concordia Flaesheim an. Mit Torjägerin Sarah Grünheid, Magdalena Richter und Kapitänin Laura Hoffmann verlässt ein leistungsstarkes Trio den Zweitligisten Richtung Gütersloh, aus allen drei Seniorenmannschaften werden Spielerinnen ihrem Beispiel folgen.

Sollten sich auch die Koordinatoren Willi Wernick („Die Enttäuschung ist riesengroß“) und Regina Müller frustriert abwenden, dann wäre das wohl das komplette Ende des Frauenfußballs beim VfL.